#Helmut Kohl gab sich konservativ, hatte das Glück Bundeskanzler zu sein als die deutsche Einheit geschaffen werden konnte und gab sich bieder. Doch in Wahrheit war er ein Revolutionär, dem die europäische Einigung viele Male über die Vernunft ging. Der Politologe Hans-Peter Schwarz erinnert daran, dass Kohl schon als junger Mann, kurz nach dem zweiten Weltkrieg, die "Relativität staatlicher Grenzen" erkannt zu haben glaubte. Bei Wissembourg, an der Grenze der Südpfalz zum Elsass war Kohl Teil der "Schlagbaumstürmer". Er, der spätere große Kanzler der Einheit, beschädigte 1947 Schlagbäume, weil er die "Vereinigten Staaten von Europa" wollte, so Schwarz.

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Dabei muss man sich vor Augen halten, dass es 1947 noch nicht einmal einen deutschen Staat gab. Deutschland stand unter Besatzung und die wenigen verbliebenen Demokraten versuchten ihr Bestes, auf den Trümmern der Nazi-Herrschaft einen funktionierenden deutschen Staat aufzubauen. Während also die Politiker damals mit den Kriegsgewinnern um eine Zukunft für Deutschland rangen, demolierte der junge Helmut Kohl Grenzanlagen zu Frankreich.

Er zog die Europäische Union durch!

Das Interessante, Erschreckende und Bemerkenswerte ist, dass Helmut Kohl sich treu blieb in seinem jugendlichen grenzenlos-"Wahn". Normalerweise werden Menschen mit dem Alter milder. So wurde aus dem Steinewerfer Joschka Fischer (Grüne) ein angesehener Außenminister und Vizekanzler. Anders bei Kohl. Sein EU-Fanatismus nahm mit den Jahren sogar zu.

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Die deutsche Einheit ist ihm durch den "Mantel der Geschichte" in den Schoß gefallen. Europa aber, die Vereinigten Staaten von Europa, Deutschland als Provinz eines europäischen Imperiums - das war seine wahre ideologische Grundlage. Schwarz berichtet, dass Kohl - kaum dass die deutsche Einheit formell da war - im Frühjahr 1991 dem CDU-Vorstand seine Vision der "Vereinigten Staaten von Europa" als umzusetzendes Ziel diktierte. Bis auf Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) traut sich heute kaum noch jemand, diesen Begriff zu benutzen. Doch viele arbeiten weiter an Kohls Projekt, die Europäische Union zu einer Art Staat auszubauen.

Er wollte den Euro, egal was es kostet!

Der Wissenschaftler Hans-Peter Schwarz räumt auch mit der Legende auf, der #Euro sei eine Bedingung der Franzosen für die Deutsche Einheit gewesen. Die Einheit Deutschlands war damals ein Selbstläufer, sie musste gestaltet werden, doch sie wäre so oder so gekommen. Kohl nutzte aber sehr geschickt die Gunst der Stunde, um seine Europa-Visionen durchzusetzen.

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Schon vor dem Fall der Berliner Mauer und dem Kollaps des Kommunismus in Osteuropa bastelte er mit seinem französischen Freund François Mitterrand an den Ideen eines europäischen Einheitsstaates, mit dem Euro als vorsorgliche Fessel vorneweg.

Schröder kam zu spät!

Seinem Nachfolger Gerhard Schröder (SPD), der den Euro eigentlich als "kränkelnde Missgeburt" betrachtete, blieb nichts anderes übrig, als die Umsetzung des ganzen Dilemmas. Der Zug hatte den Bahnhof schon verlassen und war nicht mehr aufzuhalten, auch in Sachen Grenzsicherung, Machtabgaben nach Brüssel und dergleichen. Helmut Kohl war als Bundeskanzler also keineswegs ein deutscher Patriot, sondern immer noch der Junge von 1947, der Staatsgrenzen demolierte, als die klugen Leute dabei waren, Deutschland wieder aufzubauen. Wer all dies nicht wahrhaben will, der möge einfach "Kohl" plus wahlweise "Schlagbäume", "Europaunion", "Paneuropaunion", "Hans-Peter Schwarz", "1947", "Schlagbaumstürmer" und andere Schlüsselbegriffe dieses Kompass-Beitrags googeln. Es ist leider die Wahrheit. #Europäische Union