Ali S. (45) war ein Mitglied des Mittelbaus der Revolutionsgarden (Sepah) des #Iran, bevor er in Ungnade fiel und aus dem Land fliehen musste. Heute lebt er im Exil. Nach einigen Anläufen gelang es uns, mit ihm telefonisch Kontakt aufzunehmen.

Blasting News: Zunächst einmal vielen Dank für Ihre Bereitschaft, mit uns zu sprechen. Welche Rolle hatten Sie im iranischen System?

S.: Ich war ein Mitglied der Sepah, Bereich Wirtschaftskoordination.

Blasting.News: Weshalb haben die Sepah Bedarf an wirtschaftlichem Sachverstand und weshalb treffen wir Sie heute im Exil an?

S.: Lassen Sie mich die zweite Frage zuerst beantworten, nämlich so, dass ich darüber nicht sprechen werde.

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Zu Ihrer ersten Frage. Wirtschaft ist zentral für die Sepah. Über Stiftungen und andere, meist religiös verkleidete Konstrukte, haben die Sepah die Produktion, aber auch den Handel, also Import und Export, fest in der Hand. Vor allem hat die lange Zeit der Handelssanktionen dazu geführt, dass die Sepah ein nahezu perfektes System der Sanktionsumgehung geschaffen haben.

Blasting.News: Sie meinen Schmuggel?

S.: Ja, und zwar im ganz großen Stil. Waren Sie während der Sanktionsjahre jemals im Iran? Es gab immer alles, allerdings für viel Geld. Die Sepah konnten sich über ihre Tarnfirmen bzw. Mittelsmänner in Dubai, Beirut, Bahrain und vielen anderen Orten in diesen Jahren auf eine unglaubliche Weise bereichern können.

Blasting.News: Also Zolleinnahmen?

S.: Nein, Zoll wäre normal. Sie müssen sich die Sepah als einen eigenen Staat im Staat vorstellen.

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Wir sprechen hier von einer Bereicherung weiter Teile dieser spezifischen Machtstruktur mit rund 150.000 Männern unter Waffen plus ihre Großfamilien.

Blasting.News: Ist die Aufgabe der Sepah nicht die Sicherung des islamischen Systems?

S.: Gewiss, das hindert sie aber nicht daran, auch ordentlich zu verdienen. Wir waren schon immer ein Volk von Händlern, das gerne gut lebt. Außerdem ist das System längst nicht mehr spirituell islamisch. Im Inneren ist es schon lange eine Militärdiktatur mit Turbanen. Deswegen hat man auch Akbar Hashemi Rafsanjani gewaltsam aus dem Weg geräumt.

Blasting.News: Sie meinen, der kürzlich verstorbene Ex-Präsident sei ermordet worden? Der Mann war immerhin 82 Jahre alt.

S.: Rafsanjani war zwar seit langer Zeit unter Druck, doch als einer der Gründungsväter des Regimes unantastbar. Er war eine Schattenmacht, sehr reich, zuletzt aber nur geduldet. Jetzt nähert sich das Leben des Revolutionsführers Ayatollah Khamenei langsam seinem natürlichen Ende. Die Kämpfe um seine Nachfolge haben begonnen.

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Hier hatte Rafsanjani ein Wort mitzureden. Das wollte man um jeden Preis verhindern. Als er medizinische Probleme bekam, dauerte es lange Zeit, bis er in ein Krankenhaus gebracht wurde. Auch seine Leibärzte hatten kein Durchkommen. Der Sachverhalt ist offensichtlich versehen mit dem Fingerabdruck des Systems.

Blasting.News: Warum ist es so entscheidend, wer Revolutionsführer ist?

S.: Weil der Revolutionsführer der Oberbefehlshaber ist, damit auch der Revolutionsgarden und ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten. Wenn die Geschäfte weiterlaufen sollen, muss der Revolutionsführer mitspielen. Übrigens wurde der Sieg von Donald #Trump auch still bejubelt. Denn nichts sehnt die Sepah sich mehr herbei als eine Wiedereinführung von #Sanktionen. Der freie Handel dank des Atomabkommens unter Obama lässt die Gewinne des Schmuggelsystems einbrechen. Deswegen sehen wir seit dem Amtsantritt Trumps Provokationen wie diesen Raketentest. Man weiß sehr gut, wie man Trump reizen kann und man will es. Keinen Krieg, das nicht, aber ein Wiederaufleben der Sanktionen.

Blasting.News: Glauben Sie, das wird geschehen?

S.: Gut möglich. Ich fürchte aber, dass meine ehemaligen Brüder Präsident Trump falsch einschätzen. Wir Iraner haben eine Spielermentalität. Ein Typ wie Trump, der tut was er sagt, so jemand ist uns wesensfremd. Deswegen kann das alles ganz furchtbar schief gehen und in einen Krieg münden.

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