Es gibt Meldungen, bei denen muss man betonen, dass man keine Satirezeitschrift ist. Das Folgende klingt nämlich danach, ist aber bitterer Ernst. Der stellvertretende Vorsitzende der Dänischen Volkspartei leidet derzeit offenbar an einem akuten Rückfall ins 19. Jahrhundert. Der gute Mann will nämlich nichts Geringeres, als Deutschland die Hälfte von Schleswig-Holstein wegzunehmen und #Dänemark zuzuschlagen - inklusive der deutschesten aller Inseln: Sylt. Nichts in der Welt sei nun einmal in Stein gemeißelt und er meine das ernst, so Sören Espersen. Dabei vergisst der Mann zwei Dinge: erstens, dass er mit einem solchen Denken Europa in Brand setzen kann.

Werbung
Werbung

Und zweitens, dass Deutschland das winzige Dänermark ohne Probleme an einem Tag besetzen und annektieren könnte. Irre? Absolut.

Aber der Mann meint das ernst. In einem Gespräch mit der TV-Station „DK 4“ fordert er, alle Gebiete nördlich von Kiel müssten dänisch werden und beruft sich dabei auf die Geschichte. Nun könnte man das alles als Spinnerei abtun, wäre der Mann mit seiner Partei nicht die zweitstärkste politische Gruppierung im Parlament von Dänemark. Von ihrer Gnade hängt sogar die dortige Minderheitsregierung der Rechtsliberalen unter Premierminister Lars Løkke Rasmussen ab. Der an nationalem Appetit leidende Herr Espersen ist auch noch Chef des Auswärtigen Ausschusses der dänischen Volksvertretung. Er verlange „ein Dänemark bis zur Eider“. Damit wären Flensburg, Husum, Schleswig, Eckernförde, also das halbe Land Schleswig-Holstein plötzlich dänisch.

Werbung

Ernsthaft!

Nach Informationen Tageszeitung „Der Nordschleswiger“ betonte Herr Espersen, dass es seinem Land nach dem zweiten Weltkrieg „mit einem Fingerschnippen“ hätte gelingen können, die #Grenze schon damals nach Süden zu verschieben. Darauf verzichtet worden sei, so die sehr eigenwillige Geschichtssicht des Rechtspopulisten, weil man keine deutsche Minderheit im Süden Dänemarks haben wollte.

Aufruf zum Aufruhr?

Der politische Feuerteufel Espersen will nun, dass die dänische Minderheit im Land Schleswig-Holstein sich erhebt und seine Idee mitträgt. Die kleine dänische Minderheit im Norden Schleswig-Holsteins genießt jedoch seit Jahrzehnten politische Sonderrechte und hat offenbar so gar keine Lust, sich den „Großdänemark-Träumen“ des Herrn Espersen anzuschließen.

Erste Reaktionen!

Die erste Antwort auf die absurde Forderung aus Dänemark kam seitens der CDU-Landtagsfraktion in Person von Hans-Jörn Arp. Er forderte den in Schleswig-Holstein sogar mitregierenden Südschleswigschen Wählerverband (die politische Repräsentanz der dänischen Minderheit) auf, sich von diesem Irrsinn zu distanzieren.

Werbung

Brandgefährlich!

Der Vorstoß von Herrn Espersen ist deswegen so brandgefährlich, weil er einen friedensstiftenden Nachkriegskonsens mal eben so in Frage stellt. Was, wenn plötzlich Frau Le Pen nach einem Wahlsieg das Saarland „heim“ nach Frankreich holen will? Oder wenn die Deutschen anfangen sich zu erinnern, dass halb Polen auf ehemals deutschem Gebiet liegt und dass Bromberg (Bydgoszcz), Oppeln (Opole) und Königsberg (Kaliningrad) doch ganz hübsche deutsche Städte sind? Und war Namibia nicht auch mal deutsch?

Im Keim ersticken!

Solche Eskapaden wie jene des Herrn Espersen aus Dänemark sind die Büchse der Pandora. Wenn solches Gedankengut nicht ein Fall für den Psychiater ist, sondern Gegenstand ernsthafter politischer Diskussionen, dann steht Europa vor einem Problem, dass Eurokrise und Flüchtlingschaos als Nebensächlichkeit erscheinen lässt.

Kleine Erinnerung gefällig?

Nur rein vorsorglich seien Sören Espersen und seine Schergen daran erinnert, dass - so viele Scherze über die deutschen Streitkräfte auch gemacht werden - die #Bundeswehr das kleine Dänemark binnen eines halben Tages problemlos zum 17. deutschen Bundesland machen könnte. Wollen wir wirklich in solche Denkmuster zurück? Herr Espersen sollte einfach den Mund halten.