Von Sergej Nussbaum, derzeit Tel Aviv.

Politisch unbedeutend, symbolisch aber ein Faustschlag ins Gesicht jenes Mannes, der meinte, der Tag werde kommen, an dem alle Frauen in Österreich und Europa gegen die "Islamophobie" Kopftücher tragen müssten. Alexander #Van der Bellen, Bundespräsident Österreichs hatte dies im Staatsfunk ORF gesagt und nichts zurückgenommen. Außerdem fragte der Präsident auch noch, ob Männer auch Kopftücher tragen würden und verstieg sich dann noch zu einem Nazi-Vergleich. Aufregung europaweit, ungläubiges Staunen - so sehr, dass selbst dem sonst um keine rhetorische Volte verlegenen Chefideologen der rechten FPÖ nichts als blankes Entsetzen ohne Polemik über die Lippen kam.

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Ein "diabolischer Akt"?

Während aus dem Vatikan und von den protestantischen Kirchen Europas keine nennenswerte Kritik zu vernehmen war, meldete sich eine der größeren internationalen evangelikalen Freikirchen zu Wort, welcher vom Washingtoner "Flurfunk" Kontakte zur Trump-Administration und konservativen Denkfabriken nachgesagt wird. Konkret hat die Leiterin der Glaubenskongregation der international missionierenden Christian Universal Life Church via Presseaussendung und Facebook die Ausführungen Van der Bellens als "diabolisch" eingestuft. Der Bundespräsident Österreichs wurde zudem zur Persona non grata erklärt, für den man beten solle. Auf Anfrage teilte die #Kirche mit, man werde in der Folge die Aktivitäten in Österreich deutlich hochfahren, um die Christen - gleich welcher Konfession - vor ihrem "christenfeindlichen und gefährlichen Präsidenten" zu warnen.

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Was sind die Folgen?

Politisch hat dies keine Bedeutung, doch dürfte einmalig in der österreischischen Geschichte sein, dass die Glaubenskongregation einer internationalen Kirche mit einer weltweiten Mitgliederzahl im siebenstelligen Bereich die Handlung des Hausherrn der Hofburg als "diabolisch", also "teuflisch" wertet und europaweit zur Wahl von Parteien aufruft, deren Kandidaten nicht im Verdacht stehen, "christlichenfeindliche Ideen" in die Welt zu setzen. Die Leiterin der Glaubenskongregation betonte, sie sei "bis ins Mark schockiert" und habe "aufgrund akuter Gefahren für das Christentum in Europa" auf eine Sondersitzung des Zentralrates ihrer Kirche gedrungen, um weiterreichende Maßnahmen zum Schutz der christlich abendländischen Kultur in Europa zu diskutieren.

Wo ist die katholische Kirche?

Nun wird Herr Van der Bellen es verschmerzen können, dass eine evangelikale Kirche aus den USA ihn zur unerwünschten Person erklärt und feststellt, er sei des Teufels. Wo sind aber die katholischen Bischöfe Österreichs mit einer lauten Stellungnahme? Van der Bellens Aussage stellt Österreichs Charakter als katholisches Land in Frage. #Kopftuch