Das Gutachten wurde vom Psychiater Henning Haß vorbereitet, der bereits emeritiert ist. Es stellt zwei Bilder von #Tschäpe vor: Mal ist sie stark, mal schwach. Sie selbst stellt sich schwach vor, Saß glaubt ihr jedoch nicht. Wäre die Version "stark" plausibel, bedeute dies für sie lebenslänglich.

Sie stellte sich selbst als „schwache und abhängige Frau“

die erst im Nachhinein über die Morde erfahren hat, die ihre beiden Komplizen begangen haben. Doch Saß glaubt ihr hier kein Wort. Seiner Meinung nach war sie „zur kämpferischen Selbstbehauptung, zu einer nahezu feindselig durchgehaltenen Beharrlichkeit und zum erfolgreichen Durchstehen massiven zwischenmenschlichen Konfliktes„ bereit - so der Spiegel.

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Saß weiter: „Tschäpe gebe sich gegenüber Männern überlegen“, er attestiert ihr „eine Tendenz zur Dominanz, Härte, Durchsetzungfächigkeit“.

Vor dem Gericht sagt sie aus, dass sie „ihre Situation im NSU schon früh als ausweglos empfunden hat und durchgängig emotional bedrückt gewesen sei“, berichtet der Spiegel weiter. Dem stünden Urlaubsbekanntschaften und Wohnungsnachbar entgegen.

Dazu kommen auch die Aussagen von Kai S.,

der das Trio bereits mit 17 Jahren kennenlernte. Von seiner Mutter vor die Tür gesetzt, traf er die drei späteren Terroristen Tschäpe, Mundlos und Börnhardt im Jugendtreff Winzerclub. Zu den Beziehungen unter den drei sagt er aus, die beiden Männer hätten den Cousin von Tschäpe nicht gemocht und nannten ihn wegen seiner Trinkeingewonheiten „asozial“. Den Zeugen hat es gewundert, wieso die beiden Männer so eng befreundet sein konnten.

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Börnhardt habe Mundlos als Sadist empfunden, der schnell ausrastet, wenn er jemanden nicht mag. Zu Tschäpe sagt Kai S. sie sei offen, freundlich, selbstbewusst.

1996 fragte ihn Mundlos, ob er etwas für ihn machen könnte.

Es ging um das Aufhängen eines Puppentorsos mit einem Stern drauf über einer Autobahnbrücke, man brauchte einen Alibizeugen. „Ich habe ja diese Radikalisierung mitbekommen“, so Kai S., "man fängt mit einer Puppe an und macht dann weiter mit Sprengstoff-Attrapen. Dann geht man in den Untergrund und verübt Raubüberfälle zur Geldbeschaffung. Da dachte ich mir: Bis hier und nicht weiter“.

Mundlos, Tschäpe und Börnhardt waren außerdem Mitte der Neunzigerjahre Mitglieder der Kameradschaft Jena, außerdem gehörten sie zu der „Anti-Antifa Ostthüringen“, welche unter dem Namen Tühringer-Heimatschutz bekannt ist. Hier wollten sie sich „mehr aktionistisch“ betätigen. In dieser Zeit mieteten sie mehrere Garagen, wo sie Waffen und sprengfähiges Material hielten.

Beide Komplizen von Tschäpe begingen Selbstmord bei drohender Verhaftung. Mittlerweile ist es dank dem Gutachten möglich, die Dritte der Terroristen und einer der Rassisten zu verurteilen. #NSU_Prozess #Rassismus