Es war ein entlarvender Prozess, entlarvend für den Angeklagten, entlarvend für seinen eifrigen Verteidiger und entlarvend für unsere Gesellschaft. Aber von vorne: Gestern hat das Amtsgericht Bergisch Gladbach einen 53-Jährigen aus Georgien wegen dem sexuellen #Missbrauch von Kindern und dem Besitz und der Herstellung von Kinderpornografie zu 26 Monaten Haft verurteilt. Der Prozess wurde als sogenannte „Kinderschutzsache“ vor dem Jugendschöffengericht geführt.

Der Verteidiger des arbeitslosen Georgiers regte zunächst ein Rechtsgespräch mit den Richtern und der Staatsanwältin ohne Öffentlichkeit an. Er wollte gegen ein Geständnis seines Mandanten eine Bewährungsstrafe aushandeln und verwies auf die große Erleichterung für das 10-jährige Opfer, wenn es nicht aussagen müsse.

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Glücklicherweise biss der Verteidiger bei der Staatsanwältin auf Granit. Angesichts der erdrückenden Beweislast legte der Angeklagte auch ohne Absprache ein Geständnis ab, demnach hatte er Kinderpornos besessen und einen Film selbst mit dem 10-jährigen Opfer erstellt. Im Handy des Kindes hatte sich der Täter unter dem Namen einer Schulfreundin abgespeichert um der Kontakt-Kontrolle der Mutter zu entgehen.

Kinderschänder nutzte die Krankheit des Mädchens

Rund 15 Jahre waren der Großvater des Opfer und der Angeklagte eng befreundet gewesen. Unfassbarerweise hatte der Großvater den Angeklagten regelmäßig zum Hüten der Enkel mitgenommen und es geduldet, wenn der Angeklagte und seine Enkelin immer wieder in das Elternschlafzimmer verschwanden und die Tür geschlossen wurde. „Ich vertraute ihm wie mir selbst“, so der 64-Jährige vor #Gericht.

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Perfide hatte der Angeklagte sein Opfer ausgewählt: Das Mädchen leidet unter dem Asperger -Syndrom, ist also autistisch. Aus diesem Grund hat das Kind Schwierigkeiten bei der Kommunikation mit anderen Menschen und kann ganz besonders nicht damit umgehen, wenn die Mutter weint. Das nutzte der Angeklagte brutal aus. „Du musst unser Geheimnis bewahren, sonst wird deine Mutter ganz traurig und weint.“ Um die Mutter zu schützen, hatte das kleine Mädchen geschwiegen. „Wie soll ich nur damit leben“, fragte die verzweifelte Mutter vor Gericht und brach so heftig in Tränen aus, dass die Verhandlung unterbrochen werden musste.

Missbraucht der Angeklagte weitere Kinder?

Es war der gute Instinkt der 40-jährigen Mutter, der dem widerwärtigen Treiben ein Ende setzte. Eines Tages kam sie von der Arbeit, ihr Schwiegervater und der Angeklagte waren wie so oft in der Wohnung, der Angeklagte habe sich von den Kindern verabschieden wollen. „Ich dachte warum und wurde stutzig.“ Sie sei dem Angeklagten gefolgt.

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„Ich war auf Socken ganz leise, er hat nicht gemerkt, dass ich hinter ihm war.“ Dann habe sie gesehen, wie der Angeklagte zu ihrer Tochter leise „Psst“ sagte und den Zeigefinger auf die Lippen legte. Sie habe keine Ruhe gegeben, bevor sie gewusst habe, welches Geheimnis zwischen dem Angeklagten und ihrer Tochter bestand. Den Angeklagten und dessen Familie habe sie mit dem Vorwurf noch am selben Abend konfrontiert. „Seine Ehefrau sagte: Wenn wir nach Georgien fahren, kauft er den Kindern Bonbons und die schlafen mit ihm und keiner sagt was.“ Als nächstes sei sie mit ihrer Familie zum Kinderschutzbund gefahren, danach in ein Krankenhaus und von dort aus sei die Polizei gerufen worden.

Ekelhafte Taten, ekelhaftes Plädoyer der Verteidigung

Besonders negativ tat sich auch der Verteidiger des Angeklagten hervor. „Woher wissen wir, dass er sie gezwungen hat?“ Das ist einer der verstörenden Sätze des Verteidigers, der das Geständnis seines Mandanten hoch bewertet sehen wollte, weil er dem Kind die Aussage erspart habe. Dem verängstigten Kind hätten die Eltern erzählt, dass der Angeklagte tot sei. „Das ist doch eine prima Lösung.“ Die Forderung der Staatsanwältin, die 28 Monate gefordert hatte, sei völlig überzogen. Die Einschätzung der Staatsanwältin, dass die Opfer von sexuellem Missbrauch jahrelange Therapien bräuchten und lebenslange Folgen zu erwarten seien, hielt der Verteidiger für „nicht bewiesen“.

Kommentar der Autorin:

Sie wollte es doch, damit reden sich Täter nicht nur bei erwachsenen Frauen raus, sondern sogar bei Kleinkindern. Das ist für eine erfahrende Gerichtsreporterin nichts Neues. Allerdings kenne ich solche Aussagen nur von Tätern, nicht von den Verteidigern. Noch mehr irritieren mich allerdings unsere Gesetzgeber. Sie sehen die Strafen für #Kinderschänder und Konsumenten von Kinderpornografie teilweise auf einer Ebene wie eine Beleidigung oder ein einfacher Diebstahl. Das ist für mich völlig absurd. Ich schäme mich für unsere Gesetze.

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