(StS/NYC) Mal ehrlich: wenn Tante Uschi sechzig wird, erzählen wir ihr etwas von wegen "die besten Jahre hast du noch vor dir" und "du bist ja frischer denn je". Hier in den USA nennt man das eine "white lie", eine "Weiße Lüge" - also Freundlichkeiten, die völliger Unfug sind, die man aber man aus Höflichkeit absondert. Oder soll man der Tante sagen, dass ihre Krähenfüße auch schon mal geringer waren und dass sie seit neustem so merkwürdig hinkt? Nun ist also die EU sechzig geworden und die liebe Verwandtschaft hat sich in Rom versammelt, um das Ganze zu feiern. Da kamen alle zusammen, die sich sonst im Alltag zoffen und bemühten sich, auf gute Miene zu machen.

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Doch sogar bei den Feierlichkeiten waren die Risse und Abneigungen zu greifen. So plapperte jeder irgendetwas Salbungsvolles in die unendlich vorhandenen Mikrofone. Jean-Claude Juncker, dessen "EU als Staat"-Idee gerade die Keramikschüssel hinabspült, packte das Uralt-Mantra vom "Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten" aus und bei Frau #Merkel muss schon alleine die räumliche Nähe zum Vatikan ein Wunder bewirkt haben. Sie kam nämlich 22 Jahre nach Abbau der nationalen Grenzen zu der erstaunlichen Erkenntnis, dass man vergessen habe, stattdessen die EU-Außengrenzen ordentlich zu sichern.

What?

Würde ein Schüler 22 Jahre benötigen, um die einfachsten Fakten zu erkennen, würde man bei ihm Förderbedarf anmelden. Aber Merkel (CDU) kommt damit durch, auch weil ihr "Konkurrent" Schulz (SPD) in Sachen EU keine andere Meinung vertritt.

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Da werden Millionen im "Kampf gegen Rechts" ausgegeben und die Kanzlerin wird nicht einmal rot dabei, wenn sie mit dummen Kommentaren Wasser auf die Mühlen der AfD schüttet.

Das letzte Aufgebot?

So manch anderer quälte sich sichtbar durch den Tag. Die schon im Regelbetrieb leicht pitbullige polnische Ministerpräsidentin Beata Szydło versuchte krampfthaft zu lächeln. Immerhin war ja Geburtstag. Dabei sah sie so aus, als hätte sie nichts lieber getan, als alle zu hauen - und als Beifahrer der Briten raus aus der EU zu flüchten. Man kann ehrlich Verständnis für Frau Szydło haben, denn schon der Satz "Europa wird 60" ist eine Anmaßung. Nein, Europa wurde nicht sechzig. Europa ist tausende Jahre alt. Was sechzig wurde, ist ein verkommenes ideologisches Konstrukt namens "#Europäische Union", dessen Grundstein vor sechzig Jahren in Rom gelegt wurde und das eines Tages zu einem europäischen Superstaat werden sollte - die Abschaffung der souveränen Nationen inklusive. Dieses gammelnde Monster wurde sechzig und sonst gar nichts.

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Was tun mit dem Zombie EU?

Die EU-Elite hängt nun in einem Dilemma. Das mit dem europäischen Superstaat wird nie kommen, und außer den Deutschen hat das eigentlich inzwischen auch jeder verstanden. Sogar der Hyper-Europäer Jean-Claude Juncker gibt mit seiner "neuen" Idee des "Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten" zu, dass die EU kein Staat mehr wird. Denn ein Staat, in dem die Bundesländer in verschiedenen Geschwindigkeiten Rosinenpickerei machen dürfen, ist kein Staat, sondern irgendein Club. Was also tun mit diesem Zombie namens "Europäische Union", der politischen Tante Uschi?

Ab in die EFTA?

Man könnte sich zum Beispiel an die #EFTA erinnern, die Europäische Freihandelsassoziation. 1960 gegründet, ist sie so etwas wie die unideologische Alternative zur ideoloverseuchten EU. Ziel der EFTA war und ist die Förderung von Wohlstand und Freihandel in Europa, allerdings ohne das ganze staatsähnliche Trara. Als Dänemark und Großbritannien 1973 von der EFTA in den Vorläufer der EU wechselten, verschwand die EFTA aus dem Blickfeld der Aufmerksamkeit. Heute gehören ihr nur noch Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein an. Aber sie existiert und sie ist eine wunderbar konstruierte Gemeinschaft. Warum nicht einfach auf die EFTA umsatteln, liebe Briten, Polen, Ungarn usw.? Wir alle sollten die alternde EU vergessen und uns an die EFTA erinnern. Es wäre die eleganteste Lösung.