(StS/NYC) Viele Menschen haben zurecht Sorge, dass Geheimdienste, Hacker oder auch Wirtschaftsunternehmen dank des Internets mehr über sie erfahren, als ihnen lieb ist. Ohne es zu merken, zieht jeder von uns Tag für Tag eine Datenspur hinter sich her, die es jedem mäßig begabten Profiler ermöglicht, Sie zu durchschauen - und Sie am Ende vielleicht sogar besser zu kennen als Sie sich selbst. Doch die größte Gefahr geht gar nicht von den Geheimdiensten aus. Oder glauben Sie ernsthaft, es interessiert irgendeinen Dienst der Welt, wenn Sie am Telefon mit ihrer Großmutter über den nächsten Großeinkauf im Supermarkt sprechen? Es ist zwar kein angenehmer Gedanke, dass womöglich alle unsere Datenspuren bei irgendwelchen staatlichen Diensten lagern, aber eine praktische Folge für Ihren Alltag hat dies zunächst einmal nicht.

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Gefährlich für Sie als Leser und jeden anderen Menschen auf diesem Planeten ist die Macht der Suchmaschinen. Sie sind es, die aus öffentlichen Daten ein Informationsbild erstellen, und das auf Grundlage von Algorithmen, die so geheim sind wie das Rezept von Coca-Cola.

Die Kanzlerin! Eine Lesbe?

Ein schön schauriges Beispiel für die Macht der Algorithmen über unser Außenbild ist das geheime Intimleben der deutschen Bundeskanzlerin. Nicht, dass es eine besonders reizvolle Vorstellung wäre, sich damit zu beschäftigen, doch es gibt Menschen, die treibt dieses Thema offenbar um. So hielt sich lange Zeit das völlig unbelegbare Gerücht, Angela Merkel führe mit ihrem Gatten Professor Dr. Sauer nur eine Scheinehe und sei in Wirklichkeit #lesbisch. Ihre wahre Liebe und Geliebte, so geht die Geschichte weiter, sei #Beate Baumann, ihre Büroleiterin seit frühen Bonner Tagen.

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Ausgerechnet Christian Wulff habe beide Damen miteinander bekannt gemacht und seitdem seien beide unzertrennlich. Beruflich stimmt das auch. Wo Angela #Merkel ist, ist Beate Baumann nicht fern und etwas Burschikoses haben beide Damen ja auch, vor allem Frau Baumann.

Die Wahrheit?

Trotz allem bleibt es dabei: man kann noch so tief graben, außer der beruflichen Untrennbarkeit der zwei Frauen und ihrer Art gibt es nicht den Hauch eines Hinweises, dass an dem Lesbengerücht auch nur ansatzweise etwas dran sein könnte. Und selbst wenn... Deutschland hatte schon einen schwulen Vizekanzler, Gott hab ihn selig.

Google bleibt postfaktisch dabei!

All das interessiert Google jedoch herzlich wenig. Gibt man aktuell (die Algorithmen ändern sich zur Zeit häufiger mal und spucken je nach Standort andere Reihenfolgen aus) die Suchbegriffe "Merkel" und "lesbisch" ein, dann liefert einem die Wahrheitsgestaltungsmaschine namens Google gleich auf der ersten Seite der Suchergebnisse den Wikipediaartikel zu Beate Baumann.

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Eben jene Beate Baumann, die angeblich die lesbische Geliebte der Kanzerlin sei. Nur steht davon gar nichts in dem Wikipediaartikel. Trotzdem erscheint Frau Baumann sofort als eines der ersten Ergebnisse. So werden Mutmaßungen genährt.

Das blanke Grauen?

So, und jetzt stellen Sie sich einfach mal vor, so etwas beträfe nicht die rund um die Uhr durchleuchtete Bundeskanzlerin, sondern Sie! Was würden Sie tun, wenn eine Suchmaschine ein Gerücht über Sie auf eine solch subtile Weise stützt? Implizit, verschwommen, aber doch zerstörerisch in der Wirkung. Und was heißt "würde"? Diese Dinge passieren und sie haben Konsequenzen in einer Zeit, in der zum Beispiel Arbeitgeber Bewerber "googeln", bevor es zum Vorstellungsgespräch kommt. Wenn Sie nicht eingeladen werden, eine Absage erhalten, lag es dann an solch einem Eigenleben der Algorithmen? Sie werden die Antwort nie erhalten.

Was tun?

Vor dieser Art der Datensammelei sollten Sie wirklich Angst haben. Nicht vor irgendwelchen Geheimdiensten. Denn wer sich jemals bei Google beschwert hat, wird schnell erleben, dass dort im Wesentlichen Textbausteine zur Ablehnung von Begehren zum Einsatz kommen. Das einzige, das uns als Verbraucher bleibt ist Skepsis. Wir dürfen nicht einfach alles glauben, nur weil es irgendwo steht.