Trotz einer gewissen Anfangseuphorie, ist dem frischgebackenen Kanzlerkandidaten Martin Schulz (#SPD) durchaus bewusst, dass nun der etwas rauere Wind der deutschen Realpolitik weht. Nicht dass er im Europaparlament wenig Gelegenheiten hatte diesen zu spüren, aber Brüssel ist eben nicht Berlin. So unterhaltsam ein Schlagabtausch mit Nigel Farage auch gewesen sein mag, die neuen Gegner heißen Angela Merkel (CDU) und eventuell auch Frauke Petry (AfD).

Vor allem wird sich der designierte Parteichef aber um die Aufarbeitung seiner Partei bemühen müssen. Frühere SPD-Anhänger wünschen sich schon lange eine ehrliche Vergangenheitsbewältigung, besonders mit Blick auf die Regierungsbeteiligungen der letzten 15 Jahre.

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Gefordert wird ein klares Bekenntnis zu begangenen Fehlern und die sichttliche Bereitschaft aus diesen zu lernen. Die Zeit des Fingerzeigs auf die Koalitionspartner sei vorbei und man müsse zu den alten Tugenden der einstigen Arbeiterpartei zurückkehren.

Wir die SPD mit Schulz wieder zur Volkspartei?

Mit Martin Schulz besteht für die SPD durchaus die Möglichkeit wieder zur Stärke einer echten Volkspartei zu finden, doch ganz sicher nicht im Wahljahr 2017. So beliebt der Kanzlerkandidat auch sein mag, die Partei auf Augenhöhe zur CDU zu führen ist, trotz einer scheinbar angeschlagenen Kanzlerin, schlicht unrealistisch. Für eine derartige Aufgabe braucht es Zeit und Ausdauer, ja man müsste den #Umbruch der Partei als ein langfristiges Projekt sehen. Verbunden mit einem Gang in die Opposition hätte man eventuell die nötige Muße sich wieder auf Kernthemen sozialdemokratischer Politik zu stürzen.

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Dies wäre eine echte Chance wieder die Partei des kleinen Mannes zu werden.

Aktuell scheinen jedoch alle Kräfte in den diesjährigen Wahlkampf zu fließen. Im jüngsten Gespräch bei Anne Will bat #Martin Schulz, mit Blick auf den Wechsel der SPD-Spitze, um einen "Vertrauensvorschuss". Fast möchte man ihm, diesem nicht unsympathischen Politiker, einen solchen Vorschuss gewähren. Doch ob das am Ende reicht, um einen echten Umbruch in der Partei herbeizuführen, bleibt abzuwarten.