Schwere Zeiten für die Präsidentin Südkoreas, Park Geun-hye. Das Parlament des demokratischen Süden des geteilten Landes hat für ein Amtsenthebungsverfahren gegen seine Staatschefin gestimmt. Der entsprechende Antrag wurde überraschend mit der zwingend erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit durch das Abgeordnetenhaus gewunken, berichten die Nachrichtenagentur YONHAP und die L.A. Times.

In Ausübung ihrer Amtsführung habe die Präsidentin, so die Begründung des Antrags, wiederholt und in schwerwiegender Weise gegen die Verfassung und einzelne Gesetze verstoßen. #Präsidentin Park, selbst die Tochter eines Junta-Chefs der #Südkorea in den Siebzigerjahren als Militärdiktator regiert hat, gesteht zwar gewisse Fehler ein, beteuert aber ansonsten konsequent ihre Unschuld.

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Sie habe ihre Amtspflichten nicht verletzt und sich nie persönlich bereichert.

Südkorea in Aufruhr!

Präsidentin Park wird vorgehalten, sie habe eine Freundin namens Choi Soon-sil, eine Frau mit zweifelhaftem Ruf in Südkorea, quasi mitregieren lassen, sie in Staatsgeheimnisse eingeweiht und auf ihren Rat gehört. Dadurch sei einer ungewählten Person Einfluss auf die Geschicke Südkoreas ermöglicht worden. Erschwerend hinzu käme die Vermutung, dass diese Freundin ihre Verbindungen gebraucht haben soll, um Gelder für Stiftungen in privater Hand zu akquirieren. Das südkoreanische Volk ist darüber so sehr in Wut, dass es in letzten Monaten zu den massivsten Demonstrationen seit Einführung der Demokratie im Lande gekommen war. Über zwei Millionen Demonstranten gingen in der Hauptstadt Seoul und in anderen Landesteilen auf die Strasse.

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Die Beliebtheitswerte Parks fielen in den einstelligen Prozentbereich.

Nordkoreas Tentakel?

Dass ihre eigene konservative Partei ihr in den Rücken fällt und mit der Opposition im Parlament gemeinsame Sache macht, hatte Park Geun-hye dennoch nicht erwartet. Sie zeigte sich überrascht und betroffen angesichts der breiten Unterstützung des Antrags, der jetzt dazu führt, dass ihre Vollmachten mit sofortiger Wirkung vorläufig auf den Ministerpräsidenten des Landes, Hwang Kyo-ahn, übergehen. Das Amtsenthebungsverfahren selbst kann Monate dauern, was Südkorea eine politische Hängepartie bescheren wird. Analysten stellen hinter vorgehaltener Hand auch die Frage, in wie weit subtile propagandistische Einflussnahmen aus #Nordkorea eine Rolle spielen könnten.

Kim Jong-un gegen Park?

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der junge nordkoreanische Diktator Kim Jong-un eine tiefe Abscheu gegen Park pflegt. Wie die Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte hinsichtlich der Phase der deutschen Teilung zeigt, gab es auch hier mannigfaltige Einflussnahmen auf die westdeutsche Meinungs- und Willensbildung durch Institutionen der DDR. Gänzlich undenkbar ist ein solches Geschehen zwischen Nord- und Südkorea daher keineswegs. Die politische Karriere von Präsidentin Park scheint jedoch auf jeden Fall beendet. Zu unbeliebt ist sie inzwischen in der Bevölkerung.