Der nächste Schritt ist getan: Vor zwei Tagen veröffentlichte die deutsche Cannabisagentur im Amtsblatt der Europäischen Union das Ausschreibungsverfahren für den kommerziellen #Anbau von Medizinalhanf durch Privatunternehmen. Die deutsche Cannabisagentur ist dem „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ (BfArM) untergeordnet. Auf der Vergabeplattform der deutschen Cannabisagentur können sich Interessenten nun beteiligen. Der Auftrag umfasst Anbau, Lagerung, Weiterverarbeitung und Verpackung in einem gestaffelten Losverfahren. Insgesamt 10 Bewerber sollen zwischen 2020 und 2022 pro Jahr je 200 Kilogramm medizinisches #Cannabis erzeugen.

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Cannabis: Sollen deutsche Unternehmen mit Absicht benachteiligt werden?

So weit, so gut, aber der „Deutsche Hanfverband“ hat in dem Verfahren einen unschönen Schwachpunkt entdeckt: „Das Ausschreibungsverfahren beinhaltet zwar verschiedene Kriterien, die über den Zuschlag bei der Vergabe einer Anbaulizenz entscheiden“, erklärt Georg Wurth, der Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbands. „Allerdings könnte die bereits vorhandene Erfahrung im Bereich des medizinischen Cannabis ausländischen Unternehmen einen Vorsprung ermöglichen.“ Denn zu den Vergabekriterien zählt auch die Erfahrung beim Cannabisanbau, mindestens 50 Kilogramm sollten es in den letzten drei Jahren gewesen sein und diese Erfahrung dürfen deutsche Unternehmen und Start-Ups doch gar nicht vorweisen, weil bisher kommerzieller Anbau in Deutschland verboten war.

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Georg Wurth: „Deutsche Unternehmen könnten hier trotz massiven Interesses an einer Lizenz zu kurz kommen.“

Deutsche Gründlichkeit gegen jede Vernunft?

Natürlich ist es richtig, wenn die Vergabe eines solchen Auftrages auch mit der Erfüllung von sinnvollen Voraussetzungen einher geht. Allerdings in diesem Fall deutschen Unternehmen den Einstieg zu verbauen, da schießt die deutsche Cannabisagentur weit über das Ziel hinaus. In Deutschland ist Hanf von unseren Vorfahren erfolgreich angebaut worden, die natürlichen Voraussetzungen sind also gegeben. Dazu kommt, dass es für die Umwelt immer gut ist, wenn lange Fahrtwege eingespart werden können. Aber inzwischen kaufen nicht nur Umweltschützer ihr Gemüse am liebsten aus der Region. Mittlerweile zeigen Forschungen, dass Produkte, die in der unmittelbaren Umgebung wachsen, für den menschlichen Organismus besonders wertvoll sind. Das dürfte für kranke Menschen um so wichtiger sein.

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