Nach dem Attentat von Berlin war die deutsche Regierungschefin Angela Merkel erstaunlich wortkarg und zeigte, wenigstens nach außen, keine überbordende Führungsstärke. Vor allen vermied sie, wie der Teufel das Weihwasser, jede Einbettung des Terrorangriffs in ein Gesamtbild. Denn das hätte unweigerlich Diskussionen hinsichtlich der ihr fast heiligen Willkommenskultur bedeutet. Dafür war der Bundespräsident sehr engagiert. Er ließ sich nach Angaben aus Regierungskreisen fortlaufend über die Lage informieren, besuchte die Verletzten des Anschlags im Krankenhaus und hält am Abend des ersten Weihnachtsfeiertags eine Fernsehansprache, die es in sich hat.

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Im üblichen, pastoralen Gauck-Sound zwar, aber der Kanzlerin und manchem Minister wird die Rede die Weihnachtsgans dennoch verhageln.

Der Bundespräsident gibt die Linie vor!

Auf der symbolischen Ebene wird #Joachim Gauck nämlich eine Ansprache halten, die explizit christlich ist. Ohne anders- oder nichtgläubige Menschen auszugrenzen, sendet Joachim Gauck die klare Botschaft: er ist der Präsident eines christlich geprägten Landes. Das ist umso bemerkenswerter, als dass sein Vorgänger - bevor er über ein Bobbycar sein Amt verlor - auf genau dieser Ebene ganz andere Richtungen einschlug. Bei der #Weihnachtsansprache des Staatsoberhaupts wird nichts dem Zufall überlassen. Umso bedeutsamer ist der deutlich christlich-abendländische Bezug der Rede, wenn Präsident Gauck etwa sagt, "wir sollten uns gerade in diesen Tagen besinnen auf das, was Weihnachten ausmacht und über die Christen hinaus Teil unserer Kultur geworden ist".

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Wehrhaft und einträchtig?

Auf der Sachebene macht Bundespräsident Joachim Gauck in der letzten Weihnachtsansprache seiner Amtszeit deutlich, dass es nicht sein kann, "auf politische Auseinandersetzungen zu verzichten, etwa in der Flüchtlingspolitik". Diese Debatten müssten stattfinden. Auch sei zu schauen, "ob wir zukünftig noch mehr tun müssen, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten". Damit gibt der Bundespräsident zu verstehen, dass für ihn die Merkelsche Flüchtlingspolitik keineswegs alternativlos ist - und dass er nicht sonderlich viel von jenen hält, die sich sofort gegen eine Neujustierung Gesetzen und Verordnungen zur Stärkung der innen Sicherheit positioniert haben. Der Bundespräsident gibt damit klar zu verstehen, dass er keine Denkverbote duldet.

Aufruf zu Respekt und Toleranz!

Gleichzeitig betont der Bundespräsident allerdings auch, dass man gerade "in Zeiten terroristischer Attacken (...) die Gräben in unserer Gesellschaft nicht vertiefen" darf. Es sei falsch "Gruppen pauschal zu Verdächtigen" und "Politiker pauschal zu Schuldigen erklären".

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Bemerkenswert ist das Wort "pauschal". Kritik an einzelnen Verantwortungsträgern hat offenbar auch der Präsident im Sinn. Es ist Tradition, dass der Bundespräsident seine Meinungen den Ministern, der Bundeskanzlerin und den Oppositionspolitikern abseits der Öffentlichkeit verdeutlicht. Entweder in Gesprächen oder über seinen Mann am Kabinettstisch der Bundesregierung, den Chef des Bundespräsidialamts. So mancher Tagespolitiker wird sich wohl die eine oder andere Kritik vom Staatsoberhaupt anhören müssen.

Höchst politisch und hart in der Sache!

Hübsch verpackt in salbungsvolle Worte liest Bundespräsident Gauck also der Kanzerlin und den Multikulti-Utopisten die Leviten. Er setzt der "Der Islam gehört zu Deutschland" Phrase seines Vorgängers die Leitlinie einer offenen, aber abendländisch geprägten Gesellschaft entgegen. Wird sein wahrscheinlicher Nachfolger Frank-Walter Steinmeier diesen Kurs fortsetzen? So oder so kassiert Joachim Gauck mit seiner Rede die platte "Der Islam gehört zu Deutschland" Ideologie seines Vorgängers ein und ersetzt sie durch eine differenziertere Ansage. Ein bemerkenswerter Vorgang, den mancher Beobachter zu übersehen scheint, wenn man sich die anderen Vorabmeldungen der deutschen Presse so ansieht. Letztendlich wird die Botschaft aber ankommen, und sie ist beachtlich. #Willkommenskultur