Über den neuen #SPD-Chef und Kanzlerkandidaten #Martin Schulz sprach Blasting.News mit dem Politikexperten Steven Ernst vom Thinktank SCPS International in New York.

Blasting.News: In Deutschland ist heute eine nicht ganz unbedeutende Personalentscheidung gefallen. Sind Sie darüber im Bilde?

Ernst: Absolut. Wir beobachten die Lage in allen europäischen Ländern sehr genau, natürlich auch in Deutschland, das immerhin das größte Land innerhalb der EU ist.

Blasting.News: Hat Sie die Kür von Martin Schulz als SPD-Chef und Kanzlerkandidat überrascht?

Ernst: Die Entscheidung, ihn zum Kanzlerkandidaten zu machen nicht, nein. Wir haben einige Marker registriert, die dafür sprachen, dass es so kommen wird.

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Dass er aber Vizekanzler Gabriel auch als Vorsitzender der SPD ablösen wird, das kam in unseren Prognosen nicht vor. Hier wurden wir kalt erwischt.

Blasting.News: Was sind „Marker“?

Ernst: Wir werten das Verhalten von Personen der Öffentlichkeit und die Berichterstattung darüber aus und suchen dabei nach „Markern“, also Indizien, die ein Szenario stützen, oder eben nicht.

Blasting.News: Macht sich die deutsche Sozialdemokratie mit Martin Schulz einen Gefallen.

Ernst: Sich selbst? Ja. Martin Schulz hat etwas, das der deutsche Sozialdemokrat als solcher sehr gerne mag. Den so genannten „Stallgeruch“. Martin Schulz ist SPD-Mann durch und durch, die Partei mag das, sie legt darauf großen Wert. Auf das Land und die Wahlen bezogen sieht es anders aus. Dort gibt es drei Parteien, die sich über Schulz freuen können.

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Die FDP, die Linke und die AfD.

Blasting.News: Wieso das?

Ernst: Martin Schulz polarisiert, er ist ausgesprochen eitel und schnell aufbrausend. Ironischerweise genau das, was die deutschen Medien Präsident Trump vorwerfen - erschwert um den Fakt, dass Herr Schulz auch noch Alkoholiker ist.

Blasting.News: Ist es nicht unfair immer wieder darauf herumzuhacken? Immerhin in der Mann „trocken“.

Ernst: Wir sind kein Krankenhaus und keine Entzugsanstalt. Aber Politiker mit Suchtkrankheiten werten wir generell als Sicherheitsrisiko, vor allem wenn ein komplexer Charakter hinzukommt.

Blasting.News: Sie haben eben gesagt, die FDP, die Linken und die AfD dürfen sich freuen. Wieso?

Ernst: Können sich freuen, was sie dürfen bestimme nicht ich. Schauen Sie, Herr Schulz ist, sagen wir einmal für einen alternden Sozialdemokraten aus dem Ruhrgebiet, sicher ein Traumkandidat. Um aber die SPD von 20% wieder zurück zu regierungsfähigen Werten zu führen, bedarf es eines Kandidaten, der ein weites Spektrum abdeckt und nicht die eigene Kernklientel glücklich macht.

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So ist es wahrscheinlich, dass durch Schulz ein Teil der sozialliberalen SPD-Wähler zur FDP wechseln wird, die sich nach außen weicher gibt denn je. Die eher linken werden zum Original wechseln, das mit Sahra Wagenknecht ein starkes Zugpferd hat, die EU-Gegner und nationaler gesonnenen SPD-Wähler werden zur AfD wechseln. Denn vergessen Sie nicht, Martin Schulz steht als ehemaliger Präsident des EU-Parlaments für jene Form der zentralistischen EU, die derzeit maximal unpopulär ist.

Blasting.News: Bei all den Wählern, die Sie weggehen sehen, wäre ja kaum noch jemand übrig.

Ernst: Einige Senioren werden aus Tradition sicher noch ihr Kreuz bei der SPD machen. Wir geben ihr im Schulz-Szenario zwischen 15% und 20%. Im Gabriel-Szenario wären es 22% bis 29% gewesen.

Blasting.News: Wenn Sie solche Szenarien haben, wer hätte aus Ihrer Sicht die besten Chancen?

Ernst: Malu Dreyer, die Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz. Wir haben ein Szenario mit ihr als Kandidatin durchgespielt. Dort kam die SPD auf 30% bis 35%.

Blasting.News: Ihr Fazit?

Ernst: Die SPD hat, um das Vokabular des Fraktionsvorsitzenden Oppermann zu benutzen, strategisch nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Blasting.News: Vielen Dank für das Gespräch.

Ernst: Jederzeit wieder! #Sigmar Gabriel