Brexit, Trump und das Erwachen des Nationalbewusstseins vieler Völker scheint manch Deutschen geistig zu überfordern. Nur so ist erklärbar, was Gerald H. von der Werbeagentur Scholz & Friends angerichtet hat. Denn er erlag dem Irrglauben, er müsse etwas für die Demokratie in Deutschland tun. Allein, er machte alles falsch und es endete schlimm. Denn was Gerald H. nicht bedacht - oder absichtlich in Kauf genommen hat - war, dass er die Presse- und Meinungsfreiheit frontal angreifen würde. Nach Informationen des Cicero hat er seine eigene Seite und Social Media genutzt, um die Aktion #keingeldfürrechts zu launchen. Der Autor dieses Beitrags kennt den Aufruf, die Kollegen beim Cicero haben ihn dokumentiert, und er ging so: Gerald H., der Superchefstratege aus der Werbebranche wollte im ersten Schritt die deutsche Presselandschaft spalten (in links oder böse) und dann Unternehmen aufrufen, bei jenen, die er als böse identifiziert hat, keine Werbung mehr zu schalten.

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Ein klassischer Boykott also.

Zivilgesellschaft oder Volk?

Das Problem an der ganzen Nummer ist allerdings dieses: die übergroße Mehrheit der Publikationen, die Gerald H. auf die Boykottliste setzte, sind weder rechtsradikal noch Verfassungsfeinde, sie sind einfach bürgerlich oder konservativ. Und da wird es nicht nur problematisch, sondern schockierend. Betroffen von dieser Aktion waren laut Cicero und eigenen Recherchen sogar so hochqualitative Publikationen wie die "Die Achse des Guten", die als "Wutbürger-Seite" bezeichnet wurde, auf der sich "neurechte Freiheitskämpfer" ihre Nachrichten beschaffen.

Tschüss Pressefreiheit?

Ist Deutschland wirklich an einem Punkt angelangt, an dem Personen oder Gruppen bestimmen, was man denken und schreiben darf? Gerald H.'s Werbt-nicht-bei-Konservativen Aufruf, und nichts anderes war es, erinnert an düsterste Zeiten der deutschen Geschichte.

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Natürlich wird Herr H. das Ganze gut gemeint haben und in einem Land, in dem eine ehemalige Stasi-Mitarbeiterin namens Anetta Kahane eine Art öffentlich-rechtliches Zensurbüro betreibt, können auch die Maßstäbe bei einem Werbestrategen schon mal durcheinander geraten. Zumal die Amadeu-Antonio-Stiftung der Anetta Kahane ein ähnlich problematisches Projekt am Start hat. Auch Gerald H. selbst ist offenbar politisch straff links. Über seiner derzeit abgeschalteten - aber noch einsehbaren* - Webseite prangt der rote Stern.

Der Knall!

Es entfachte sich ein breiter Protest gegen Herrn H. und seinen Arbeitgeber Scholz & Friends. Doch statt zurückzurudern goss Gerald H. auch noch weinerlich Benzin ins Feuer, vor allem in Richtung Henryk M. Broder, einen der Betroffenen: "Ich wurde geframed. Und mein Arbeitgeber auch. Warum? Damit diese Leute mehr Abos verkaufen. Und die manipulierte Digitalmeute frisst das ungefragt".

Krisenmanagement? Mangelhaft!

Angeblich versteckt sich Gerald H. derzeit vor der Zivilgesellschaft, die er in seiner Hamburger Werbeagentur-Blase so falsch eingeschätzt hatte.

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Scholz & Friends ging an die Öffentlichkeit, sagte aber im Grunde nichts. Nur, dass Gerald H. ein "Querdenker" sei, seine Aktion jedoch "unnötig provozierend". Eine echte Distanzierung sieht anders aus. Angeblich hat er inzwischen freiwillig gekündigt, aber das ist alles nebensächlich. Die Lehre aus dem - im doppelten Wortsinn - "Falles" des Gerald H. ist: Hamburger Werbe-Blasen sind nicht die Zivilgesellschaft und am Ende entscheidend ist das Volk in seiner Gänze und keine selbstherrlichen Zivilgesellschafter.

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*Die Seite von Gerald H. im Webarchivhttps://web.archive.org/web/20161210070211/http://www.davaidavai.com #Lügenpresse #Scholz & Friends #Gerald Hensel