Nach schwerer Krankheit ist der frühere deutsche #Bundespräsident #Roman Herzog (CDU) im Alter von 82 Jahren verstorben. Er war in der Amtsperiode von 1994 bis 1999 das Staatsoberhaupt und der siebte Präsident seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Der amtierende Bundespräsident Joachim Gauck (parteilos) gab bekannt, die Nachricht vom Ableben Roman Herzogs erfülle ihn mit "tiefer Trauer". Herzog sei eine "markante Persönlichkeit" mit einem "vorwärtsstrebendem Mut" gewesen und habe "das Selbstverständnis Deutschlands und das Miteinander in unserer Gesellschaft geprägt und gestaltet", schrieb Präsident Gauck an Romans Herzogs Witwe, Alexandra Freifrau von Berlichingen, mit der er in zweiter Ehe verheiratet war.

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Seine frühere Gattin Christiane verstarb krankheitsbedingt bereits im Jahr 2000. Roman Herzog gilt als der erste Bundespräsident der "Berliner Republik", also des von Berlin aus regierten wiedervereinigten Deutschlands. Noch vor der Regierung und dem Parlament zog Bundespräsident Herzog aus der edlen Villa Hammerschmidt in Bonn in den damals noch völlig unrenovierten Berliner Amtssitz "Schloss Bellevue" und setzte damit Zeichen einer neuen Zeit.

Ein progressiver Konservativer!

Roman Herzog war ein durch und durch konservativer Politiker, der jedoch Verstand, dass das "Bewahren" oft nur mittels Veränderungen gelingt. In seinem Amt sorgte er sich um eine politische Stagnation in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre. Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung nahmen zu, der Aufbau Ostdeutschlands machte mehr Mühe als gedacht und Westdeutschland erlebte einen Investitions- und Innovationsstau.

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Während der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl all diese Probleme "aussaß", wie es damal hieß und sich seinem Lieblingsprojekt - dem Euro - widmete, machte Bundespräsident Herzog dem Land und der Regierung klar, dass es so nicht weitergehen kann. In seiner berühmten "Ruck-Rede" setzte er den Ton, nicht nur für den Wahlkampf des Jahres 1998, sondern auch für die Reformpolitik der rot-grünen Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD). Herzog sagte damals: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen". Auch der Anstoß, die Bildungsstandards an den deutschen Schulen zu erhöhen, kam Maßgeblich von Bundespräsident Herzog, der auch nach seiner "Bildungsrede" 1997 an diesem Thema dranblieb.

EU-Skeptiker - zu spät!

War Herzog als Bundespräsident noch ein kritikloser Unterstützer der EU-Politik Helmut Kohls und unterschrieb jedes der entsprechenden Gesetze, so wurde er im Lafue der "Nullerjahre" zu einem Kritiker einer sich immer mehr zentralisierenden Europäischen Union.

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In einem Interview mit der JF im Jahr 2011 sagte er: "Und das wiederum ist für mich ein Indiz dafür, daß die EU-Eliten die EU längst als entstehenden oder gar als bereits sehr weitgehend entstandenen Staat empfinden. Aber das war nie so vereinbart und ist auch durch nichts demokratisch legitimiert".

In die rechte Ecke geschoben?

Obwohl Roman Herzog, zunächst als Minister in Baden-Württemberg, dann als Bundesverfassungsrichter und später im Amt des Bundespräsidenten niemals als "Rechter" erkennbar war und seine Politik einem konservativ-liberalen Denken entsprach, wird von ihm im offenbar zunehmend verkommenden "Lexikon" Wikipedia durch eine Hervorhebung irrelevanter Petitessen das Zerrbild eines Rechten gezeichnet. Dabei war die kritische Erinnerung an die Nazi-Zeit eines seiner Herzensanliegen. Zu Beginn seiner Amtzeit reiste er nach Polen, um des "Warschauer Aufstands" von 1944 zu gedenken. Herzog nannte die "deutsche Schuld" dort und anderswo immer wieder klar beim Namen.

Was bleibt?

So bleibt, außer in den wirren Geistern einiger Politaktivisten eines Online-"Lexikons", die Erinnerung an einen starken, konservativen, weltoffenen und mutigen Bundespräsidenten, dessen Denken und Handeln Deutschland weit über seine Amtszeit hinaus geprägt hat. #tot