Antisemitismus-Studie veröffentlicht

Ob es in der deutschen Bevölkerung einen Zusammenhang gibt zwischen #Antisemitismus und Kritik an der Politik Israels, ist das Thema einer jetzt als Buch veröffentlichten Studie:

Eine große, repräsentative Stichprobe wurde untersucht, erst mit einem Fragebogen zur Antisemitismus-Problematik, dann jedoch auch mit weiteren Fragen zu: Einstellung zu #Israel und zum Zionismus - und schließlich, was diese Studie besonders macht - auch mit weiteren Fragen zu anderen Themenbereichen: Einstellung und Haltung zum Islam und Muslimen, zu Gewalt und zu den Menschenrechten, zu Frieden und zu Krieg, zur persönlichen Betroffenheit und Verbundenheit zu Palästina und Israel, sowie das Ausmaß der Kenntnisse der jeweiligen Person über den Konflikt.

Werbung
Werbung

Drei klar unterscheidbare Menschengruppen bildeten sich heraus aus den gemeinsamen Antwortmustern - jedoch aus nur 90% der Stichprobe, da die restlichen 10 Prozent sich nicht einordnen ließen.

Rechte: 26% der deutschen Bevölkerung haben Vorbehalte und Vorurteile gegen Juden und den Zionismus, jedoch etwa genauso, oder mindestens ebenso, stark auch gegen den Islam und die #Palästinenser. Von den Menschenrechten im Allgemeinen halten sie nur relativ wenig und haben nur wenig Hintergrundwissen über diesen ihnen persönlich nicht sehr wichtigen oder nahegehenden Konflikt Israel/Palästina. Wenn gefragt, beziehen sie zwar eher noch Partei für die palästinensische als für die israelische Seite, aber ohne die Absicht mit Palästinensern demonstrieren gehen zu wollen.

Pro-Israelis: 26% der deutschen Bevölkerung stehen klar zu Israel und unterstützen oder nehmen die Nutzung von Gewalt gegen Palästinenser zumindest widerspruchslos in Kauf.

Werbung

Sie liegen nur im mittleren Bereich, hinsichtlich ihrer eigenen Kenntnisse über die Realitäten in Nahost und ihre persönliche Betroffenheit durch diesen Konflikt. Ebenso liegen ihre Werte auf den Antisemitismusskalen, was überraschend ist, tatsächlich im mittelgroßen Bereich - niedriger als bei den Rechten, aber dennoch lässt sich ein größerer Antisemitismus festhalten, als bei der letzten Gruppe. Dies wird dadurch begründet, dass sie allgemein mehr mit Vorurteilen und Vorbehalten arbeiten und Volksgruppen in unzulässiger Weise einheitliche Merkmale zuschreiben, so wie die Rechten. Ihre häufig bedingungslose Solidarisierung entstammt offenbar einem falsch verarbeiteten Schuldkomplex.

Pro-Palästinenser: 38% der deutschen Bevölkerung nehmen Partei für Palästina, sind gemäß Studie pazifistisch eingestellt und haben bei den Vorurteilen gegenüber Palästinensern, den Islam und Juden deutlich niedrigere Werte erzielt als die vorherigen Gruppen. Sie halten sehr viel von den Menschenrechten und haben das umfassendste Hintergrundwissen über den Konflikt.

Werbung

Das ehemalige Mitglied des Zentralrats der Juden und Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Schleswig-Holstein, Prof. der Psychologie, Dr. Rolf Verleger wurde von heise dazu interviewt. Recherchieren bei heise.de.

Hier kritisiert Prof. Dr. Rolf Verleger zu diesen Fragen im deutschen TV auch die Berichterstattung durch das ZDF:

Ergebnis der Studie

Ergebnis dieser Studie und Realität in Deutschland ist:

Ein Viertel der Deutschen sind Antisemiten, deren Israelkritik Hand in Hand geht mit islamfeindlichen Einstellungen und Hetze auf arabische Mitmenschen und Flüchtlinge, für die Menschenrechte keine Rolle spielen und die auch Gewaltanwendung befürworten. Ihre Parteinahme für Palästinenser ist unehrlich und dient ihnen nur dazu das, in ihren Augen, "wahre" Gesicht des Judentums zu entlarven. Sie sind Rassisten.

Ein gutes Zehntel der Deutschen ist offenbar eingeschüchtert und vermeidet es völlig, in jedweder Form Kritik an israelischer Politik zu üben.

Ein Viertel der Bevölkerung befürwortet die israelische Politik, trotz aller Menschenrechtsverletzungen, tut dies jedoch offenbar nur, um vor sich selbst und der Welt gut dazustehen, als Philosemit, hegt jedoch antiarabische Rassismen.

Jedoch kritisiert immerhin die größte Gruppe in Deutschland, 4 von 10 Deutschen, die israelische Politik deshalb, weil sie für die Menschenrechte einstehen, sowohl Islamophobie als auch Antisemitismus gleichermaßen ablehnen. Sie lehnen eine Politik ab, die sowohl Israel zerstört, als auch den Palästinensern Unrecht antut. Diesen Menschen einen Antisemitismus zu unterstellen, über den sie gemäß psychologischer Studien nicht verfügen, ist ungerecht.

Die Studie von Wilhelm Kempf ist als Buch "Israelkritik zwischen Antisemitismus und Menschenrechtsidee" (Friedens- und Demokratiepsychologie, Bd. 12, ISBN 978-3-936014-33-4) in Regener-Verlag erhältlich.