#Südkorea schlittert, die Frage ist: wohin? Es gab Demonstrationen, mindestens zwei Menschen kamen dabei zu Tode. Seit Monaten schwelte ein Streit um Präsidentin #Park Geun-Hye. Jetzt der Donnerschlag. Die Staatschefin wird endgültig ihres Amtes enthoben. Das südkoreanische Verfassungsgericht hat den Entscheid des Parlaments von 2016 bestätigt und damit das eigene Staatsoberhaupt gestürzt. Dramatische Szenen spielten sich vor dem Gerichtsgebäude ab. Anhänger der Ex-Präsidentin brachen in Wut und Tränen aus, während ihre Feinde jubelten. Derartige Emotionsbekundungen im politischen und öffentlichen Leben sind im ostasiatischen Südkorea eigentlich ungewöhnlich. Kenner der Geschichte Südkoreas verweisen deshalb auch darauf, dass sich möglicherweise an der Person der Ex-Präsidentin Park eine alte Wut entlädt, die viel länger zurückreicht als in die kurze Spanne ihrer Amtszeit. Südkorea war nicht immer eine wohlhabende Demokratie und Parks Vater gehörte zum Establishment der vordemokratischen Zeit. So sehen manche Beobachter die jetzige Ex-Präsidentin zum Teil auch als Opfer von Hass gegen ihren Vater. Überraschend auch: der Entscheid des Gerichts war ohne Gegenstimme gefallen. Alle acht Richter waren sich einig. Im durchaus nicht konfliktscheuen Südkorea eine kleine Sensation. Ex-Präsidentin Park selbst boykottierte die Verhandlungen des Verfassungsgerichts.

Entlastet! Dennoch entmachtet?

Interessant ist, dass das Verfassungsgericht sehr gewichtige Vorwürfe entkräftete und man aufgrund der Darlegungen keine Amtsenthebungen erwarten würde. So entschied es, Park habe ihre Machtbefugnisse nie missbraucht, sie habe nicht die Pressefreiheit gefährdet und auch ihre Amtspflichten nicht verletzt. Den Beschluss zur #Amtsenthebung stützte das Gericht alleine auf die Beziehung Parks zu einer Freundin namens Choi Soon Sil. Dieser Frau habe Park Einwirkungen auf die Regierungsgeschäfte zum Zwecke der privaten Vorteilsnahme gewährt. Sie habe gar mit Park Zahlungen von Unternehmen erpresst. Park bestritt diese Vorwürfe konsequent. Letztendlich werden Südkorea und die Welt noch lange auf die ganze Wahrheit warten müssen, denn das Verfassungsgericht arbeitet nicht als Strafgericht, sondern hatte nur zu befinden, ob der Amtsenthebungsbeschluss des südkoreanischen Parlaments von Dezember 2016 gültig war. Ob sich ein Strafverfahren entwickelt ist derzeit unklar, gilt aber als wahrscheinlich. Insofern könnte Ex-Präsidentin Park – zumindest theoretisch – juristisch ebenso unschuldig aus dem Amt gestoßen worden sein, wie der deutsche Präsident Christian Wulff. Als dieser gehen musste, sah es auch aus, als habe er Unrecht getan. Am Ende wurde er von allen Vorwürfen komplett freigesprochen. Ob es sich im Fall Park ähnlich verhält, ist kaum abschätzbar. Je nach Quelle erhält man in der Recherche andere Sichtweisen, ein einheitliches Bild kristallisiert sich nicht heraus.

Korruption? Ungewiss!

Teil des Geschehens war auch Lee Jae Jong von der Firma Samsung. Diese ist der größte Konzern des Landes. Er wurde wegen Bestechung und anderer Vorwürfe ähnlicher Art angeklagt. Der Samsung Konzern soll hohe Summen gezahlt haben, um vom Staat die Erlaubnis zur Fusion von zwei Tochterunternehmen zu erhalten. Das Verfahren gegen Lee begann nur einen Tag vor der Amtsenthebung Parks, als der Entscheid hinter den Kulissen schon festgestanden haben dürfte. Mancher Befragte meint, man habe mit der Aufnahme des Verfahrens gegen Lee gewartet, bis sich abzeichne, wie das Verfassungsgericht entscheide, damit Präsidentin Park sicher nicht in Macht und Würden zurückkehren und das Verfahren gegen Lee dadurch brisant werden könne.

Ruiniert? Sicher!

Die Ex-Präsidentin selbst ist durch das Urteil ruiniert. Die demokratisch ins Amt gewählte Park Geun-Hye hat nicht nur Amt und Würden verloren, sondern auch die monetären und sonstigen Zuwendungen, die für ehemalige Präsidenten vorgesehen sind. Einer freut sich gewiss: Nordkoreas Diktator Kim hat einen legendären Hass auf Park.