Eine kleine Eilmeldung versetzte viele Europäer für kurze Zeit in Schrecken. Nach einer Explosion im französischen #Atomkraftwerk Flamanville, gelegen am Ärmelkanal, war kurze Zeit unklar, ob Radioaktivität freigesetzt worden war. Die Entwarnung kam schnell, doch ein mulmiges Gefühl bleibt. Die erste offizielle Sprachgelung war, es habe sich um "Geschehen ohne signifikantes Risiko" gehandelt und sei im nichtnuklearen Teil der Anlage vorgefallen. Es habe zwar einen technischen Vorfall gegeben, aber in keiner Weise ein nukleares Problem. Die örtliche Präfektur stellte schnellstens klar, dass keinerlei atomare Gefahr bestehe. Es wurde das Bild eines harmlosen Betriebsunfalls gezeichnet, wie er in der Industrie vorkommen kann.

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Doch wie ungefährlich oder gar harmlos war der Vorfall wirklich? Immerhin wurden fünf Menschen nach offiziellen Angaben "in leichter Weise vergiftet, aber nicht verletzt", verlautbarte der Kabinettsdirektor der Präfektur. Vergiftet aber nicht verletzt? Vergiftet mit was? Und ist das keine Verletzung? Klingt eher nach Sprachakrobatik als nach echter Aufklärung.

AKW Baujahr 1985!

Infolge einer Betriebsstörung an der Ventilation im Turbinenraum entwickelte sich - so französische Medien auf Berufung auf Politiker - ein kleiner Schwelbrand. Die Löscharbeiten hätten rund drei Stunden gedauert, der Reaktor Nummer 1 der Anlage (Baujahr 1985) wurde währenddessen abgeschaltet.

Stolze Atomnation?

#Frankreich ist das Nuklearland Nummer eins in Europa. Viele der Reaktoren stehen entweder an der Küste oder in der Nähe der deutschen Grenze.

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So auch das Uralt-AKW Fessenheim am Rhein, in Laufweite von Freiburg im Breisgau. Dessen Stilllegung rückt zwar näher, doch wäre es nach deutschen Standards wohl längst vom Netz. Mag die Gelassenheit der Franzosen im Umgang mit dem Klapper-AKW am Rhein auch daran liegen, dass die meiste Zeit des Jahres der Wind nach Deutschland weht? Böse Zungen behaupten das.

Es wird beruhigt!

In einem Gespräch mit Radiosendern erklärte der Präfekt der Region, Jacques Witkowski, dass eine Störung im nicht-nuklearen Turbinenraum des AKW eine Störung gehabt habe. Dies habe zu einem sichtbaren Feuer mit Rauch geführt, sei aber keine ernste Sache. Zu keinem Zeitpunkt habe es ein "atomares Risiko" gegeben. Deswegen habe man auch keinen Notfallplan für solche Situationen in Kraft setzen müssen.

Was war die Ursache?

Schuld an dem ganzen Vorfall soll ein kleiner Funke gewesen sein, der eine Explosion zur Folge hatte, erklärte dagegen die Betreibergesellschaft EDF. Atomkraftgegner verweisen auf die unterschiedliche Wortwahl der Verantwortlichen und Politiker.

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Während die Präfektur von einem unbedeutenden technischen Fehler sprach, nahm der Betreiber das Wort "Explosion" in den Mund. Videoaufnahmen des Vorfalls sprechen eher für ein größeres Geschehen.

Deswegen nervös?

Vermutlich muss man die ganze Sache vor dem Hintergrund zweier Sachverhalte betrachten. Einerseits gilt Flamanville Kritkern als Pannen ebenso zugeneigt wie die inzwischen stillgelegten deutschen Reaktoren in Biblis und Krümmel. Zweitens wird Flamanville derzeit um einen neuen Reaktor erweitert, und zwar nicht um irgendeinen! Neben den beiden Altreaktoren entsteht ein neuer EPR-Reaktor, der Stolz der französischen Atomindustrie. Dessen Kosten laufen allerdings aus dem Ruder und es gibt eine Reihe technischer Pannen, die seitens Zeitplan und Qualität an den Berliner Flughafen BER erinnern. Auf keinen Fall will man daher schlechte Nachrichten aus Flamanville, denn der EPR-Reaktor soll zum Verkaufsschlager werden. Gleichzeitig hat die Herstellerfirma Areva Probleme in den USA. Die dortige Nuklearbehörde (NRC) nimmt an, dass Areva fehlerhafte Reaktordruckbehälterdeckel in 17 Reaktoren in den Staaten eingebaut hat. Schon seit 1965 seien Sicherheitszertifikate gefälscht worden sein, die für über 100 AKWs in diversen Ländern gelten.

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