Erinnerungen werden wach mit Blick zu den letzten Bundestagswahlen, als kaum jemand mit dem frapanten Absturz einer FDP gerechnet hatte, immerhin mussten die Liberalen von 14,6% im Jahre 2009 vier Jahre später einen Absturz von nahezu zehn Prozent hinnehmen, verließen mit nur 4,8% zum ersten Mal den Deutschen Bundestag seit ihrer Gründung.

Parallel schnupperte die kürzlich erst gegründete #AfD mit 4,7% an der Fünf-Prozent-Hürde. Während manch Politiker dieser rechten Partei zur bevorstehenden 19. Bundestagswahl von zwanzig Prozent und mehr sinniert, erreicht sie laut GMS-Umfrage von vorgestern gerade mal 11%. Grund genug für die großen Volksparteien sich sicher im Sessel zu wähnen?

Schäubles Schelte gen Schulz eröffnet Offerten

In den Medien, speziell im Spiegel schüttete Finanzminister Wolfgang Schäuble sein Herz aus, beschwerte sich über den neuen Kanzlerkandidaten der SPD, verglich Schulzes „Make Europe great again“ mit dem neuen US-Präsidenten #Donald Trump, Schulz solle doch seine „Dampfplauderei“ unterlassen, hier befände man sich schließlich nicht im US-Wahlkampf „postfaktischer Methoden“.

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Wer zu laut tönt oder unpassende Argumente vorträgt, solche Vergleiche zieht, hat am Ende das Nachsehen. Dies sollte auch Herr Schäuble verinnerlicht haben.

Im längst stattfindenden Koalitionsgeschachere kann die Reaktion der SPD ebenso nicht unbedingt punkten, wenn SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann wiederum Schäuble selbst "Trump-Niveau" anlastet. Was sollen jene simplen Offerten, die letztlich das Hoch dieser sogenannten Volksparteien in Frage stellen kann? Davon profitieren allenthalben die kleineren Parteien, die Furcht vor Trumps Politik hat im Wahlkampf so gar nichts verloren, zumal derartige Vergleiche hinken.

Das Bild vom einfachen Mann aus dem Volk – Trugbild oder Chance?

Sahra Wagenknecht hat sich vollkommen zurecht positioniert. Wer die Agenda 2010 hochhält, Kriegseinsätzen nicht abschwört und der Einführung der Vermögenssteuer entsagt, dem folgt die Linke nicht in der R2G-Koalition.

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Punkt.

Gleichzeitig muss man etliche Stimmen beobachten, die tatsächlich den Worten eines #Martin Schulz lauschen, der viele Entscheidungen der Agenda 2010 bedauert. Ihnen möge vielleicht Skepsis weiterhelfen, dass in Wahlkampfzeiten viele Versprechen hinterher nicht mehr gelten. Unabhängig davon hat die SPD ohnehin mehrere Optionen, falls die FDP doch wieder im Plenum sitzend als Koalitonspartner in Frage kommen könnte, selbst eine Große Koalition wäre nicht gänzlich undenkbar.

Schulzes vermitteltes Bild vom einfachen Mann aus dem Volk gerät insofern von Beginn an ins Wanken für all diejenigen, die markanten Wahlkampfversprechen nicht auf den Leim gehen. Die nächsten siebeneinhalb Monate bis zur Bundestagswahl bleiben spannend, die ein oder andere Überraschung mag folgen, der Wahlkampf selbst darf jetzt schon als schmutzig gewertet werden.