Ein erschreckender Verdacht ergibt sich aus Berichten des Springer Verlages und Informanten aus der Islamistenszene. Offenbar haben in zahlreichen deutschen Städten Geistliche in Moscheen für die türkische Regierung spioniert. Sie machten Jagd auf Anhänger des umstrittenen Predigers Gülen und gaben diese an die Generalkonsulate weiter. Auf den Listen befänden sich auch "verdächtige" Journalisten wie Sabine Christiansen sowie zahlreiche Bundestags- und Landtagsabgeordnete. Der türkische Staatspräsident Erdogan macht die Anhänger von Gülen für den obskuren Putschversuch vom Sommer des Jahres verantwortlich. Die Sachlage diesbezüglich bleibt jedoch weiter unklar.

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Bei der Ermittlung von Hinweisen über mögliche Anhänger der Gülen-Gruppe haben türkische Prediger in Deutschland offenbar tatkräftig mitgeholfen, berichtet der türkische Journalist Mahmut Licali in der Gazette „Cumhuriyet“.

Predigen und spitzeln?

Die Theologen hätten angeblich Ausforschungen in der türkischen Community in Deutschland betrieben und Stasi-ähnliche Dossiers über mögliche Gefolgsleute Gülens in die #Türkei gemeldet. „Einer Kommission des türkischen Parlaments zur Aufklärung der Putsch-Hintergründe wurden Berichte von 50 Auslandsvertretungen aus 38 Ländern vorgelegt“, berichtet N24/WELT. Drei der Berichte, die der WELT vorliegen, stammen nach Angaben des Blattes aus Deutschland, und zwar direkt von den türkischen Generalkonsulaten in NRW und Bayern. Gesammelt worden seien die Berichte von Geistlichen der „Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion“, auch bekannt als #Ditib.

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Zentral gesteuert!

Bedenklich an diesem Vorgang ist, wenn er sich weiter erhärtet, dass die DITIB deutschlandweit fast tausend Gemeinden unter ihrer zentralen Kontrolle hat. Die „Imame“ werden von einem „Präsidium für Religiöse Angelegenheiten“ gesteuert, das direkt dem Ministerpräsidenten der Türkei unterstellt ist. Dies geht so weit, dass aus Ankara sogar festgelegt wird, was in den deutschen Moscheen gepredigt wird, und zwar Wort für Wort. Dies ist nichts Neues, doch dass jetzt Geistliche zusätzlich Spitzelarbeit betreiben sollen, das hat eine neue Qualität. Sicherheitskreise sehen im türkischen Nachrichtendienst MIT einen der umtriebigsten Geheimdienste der Welt.

Was sagt das Innenministerium?

Es kommt sogar noch dreister. Die DITIB gehört der „Deutschen Islamkonferenz“ beim Bundesinnenministerium an und Funktionäre der Organisation sind „Dialogpartner“ gebilligt. Und als ob das noch nicht genug der Peinlichkeiten wäre, sind viele der ausgespitzelten Personen deutsche Staatsbürger türkischer Herkunft.

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Als wäre das noch nicht schlimm genug, werden auch nicht-türkischstämmige Menschen laut zuverlässigen Quellen im BMI namentlich als Zielpersonen behandelt. Ex-Talkshow Gastgeberin Sabine Christiansen wird dabei genannt, ebenso wie die Bundestagsabgeordneten Wagner (Grüne) und Post (SPD). Warum diese Personen als Aufklärungsziele geführt werden, scheint indes unklar.

Sind Türkeireisen sicher?

„Man muss aufgrund des gegenwärtigen Standes der Recherchen davon ausgehen, dass aus allen zehn türkischen Konsulaten in Deutschland Spionageaktivitäten ausgehen“, so die Quelle aus dem BMI. In der WELT wird ein ähnlicher Kenntnisstand dargelegt. Dieser gesamte Vorgang wirft erhebliche Fragen auf, wie sicher sich türkische Staatsbürger, deutsche türkischer Abstammung, aber auch ethnische Deutsche fühlen können, wenn sie in die Türkei reisen. Das Auswärtige Amt hat seine Reisewarnungen für die Türkei unverändert gelassen. Gleichwohl ist aus Sicherheitskreisen zu hören, dass man mit Urlaubs- und Geschäftsreisen in die Türkei derzeit besser zurückhaltend sein sollte, falls man einen türkischen Freundeskreis hat oder sich in sozialen Medien zum Thema Türkei geäußert hat. #Spionage