Wäre Hildegard #Hamm-Brücher eine Frau, dann wäre sie längst #FDP-Chefin, davon war Alice Schwarzer 1993 überzeugt: "Denn Hildegard Hamm-Brücher ist seit Bestehen der Bundesrepublik eine ihrer charaktervollsten, integersten und erfahrensten politischen Persönlichkeiten.. " Damals porträtierte die Emma-Chefin die aktuelle Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin. Und Schwarzer ahnte den Ausgang schon voraus, niemals werde die Hamm-Brücher zur Präsidentin gekürt: "Das halten die gar nicht aus. Die passt denen einfach nicht - schon weil so eine Frau ihnen überlegen ist", so Schwarzer.

Hamm-Brücher war eine kämpferische Idealistin

Die promovierte Chemikerin wurde 1921 geboren, arbeitete zunächst als Journalistin bevor sie früh in die Politik wechselte.

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1948 zog sie in den Münchner Stadtrat und wurde dann jüngste Abgeordnete der Liberalen im bayrischen Landtag. Die Politikerin sollte es "nur" bis zur Staatsministerin im Auswärtigen Amt bringen.

Der Parteiräson beugte sich die Idealistin nicht, sie war eine der wenigen Parteimitglieder, die den Wechsel der FDP 1982 von Kanzler Schmidt zu Kanzler Kohl öffentlich kritisierte.

Der nächste "Verrat" sollte sie selbst treffen, die FDP votierte 1994 bei der Wahl zum Bundespräsidenten im letzten Wahlgang nicht für Hamm-Brücher sondern für Roman Herzog.

Antisemitische Äußerungen nahm Hildegard Hamm-Brücher nicht hin

2002 gab sie ihr Parteibuch zurück. Die "andauernde rechtspopulistische, antiisraelische und tendenziell Antisemitismus schürende Agitation" von Jürgen Möllemann, sei der Grund, so Hamm-Brücher.

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Sie warf dem damaligen Parteichef Guido Westerwelle Führungsschwäche vor und zu lange zu Möllemann geschwiegen zu haben.

Als Kämpferin für liberale Werte und Publizistin blieb Hamm-Brücher aber trotzdem in der Öffentlichkeit. Sie sagte von sich selbst: "Von Heimat und totalen Begeisterung und Aufgehen in der Partei des Liberalismus kann keine Rede sein. Ich war eine, wie ich mich heute noch nenne, eine freischaffende Liberale."

Trauer bei FDP

"Wir blicken voller Respekt auf ihr Lebenswerk", sagt FDP-Chef Christian Lindner, der besonders Hamm-Brüchers Verdienste bei der Bildungsreform betont. Sie habe gewusst, dass Bildung die beste Voraussetzung für faire Lebenschancen aller Menschen sei.

"Hildegard Hamm-Brücher war eine streitbare Demokratin. Ihre Standhaftigkeit und ihre persönliche Unabhängigkeit haben sie zu einer oftmals unbequemen Politikerin im besten Sinne gemacht. Dafür erlangte sie in der Bevölkerung besondere Anerkennung", so Lindner. #tot