Kurz nach dem #Attentat in #Berlin und in den Tagen danach hatten wir Kontakt mit dem Sicherheitsexperten Steven Ernst vom Thinktank SCPS International in New York City. Blasting.News hat Ernst zur aktuellen Lage eine Woche nach dem Anschlag befragt.

Blasting.News: Wie ist ihre Sicht auf die deutsche Sicherheitslage rund zehn Tage nach dem Attentat?

Ernst: Etwas irritiert und unsicher, was geschehen wird.

Blasting.News: In wie fern irritiert?

Ernst: Nicht nur ich persönlich, auch viele Kollegen sehen zwei bedeutsame Themenkomplexe, die uns doch einige Kopfschmerzen bereiten und, das muss ich ehrlich bekennen, die wir so nicht erwartet haben…

Blasting.News: Welche wären das?

Ernst: …das wollte ich gerade sagen.

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Wir sind immer davon ausgegangen, dass die Deutschen die Lage besser im Griff haben. Denken Sie an die vielen verhinderten Anschläge, die so genannte "Sauerlandgruppe" oder andere geplante Terrorereignisse, die rechtzeitig aufflogen. Da hat offensichtlich Kollege Zufall mehr dazu beigetragen als die deutsche Sicherheitsarchitektur. Nach Berlin hat sich bei vielen Kollegen die Einschätzung in Bezug auf Deutschland eingetrübt. Wobei Deutschland, auch das eine Erkenntnis die wir mitnehmen, noch weniger als ein einziger Komplex betrachtet werden kann als ohnehin schon angenommen. Die Effektivität der Sicherheitsorgane in den einzelnen deutschen Bundesstaaten (Anm. d. Red.: Ernst meint die Bundesländer) scheint stark di­ver­gie­rend zu sein. Das müssen wir in künftigen Risikoeinschätzungen besser berücksichtigen.

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Blasting.News: Und ihr zweiter Punkt?

Ernst: Wir hatten eine Bundeskanzlerin in Erinnerung, die in der Finanzkrise, nach Fukushima und in anderen Situationen sehr führungsstark, wendig und auch mutig war. Wo ist sie? Man sieht Frau Merkel im TV, aber sie handelt nicht. Was ist mit ihr passiert? Auch das ist eine Variable, die wir neu justieren müssen. Offenbar ist Frau Dr. Merkel im Moment nicht in Bestform.

Blasting.News: Sie meinen, sie könnte krank sein?

Ernst: Ich ahne, dass Sie das hören wollen, um daraus eine Schlagzeile zu machen. Nein, so leicht mache ich es Ihnen nicht. Es würde auch nicht den Kern treffen. Es ist viel mehr zu befürchten, dass die deutsche Kanzlerin sehr wohl versteht, dass sie mit der Grenzöffnung 2015 einen kapitalen Fehler begangen hat. Vor allem hat sich neben der inneren Sicherheit die gesamte EU als Projekt damit ins Wanken gebracht und dem Brexit Vorschub geleistet. Ich bin sicher, dass diese hochintelligente Frau das weiß. Aber sie ist ratlos, wie sie aus dieser Sackgasse ohne Gesichtsverlust wieder herauskommt.

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Blasting.News: Wie ist ihre Prognose?

Ernst: Ich wage aufgrund der beiden veränderten Variablen keine. Allerdings befürchte ich, dass es für Frau Dr. Merkel keinen Ausweg ohne Gesichtsverlust geben wird.

Blasting.News: Rechnen Sie damit, dass ihre Partei oder die CSU sie rechtzeitig vor der Wahl im Herbst "wegputschen"? Es gibt Gerüchte darüber.

Ernst: Vergessen sie Gerüchte. Gerüchte heißen Gerüchte, weil niemand etwas weiß. Ich auch nicht. Man wundert sich in meinen Kreisen derzeit nur, was im politischen Berlin gerade passiert.

Blasting.News: Vielen Dank für heute.

Ernst: Sie sind immer willkommen. #Terror