Bei dem mutmaßlichen Angriff mit Giftgas in der Stadt Chan Scheichun (Provinz Idlib) waren am Dienstag mindestens 72 Menschen, darunter 20 Kinder, getötet worden.

Das Hütchenrücken um die Schuldigen ist ein uraltes Spiel. Man stellt sich ob seiner Interessen auf. Auch diesmal. Natürlich auch diesmal. Der russische Zug ist demnach klar: #Assad war's nicht. Nein, vielmehr haben Assads Regierungstruppen ein Giftgaslager der Aufständischen getroffen. Ohne weitere Fakten auch nur im Ansatz geprüft zu haben, kontert die Gegenseite, allen voran die testosteronschwangere Trump-Administration: Lüge, alles Lüge! Assad war es, der war es doch immer schon.

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Das Überschreiten der roten Linie hat man Assad schon oft vorgeworfen. Doch weder die USA alleine, noch die UNO als Einheit, haben bislang mehr als nur hüstelnde Drohungen folgen lassen. Sie werden es auch weiterhin bei diesen belassen, denn hier geht es nicht um die 72 Toten, nicht um den Einsatz von Giftgas und auch nicht um die Einsatzmittel eines syrischen Despoten. Hier geht es um den alten Ost-West-Konflikt und die jeweiligen ökonomischen und geostrategischen Interessen. Die wird auch eine UNO nicht zusammenbringen, nur weil das östliche Bündnis – zumindest auf dem Papier – nicht mehr existiert.

Russland sieht „keinen besonderen Bedarf eine Resolution anzunehmen“

So ist es auch kaum verwunderlich, dass am Abend eine #Syrien-Resolution im UNO-Sicherheitsrat gescheitert ist.

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Zwei Stunden lang Mahnungs- und Schuldzuweisungsarien und kein Ergebnis. Die von den USA, Frankreich und Großbritannien eingebrachte Resolution kam gar nicht erst zur Abstimmung. Wladimir Safronkow, stellvertretender UNO-Botschafter Russlands, wollte in diversen Formulierungen des Entwurfes eine Provokation erkannt haben. Zumindest nicht ganz zu unrecht musste sich sein britischer Kollege Rycroft fragen lassen: "Haben Sie überhaupt geprüft, was Sie geschrieben haben? Dieser Entwurf wurde hastig vorbereitet und überhaupt nicht gründlich." Am Ende fasste Safronkow zusammen:"Zu diesem Zeitpunkt sehen wir keinen besonderen Bedarf, eine Resolution anzunehmen".

USA drohen mit Alleingang

Nikki Haley, amerikanische Uno-Botschafterin, warf dem Iran und Russland vor, kein Interesse an einem Frieden in Syrien zu haben. In Richtung Safronkow fragte Sie: "Wie viele Kinder müssen noch sterben, bevor es Russland kümmert?" Angesichts des Scheiterns der Resolution drohte sie mit einseitigen Sanktionen der USA: "Wenn die Vereinten Nationen fortlaufend ihre Pflicht zum kollektiven Handeln verletzen, dann sind wir gezwungen, unsere eigenen Maßnahmen zu ergreifen". Aber diese heiße Luft blies schon ein ganz anderes Kaliber: Barack Obama drohte Assad bereits 2013, als die Bilder vom ersten großen #Giftgasangriff seine Amerikaner schockierten. Eine Konsequenz folgte darauf nicht.

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