(StS/NYC) Was will #Trump? Die Welt rätselt, Moskau umso mehr. Hatte man sich dort einen russophilen Präsidenten erhofft, herrscht nun großes Rätselraten im Kreml, was Trump eigentlich will und ob er überhaupt einen Plan hat. Aber der Reihe nach: zunächst überschlugen sich Trump und #Putin in wechselseitigen Respektsbekundungen. Trump wurde in den russischen Medien als Held gegen das „System“ gefeiert und Trump fand nur Worte wie Balsam für die empfindliche russische Seele. Doch jetzt herrscht das blanke Chaos. Die Besetzung des amerikanischen Botschafterpostens mit Jon Huntsman ist eine Überraschung.

Huntsman ist, gemessen an Trump und seinem inneren Führungskreis, ein liberaler Intellektueller mit einer allergischen Abneigung gegen autoritäre Systeme.

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Ausgerechnet er soll Präsident Trump jetzt in Moskau repräsentieren. Diese Personalie ist „interessant“, aber im englischen Sinne. „Interessant“ hat dort einen Beigeschmack. Dann gab es die Entlassung des #Russland zugeneigten nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn und die Neubesetzung mit Herrn McMaster, der als „Russlandfresser“ gehandelt wird. Und als wäre das nicht genug, diktierte Trumps Sprecher Sean Spicer den Journalisten in Washington in die Blöcke, der US-Präsident erwarte von Russland selbstverständlich die Rückgabe der Krim an die Ukraine. Nun ja, man könnte auch einfach sagen: Wladimir Putin hat sich das irgendwie anders vorgestellt.

Die Medien reagieren!

Viele russische Medien, vor allem die staatsgelenkten, haben inzwischen die Tonlage geändert. Nicht gegen Trump, aber weg von der Begeisterung für den neuen Chef im Weißen Haus und hin zu einer gewissen Unschärfe.

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Man merkt, dass man sich in Moskau offenbar auf Trump inzwischen ebensowenig einen Reim machen kann, wie im Rest der Welt.

Warum er?

„Ausgerechnet Huntsman“, so lauten die erstaunten Reaktionen auch der Beobachter der politischen Landschaft in den USA. Denn Präsident Trump hatte nach der Amtsübernahme von Barack Obama nicht nur das Oval Office renovieren lassen, sondern sein gesamtes Personal bis in den Mittelbau vieler Behörden neu ausgerichtet. Huntsman war allerdings US-Botschafter in Peking - für und unter Obama. Und er soll jetzt nach Moskau, auf den - neben Peking - zweiten hoch sensiblen Botschafterposten? In Washington kursieren Gerüchte, Trump habe den smarten Huntsman einfach aus Peking weghaben wollen, aber keinesfalls nach Washington. Moskau sei also eine Art Verbannung nach Sibirien. Aber das ist Unsinn, denn der Posten des Botschafters der USA in der Russischen Föderation ist einer der wichtigsten Jobs, die Trump zu vergeben hat. Hätte er Huntsman loswerden wollen, hätte er ihn irgendwohin versandt, wo das Wetter gut ist.

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Nach Brasilien zum Beispiel, nach Südafrika und warum nicht nach Indien oder Australien? Alles Länder, die einem Jon Huntsman gerecht werden würden.

Abschiebung?

Nein, diese Personalie war keine Abschiebung eines unliebsamen Liberalen. Hier spielt sich ein Politikum erster Klasse ab. Denn was vergessen wird: Trump hat das Erschaffen von Chaos als ein Mittel seines politischen Werkzeugkastens klar benannt. Er hat es im Wahlkampf hunderte Male in alle verfügbaren Mikrofone gesprochen. Er wolle ein unberechenbarer Präsident sein, man solle ihm alles zutrauen - selbst dass er ein Land mit einer Atombombe pulverisiert. Macht er natürlich nicht, aber das Muster des „Mad Men“ passt zu der Art, wie er sein Firmenimperium führte. Aus der Ferne sah es nach Chaos aus, am Ende hieß der Sieger meist Trump. Es kann also gut sein, dass Trump auch im Weißen Haus die „Mad Men“-Strategie fährt. Gerade gegenüber Russland. Denn russische Politiker sind langfristige Strategen, im Grunde politische Schachspieler. Präsident Trump dagegen scheint nicht vorzuhaben, sich an das Schachbrett zu setzen. Er geht vorbei, wirft die Figuren um und man wartet mit angehaltenem Atem, was er danach tun wird. Für die ganze Welt ist das anstrengend, für die russische Seele ist es ein Albtraum.