Jede Medaille hat 2 Seiten. So gibt es auch Negatives in Behindertenwerkstätten zu berichten.

Als ich in der Zeit von Anfang März 2001 bis zum 05.10.2014 noch in der ersten Behindertenwerkstatt in Münster im Bereich der Elektromontage/Konfektionierung tätig war, fiel mir als erstes die Stempeluhr auf.

Was hat eine Stempeluhr in einer Werkstatt für behinderte und/oder psychisch kranke Menschen zu suchen, zumal Menschen mit Behinderungen in Behindertenwerkstätten Menschen lt. SGB (Sozialgesetzbuch) nicht als vollwertige Arbeitnehmer gelten, sondern nur als Beschäftigte mit einem arbeitnehmerähnlichen Tätigkeitsverhältnis? Ich habe auch keinen Arbeitsvertrag unterschrieben, sondern einen Werkstattvertrag.

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Als ich die Uhrzeit der Stempeluhr mit meiner Uhr verglich, fiel mir auf, dass diese 3 Minuten vorging. Ich erwähnte dieses der Sozialleiterin gegenüber, wobei sie mir sagte, dass dieses bei der monatlichen Berechnung eines stündlichen Abzuges berücksichtigt würde. Dadurch, dass die Stempeluhr einige Minuten vor ging, konnten meine Kolleginnen, Kollegen und ich, den Bus pünktlicher erreichen.

Bei runden und halbrunden Geburtstagen, gab es früher einen Gutschein über 15,00 Euro und einen echten Blumenstrauß. Wenn wir den Gutschein einlösten, sollten wir laut der älteren Sozialleiterin den Kassenbon mitbringen und ihr das Restgeld (von den 15 Euro) wieder zurückgeben. Wahrscheinlich, um die Finanzierung von Gutscheinen über je 15 Euro leisten zu können, oder ist eine der größten Arbeitgeber für Behinderte in NRW so arm?

Einmal im Jahr konnten wir über mehrere Fahrziele für den Betriebsausflug abstimmen.

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Das Ziel mit den meisten Stimmen wurde im Speiseraum durch Handzeichen der Kolleginnen, Kollegen und Arbeitsanleiter abgestimmt.

Die Fahrtkosten übernahm die Werkstatt und wir erhielten für das Mittagsessen noch ein Verköstigungsgeld in Höhe von 15,00 Euro.

Der Arbeitszeitbeginn lag bei 08:00 Uhr morgens und Freitags hatten alle um 13:00 Uhr Feierabend.

Als der alte Geschäftsführer starb, gab es eine neue Geschäftsführung - für einen Geschäftsführer gab es dann zwei, wovon einer wohl vertretend tätig wurde.

Die neue Geschäftsführung strich als erstes den Gutschein über 15 Euro bei runden und halbrunden Geburtstagen. Der echte Blumenstrauß, den ich gerne meiner Mutter weiterschenkte, wurde durch ein eingeschweißtes Foto eines Blumenstraußes ersetzt. Alle Kolleginnen und Kollegen sowie Arbeitsanleiter und -innen waren pikiert. So dankt also die neue Geschäftsleitung die Arbeitsleistung von Kolleginnen und Kollegen, zusammen mit Gruppenleitern?!

Nur 5 Euro Verköstigungsgeld

Die Kosten für den Betriebsausflug (in der Regel als Gruppenfahrten) wurden auch nicht mehr von der Werkstatt übernommen.

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Sondern wurden von den 15 Euro Verköstigungsgeld abgezogen. So erhielten wir bei einem Ausflug zur Mayerwerft nach Papenburg noch ein klägliches (!) Verköstigungsgeld von ganzen 5 Euro. Sparen auf Kosten der Kolleginnen und Kollegen?

Da Behindertenwerkstätten auch einen Therapieansatz verfolgen, fanden laut Wochenplan an verschiedenen Werktagen für meine Kolleginnen und Kollegen Computerunterricht, Tischtennis oder Malkurse statt. Die neue Geschäftsführung beschränkte hierbei den Zeitraum, wie z.B. 6 mal Montags je 2 Stunden Malen, oder Freitags maximal 45 min bis 60 min Tischtennis.

Als eine Kollegin eine längere Zeit im Krankenhaus lag und danach wieder an der Malgruppe teilnehmen wollte, würde sie in den Arbeitsbereich geschickt, mit der Begründung, daß sie erst ein paar Wochen wieder arbeiten müssen, bevor sie am Malkurs wieder teilnehmen dürfe.

Die neue Geschäftsführung verlegte dann auch noch den Beginn der Arbeitszeit von 08:00 Uhr auf 07:45 Minuten und Freitags mussten wir bis 13:45 Uhr arbeiten. Als die Firma bemerkte, dass wir dadurch den Bus nicht pünktlich erreichen konnten, durften wir um 13:40 Uhr gehen. Da wir eigentlich länger arbeiteten, wurde die Frühstückpause um 10 Minuten verlängert, aber dann um 5 Minuten wieder gekürzt, die wir eher gehen durften. #Facebook #Android #Depression