Was macht man, wenn man halbpubertär ein Land von seinem Vater erbt, das immer noch den seit Ewigkeiten toten Großvater qua Verfassung als Staatspräsidenten hat und wirtschaftlich so abgehalftert ist, dass außer in den Propagandahallen überall der Putz rieselt und das Volk auf dem Land zeitweise hungert? Richtig, man knallt durch. Als erstes lässt man all jene von Papas alter Garde umbringen, die einem gefährlich werden könnten - vorzugsweise mit einem Raketenwerfer. Dann bringt man den Teil der lieben Verwandtschaft um die Ecke, die einem das Erbe neiden, zuletzt mit einem der gefährlichsten Giftgase der Welt auf einem internationalen Flughafen in aller Öffentlichkeit.

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Und weil man kindischen Spaß mag, baut man merkwürdige Freizeitparks und lässt handverlesene Hupfdohlen in viel zu kurzen Röcken im Outfit von Krankenschwestern stundenlange Konzerte geben. Aber wehe, es schläft ein Zuschauer bei diesem Singsang ein oder eine der trällernden Hostessen versingt sich – auch dann kommt schon mal der Raketenwerfer zum Einsatz. Klingt wie aus einem schlechten Film? Ja, mag sein. Ist aber ein Land und heißt #Nordkorea.

Ein Film?

Wobei auch das mit dem Film gar nicht so weit hergeholt wird. Denn der dickliche Erbe des zur Führerkultsekte mutierten Landes in Asien drohte den USA vor einer Weile mit Krieg, falls ein Hollywoodfilm Premiere haben sollte, der ihn auf den Arm nimmt. Ein paar Kinobetreiber in den USA hatten tatsächlich Angst, aber letztendlich lief der Film und über Hollywood blieb der angedrohte Atompilz aus.

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Allerdings hat auch das einen bitten Kern: der dickliche Gernegroß in Pjöngjang besitzt nämlich tatsächlich Atomwaffen. Weil diese allerdings in der heimischen Garage von eher geringem Nutzen sind, baut sich Kim Trägerraketen und schickte vier von ihnen am Montag auf Testreise vor die Küste Japans. Dort hat man sich natürlich total gefreut. Das Militär des normal tickenden Nachbarn Südkorea bestätigte, dass Nordkorea tatsächlich ballistische #Raketen gestartet hatte. Die wenig amüsierten Militärs in Tokio gaben bekannt, dass drei der Trägerraketen in der japanischen „200 Miles Zone“ eingeschlagen seien.

Russland, China, Japan und die USA sind sauer!

Wer jetzt heimlich denkt, Mensch, da zeigt‘s einer den Amis mal so richtig, der versteht gar nichts. Besorgt sind nämlich neben den direkt betroffenen Nachbarn und den Vereinigten Staaten vor allem #Russland und China, dessen Protektorat Nordkorea de facto ist. Die Russische Föderation warnte mit eindringlichen Worten vor den Eskapaden des unbeherrschten Potentaten und zeigte sich sehr besorgt.

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Tonlage und Wortwahl sprechen für reale Befürchtungen, die man Sprecher Dmitri Peskow aus Moskau auch glauben kann. Der russische Senator Viktor Oserow mahnte sogar eindringlicher als die USA, man dürfe nach solchen Raketentests nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Und selbst Nordkoreas einzig verbliebener Verbündeter ist erzürnt: Die Volksrepublik China ließ öffentlich ausrichten, dass Nordkorea gegen die Entscheide des Sicherheitsrates der UNO handele. Aus dem diplomatisch geschliffenen Mund des Sprechers des chinesischen Außenministeriums, Geng Zhuang, sind diese Worte als harte Ermahnung Nordkoreas zu interpretieren. Peking scheint langsam die Geduld mit Nordkorea zu verlieren. Allerdings rief Peking auch die USA und Südkorea zur Zurückhaltung auf, die derzeit ein gemeinsames Routinemanöver durchführen. In der chinesischen Führung befürchtet man offensichtlich, dass die ganze Sache auf der koreanischen Halbinsel in einer Katastrophe enden kann. Angesichts des völlig abgedrehten Diktators in Pjöngjang, der weiteren Verarmung der Bevölkerung, politischen Morden in Serie und dem Unwillen, sich den Beschlüssen der UNO zu beugen, ist Chinas Sorge nur allzu berechtigt. Auf ein Tweet von Donald Trump wartet man derzeit noch – aber man kann sich ohne große Gedankenakrobatik vorstellen, was darin stehen wird.