By John Bergman, CRE of CNA-NY. Übersetzt von Stefan Schmidt.

Der internationale Tag der #Pressefreiheit neigt sich dem Abend zu und meine Sorgenfalten werden tiefer. Wir halten uns als sehr, sehr kleine, konservative und unabhängige Agentur in diesem New York jetzt schon unerwartet lange. Bedienen Themendienste, Medien in Europa, im Nahen Osten und in den Amerikas. Meinen ersten Artikel habe ich für eine kleine Lokalzeitung auf einer mechanischen Schreibmaschine verfasst: der Polizeibericht. Es ging um geklaute Hühner und um kleine Einbrüche. Ich radelte also einmal in jeder Woche zur örtlichen Polizeistation, bekam eine Liste mit Vorfällen und pickte die interessantesten heraus.

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Dabei schrieb ich ganz natürlich, es war vor langer Zeit, welcher Hautfarbe ein Täter war, wie alt und dergleichen Menschliches. Meist waren es bei uns im Ort damals mexikanische Wanderarbeiter, die ständig besoffen waren.

Das konnte man zu jener Zeit schreiben, es war schließlich eine Tatsache. Politische Korrektheit gab es nicht. Nein, früher war nicht alles besser. Aber ich hatte eines nicht: eine Schere im Kopf. Auch als ich dann später als Lohnschreiber für Boulevardblätter im ganzen Land wie ein Besessener tippte, um meine Familie ernähren zu können: keine Schere im Kopf. Ich ging den Weg in die Selbständigkeit mit älteren Kollegen und etablierte Geschäftsbeziehungen nach Europa und darüber hinaus. Wir berichteten, nicht immer pedantisch - zu schlecht war oft die Bezahlung, um Sachverhalte ganz ausrecherchieren zu können.

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Aber wir waren stets wahrhaftig und aufrichtig zu unseren Lesern. Vor allem hatten wir immer noch keine Schere im Kopf. Diese begann sich irgendwann in den Neunzigern langsam zu bilden. Schleichend, so dass man kaum merkte, wie die immer weiter um sich greifende "politische Korrektheit" eine verinnerlichte #Zensur gedeihen ließ. Wir gewöhnten uns daran, mitzudenken, dass man dies und jenes nicht mehr schreibt, Euphemismen benutzt oder etwas so lange zurechtdreht, bis es einer allgemein vorherrschenden linksliberalen und internationalistischen Weltsicht entspricht.

Es ist 1984.

Heute muss man eines sein, um im Journalismus zu überleben: opportunistisch. Andernfalls zerfetzen einen die Leser über die "unsozialen Medien" oder die Medienhäuser, weil Werbekunden bzw. Miteigner recht eigene Vorstellungen von der Welt haben. Wer heute nicht mit Schere im Kopf schreibt, lebt sehr gefährlich. Denn wir sind in Orwells 1984 gelandet, nur unübersichtlicher. In einer Meinungsdiktatur weiß man wenigstens, was man darf und was nicht.

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In der heutigen Welt des "politischen korrekten" Totalitarismus regieren undurchschaubare Redaktionspolitiken, die vermeintlich guten Zwecken dienen. Etwa weil ein Investor Missionar spielen möchte. Und die Leser halten sich für Gott. Bloß, man kann es in einer pluralistischen Gesellschaft nicht allen Göttern recht machen. Völlig unmöglich! Empörung hat sich folglich als neuer Volkssport neben der politischen Korrektheit etabliert. Sie können noch so exakt entlang der Fakten schreiben, irgendein Wort, irgendeine Polemik, irgendein Gedankengang wird garantiert irgendwen veranlassen, auf Sie loszugehen. Shitstorms, Hassmails und Morddrohungen gehören für uns inzwischen zum Alltag. Nicht vom Staat, nein, von der "Zivilgesellschaft", die immer mehr zur Diktatur der Lautesten und Bestvernetzten mutiert.

Freies Arbeiten?

Wenn ich es mit der Fürsorgepflicht für meine Kollegen ganz streng nehmen würde, müsste ich ihnen heute untersagen, über viele Themen zu schreiben. Etwa den Klimawandel, Staatschefs, EU-Skeptiker, Russland, Putin, Orban, Trump, Merkel, Juncker, Frankreichs Islamproblem, den Brexit, Schengen, Flüchtlinge, Nationalstolz, Militärpolitik, die NATO, Mexikaner, Venezuela, Israel, Iran, Syrien, Ägypten, Bolivien, die Clintons, die Demokratische Partei, die polnische Premierministerin, Jerusalem, Saudi-Arabien, Kernkraft, Ölförderung, Fleischverzehr, demographische Probleme in Europa, den Islam, Schwule, Frauen, Männer, Sexualität, die Pharmaindustrie, NGOs, Südafrika, Kenia, Kongo, Liberia, Sudan, Bosnien, Serbien, die griechischen Finanzen, Wikipedia, nicht globalisiert denkende Kandidaten, die Türkei, Erdogan, Armenien, Zypern, Libyen, Völkerwanderungen, das chinesische Engagement in Afrika, die Koreas, einflussreiche Milliardäre und so weiter.

Was bleibt?

Bleibt eigentlich nur noch das Wetter übrig. Für die Leser drüben in Deutschland wird es zum Wochenende trocken und sonnig, danach wieder nass und kalt. Der Rest ist Schweigen und die baldige Rente. Es reicht. Auf diese Art der Diktatur der Massen habe ich in meinem Alter keine Lust mehr. #Geldgeber