(StS/NYC) Klammheimlich freut sich manch Überdrüssiger des europäischen Flüchtlings-Chaos über Trumps Einreisestopp. "Endlich hat mal einer den Mut dem ganzen Unsinn Grenzen aufzuzeigen!", so die Stimmung bei vielen, die das gutmenschelnde "Refugees Welcome" satt haben. Als Autor dieser Zeilen bekenne ich: ja, auch ich bin ein Konservativer, und zwar ein lupenreiner. Trotzdem, oder gerade deswegen, bin ich ebenso wie viele Gleichgesinnte verstört über die erste Woche des Donald #Trump auf dem Chefsessel im Weißen Haus. Denn als Konservativer möchte man nicht nur bewahrt haben, was ist. Man glaubt auch an Sekundärtugenden wie Fleiß, Anstand, Umsicht und vor allem das gute alte Adenauer-Mantra: "Keine Experimente!".

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Aus der Sicht eines Konservativen hat Donald Trump, seit er in das Oval Office eingezogen ist, zwei Todsünden begangen. Erstens hat er mit Traditionen gebrochen, indem er einfach am Kongress mit Dekreten vorbeiregiert - gerade so, als ob die Vereinigten Staaten seine Firma wären. Zweitens hat er mit der schlampigen Ausführung seines Einreiseverbots in den Fächern Ordnung, Konzentration, Umsicht und Vorausschau eine glatte Sechs verdient. Man kann als Präsident des mächtigsten Landes der Welt nicht einfach Menschen aussperren, die in den USA leben, Steuern zahlen und dank ihrer Green Card fast Staatsbürger sind. Das ist nicht konservativ, das ist hirnrissig.

Einfach komplett verrückt!

Die Auswahl jener Staaten, deren Angehörige jetzt nicht mehr in die USA einreisen dürfen, ist ebenso bizarr wie fern jeder Logik.

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Das Weiße Haus betont zwar, Trump habe auf eine Vorlage Obamas zurückgegriffen, doch ist das - nach den Worten eines ehemaligen Rechtsberaters Obamas auf CNN (US-Edition) - schlicht eine Lüge. Es habe zwar eine #Liste mit diesen sieben Ländern gegeben, jedoch zu ganz anderen Zwecken. Kein Staatsangehöriger dieser #Länder hat seit 2001 im Westen einen größeren Anschlag verübt oder auch nur vorbereitet.

Die Terroristen waren Saudis, Emiratis, Pakistaner, Franzosen und Belgier!

Die Attentäter von 9/11 waren Ägypter, ein Libanese, Saudis und Staatsbürger der Emirate. Die Terrorbrüder von Boston waren Tschetschenen mit russischen Pässen. Die Mörder von San Bernardino (2015) waren Pakistaner, die Chefplaner von 9/11 ein Saudi und ein Pakistaner. Und wo sind die Taliban unterwegs? Genau, in Afghanistan. Wo die IS-Ableger? Auf dem ägyptischen Sinai, im Libanon, in der Südtürkei, im Kaukasus und in Mali. Kein einziges dieser Länder steht auf Donald Trumps Einreisestopp-Liste. Ebensowenig wie andere Länder mit Extremismus wie Indonesien, Malaysia und, man mag es kaum schreiben, Frankreich oder Belgien.

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So ein Zufall aber auch?

Mehr oder wenig zufällig haben die sieben verbannten Staaten jedoch eines gemeinsam. Nein, nicht den Terrorismus, und nein, auch nicht den Islam. Es sind einfach jene Länder, in denen Trump keine geschäftlichen Interessen hat. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Das ist kein Konservatismus, das ist billig kopierter Berlusconismus!

Selbst mit der größten Lupe findet man als Konservativer in Trumps Aussperr-Dekret keinen Konservatismus. Man erkennt Flecken von Geschäftsinteressen, eine Spur Ahnungslosigkeit, viel Willkür und eine ordentliche Portion Silvio Berlusconi. Ein bißchen Theater hier, ein wenig Bungabunga dort. Man will seine Wahlversprechen einlösen und seine Geschäftsinteressen nicht schädigen? Kein Problem, dann nimmt man einfach irgendwelche Länder, Hauptsache sie sind muslimisch. Dem Erdnussfarmer aus Kansas wird der Unterschied sowieso nicht auffallen. Das Land wird dadurch nicht sicherer, der IS nicht vernichtet und der Fundamentalismus nicht geschwächt. Aber es merkt ja keiner, denn die Dinge sind komplex. Als Konservativer, der bis drei zählen kann, bekommt man bei dieser Art von Showpolitik allerdings einfach nur noch Ekelgefühle.