(StS/NYC) Der Verdacht ist ungeheuerlich. Offenbar gab es 1986 nicht nur im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl einen #Atomunfall, sondern auch in #Geesthacht bei Hamburg. Da nach Tschernobyl die Strahlungswerte in Deutschland ohnehin etwas erhöht waren, schien es den Verantwortlichen möglich, den Vorfall zu vertuschen. Bis heute. Und das, obwohl zahlreiche Zeitungen und sogar das öffentlich-rechtliche Fernsehen in den vergangenen Jahren darüber berichtet haben. Dabei ist die Aktenlage nach einer gründlichen Recherche eigentlich erdrückend. Insobesondere die Gruppen "Ärzte gegen den Atomkrieg" (IPPNW) und die "Gesellschaft für Strahlenschutz" (GfS) sind sich sicher: am 12.

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September des Jahres 1986 soll es in im Forschungsreaktor Geesthacht-1 an der Elbe zu einem Vorfall gekommen sein, in dessen Folge Radioaktivität in erheblicher Menge freigesetzt worden sein soll.

Während das in der Nähe befindliche und inzwischen stillgelegte AKW #Krümmel jedem entlang der Elbe ein Begriff sein dürfte, lief Geesthacht immer unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. Geesthacht-1 (Baujahr 1958) produzierte bis zu seiner Stillegung im Jahr 2010 Neutronen für die Forschung. Im September 1986 soll dort nach einem Unfall eine eine radioaktive Wolke entstanden sein. Es gibt Untersuchungen, die Erhebliches ergaben und Augenzeugen berichteten in TV-Reportagen, dass sie am 12. September 1986 eine regenbogenfarbene Flamme über Geesthacht-1 gesehen haben. Die Beschreibung der besonderen Farbgebung ähnelt jener von Augenzeugen aus Tschernobyl, die davon ebenfalls in TV-Dokumentationen berichten.

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Nuklearunfall an der Elbe?

Die unkontrollierte Freisetzung radioaktiver Stoffe lasse sich nach Angaben der oben genannten Gruppen, durch Bodenproben klar nachweisen. Die Sache bekommt eine besondere Brisanz, weil in der Gegend um Geesthacht und Krümmel ungewöhnlich viele Kinder an Leukämie erkranken. Hayo Dieckmann von den IPPNW wies schon vor Jahren auf diesen Umstand hin und auch die Politik in Schleswig-Holstein und Berlin hat sich mit den Erkrankungsfällen befasst - ohne Resultat, alles sei in Ordnung. Dabei konzentrierten sich die Sorgen der Anwohner lange auf das kommerzielle Kernkraftwerk Krümmel. Gesthaacht-1 hatte kaum jemand auf dem Schirm. Doch schon 2004 entnahm die GfS in einem Radius um Geesthacht-1 Bodenproben und ließ diese an der Sacharow-Universität in Minsk untersuchen. Deutsche Labore hatten, so Fernsehberichte, die Analyse aus unklaren Gründen verweigert. Das Ergebnis: nebst angereichertem Uran wurden erhebliche Mengen an Thoriumisotopen gefunden. Oder einfacher gesagt: da war was.

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Plutonium!

Laut Frau Schmitz-Feuerhake von der GfS muss man die Ergebnisse dieser Untersuchungen so verstehen, dass man daraus Informationen zu atomarem "Brennstoff" auslesen kann. Die Indizien deuteten in Richtung des "Erbrütens" von spaltbarem Material. Dies mache Sinn, wenn in den Forschungsreaktoren entsprechenden experimentiert worden sei. Die Zeitung "Der Freitag" berichtet, es seien auch "Transurane" wie Plutonium-241 und Americium-241 in der Umgebung von Geesthacht gefunden worden, die weder aus dem AKW Krümmel stammen können noch aus dem explodierten Kernkraftwerk Tschernobyl. Diese Stoffe, so "Der Freitag" würden für Experimente zur Kernfusion, aber auch für die Entwicklung von Atomwaffen genutzt. Es sei offenbar ein kerntechnisches Experiment misslungen, Radioaktivität sei freigesetzt worden und ein sonderbarer Waldbrand habe der Vertuschung gedient.

Reine Fantasie?

Laut der Landesregierung und den Aufsichtsbehörden hat es in Geesthacht nie einen solchen Vorfall gegeben. Wie Augenzeugen und Akten allerdings belegen, zeigen Luftaufnahmen der Region ein Gebäude, das nach dem mutmaßlichen Unfall und angeblichen "Waldbrand" urplötzlich nicht mehr existiert habe. Trotz aller Berichte der vergangenen Jahre und trotz sich auftürmender Indizien, heißt es von der Politik weiter: es ist nie etwas passiert in Geesthacht. Und der Rest ist Schweigen.