Es gibt im privaten Leben wie auch in der Politik Dinge, die man unbedingt tun sollte. Dazu gehört, das Gegenüber ernst zu nehmen und entlang von Fakten zu handeln anstelle von Hoffnungen. Dies wurde gegenüber der #Türkei fünfzehn Jahre lang unterlassen und jetzt hat man den sprichwörtlichen Salat. Denn Präsident #Erdogan hat niemals ein Geheimnis daraus gemacht, was seine Pläne für die Türkei sind. Immerhin saß der Mann dafür auch schon als Staatsgefährder im Gefängnis, bevor er zum Imperator der Osmanen wurde. Erdogan sagte seinerzeit: "Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten."

Ein lupenreiner Islamist?

Erdogan war als junger Politiker ein vollwertiger Islamist, der in einem Moment der Klarheit erkannte, dass er die (säkulare) weltliche Türkei nicht übernacht in ein islamisches Kalifat umwandeln kann.

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Also nahm er einen neuen Weg, nämlich jenen durch die Institutionen. Seine Partei AKP verpackte er als eine Art islamischer CSU, sprach viel vom EU-Beitritt der Türkei und setzte Reformanforderungen der EU um und wurde nach Informationen aus dem US-State Department von Barack Hussein Obama aktiv ermuntert, seinen Weg zu gehen. Da war sie also, die goldene Gelegenheit für Erdogan und seine AKP, ihren Traum einer islamistischen Türkei zu erreichen.

Gleiche Maßnahmen, verschiedene Ziele!

Denn in der Türkei hatte die vom Gründungsvater der Republik, Atatürk, durchgesetzte Trennung von Staat und Religion sowie die parlamentarische Demokratie nur deshalb viele Jahrzehnte Bestand, weil das zutiefst säkulare Militär sicherstelle, dass jeder Abweg unterbunden wurde - im Notfall auch mal per Militärputsch.

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Doch hatten diese Putsche stets das Ziel der Bewahrung von Demokratie und weltlich-freiheitlicher Ausrichtung der Republik. Die EU und #Obama verlangten nun, dass die Türkei die Generalität und das gesamte Militär entpolitisiert. Erdogan gab diesem Wunsch nur allzu gerne nach, denn so konnte er mit Hilfe der EU die Grundlagen schaffen für seine weiteren Pläne, die unter der Aufsicht des Militärs nicht denkbar gewesen wären. In Ankara freute man sich, in Brüssel war man "deppert wie eine Almkuh", wie ein bayerischer EU-Politiker in einem Hintergrundgespräch zugab.

Wie wird es weitergehen?

Man muss nicht im Besitz einer Glaskugel sein, um vorherzusagen, was in der Türkei weiter passiert. Denn bislang hat Präsident Erdogan immer vorher gesagt, was er zu tun gedenkt, es hat ihn nur niemand ernst genommen. Tut man das, ist die Sache klar: binnen maximal zwei Jahren wird aus der vor kurzer Zeit noch säkularen und demokratischen Türkei mit halbwegs funktionierendem Rechtsstaat eine moderat islamistische Demokratur werden, an deren Spitze auf unabsehbare Zeit Präsident Erdogan stehen wird, der nur noch per Dekret regieren wird.

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Dies ist schon jetzt der Fall "dank" des Ausnahmezustandes im Land. Dieser Ausnahmezustand wird das neue Normal.

Kann man etwas dagegen tun?

Nichts und niemand von außen wird Erdogan und seine AKP Partei davon abhalten können. Die EU kann sich maximal über ihre frühere Blauäugigkeit ärgern, ändern kann sie nichts mehr. Auch die USA werden gegen den NATO-Partner Türkei nichts tun und die Russen spielen diplomatisch geschickt mit der selbstverliebten Führung in Ankara. Wenn es einen Wandel geben sollte, dann nur aus der Türkei selbst heraus. Doch aufgrund der "Säuberungswellen" im zweiten Halbjahr 2016 hat Präsident Erdogan alle missliebigen oder kritischen Beamten, Richter, Professoren, Journalisten usw. aus ihren Ämtern und Positionen entfernen lassen.

Realismus!

So bleibt ein sehr einfaches Fazit, das sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bewahrheiten wird: Die Türkei wird in Zukunft eine Autokratie sein, moderat islamistisch, stark, selbstbewusst und dem Westen in Ablehnung doppelzüngig zugeneigt. Für jede andere Entwicklung ist der Zug abgefahren.