Live aus dem Bundestag:

Bundestagpräsident Norbert Lammert begrüßte die Abgeordneten. So früh habe er noch nie den #Bundestag so gefüllt gesehen. Ebenfalls habe er auch noch nie so früh so viel Presse an dieser Stelle gesehen. Zunächst wurde über die Tagesordnung abgestimmt und wie erwartet wurde der Tagesordnungspunkt "Ehe für alle" angenommen. Lammert erklärte,dass nun 38 Minuten debattiert werde und er sich Respekt von allen Seiten wünsche.

Zunächst sprach Thomas Oppermann von der SPD: "Die #Abstimmung über die Ehe für alle ist vielleicht nicht gut für die Koalition, aber gut für die Menschen." Auch Dietmar Bartsch von den Linken befürwortete die #Ehe für alle Geschlechter.

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Volker Kauder von der CDU erklärte, dass er dagegen stimmen will und auch verfassungsrechtliche Bedenken habe. Katrin Göring-Eckhardt von den Grünen erklärte: "Es ist genug Ehe für alle da." Ehe sei doch etwas Konservatives. "Warum freuen Sie sich nicht?" Es hätten immer drei Gesetzentwürfe vorgelegen (Anmerkung: von den Grünen, von den Linken und von Rheinlandpfalz).

Eva Högl, SPD:

Es sei eine nicht zu begründende Diskriminierung einen Teil der Menschen von dem besonderen Schutz der Ehe auszuschließen, die der Gesetzgeber Ehepaaren biete.

Harald Petzold, Die Linke:

"Endlich beschließen wir die Einführung dieses Rechts. Ich kann Ihnen sagen, fürchten Sie sich nicht. Ab morgen wird sich die Welt genau so weiter drehen wie heute. Es wird nicht eine heterosexuelle Ehe weniger geben. Es wird niemandem etwas weg genommen.

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Niemand muss, alle dürfen. Es wird lediglich ein paar mehr glückliche Menschen geben."

Erika Steinbach, fraktionslos:

Das Grundgesetz stelle ausschließlich die Ehe zwischen Mann und Frau unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung, laut Bundesverfassungsgericht 2012. Der heute in einer Art "Sturzgeburt" zur Abstimmung stehende Gesetzentwurf stehe diesem Urteil "diametral entgegen". Volker Kauder ziele mit seiner Kritik an der SPD aber auf den falschen Kandidaten. Verantwortlich für die Lage, dass nun nach nur 38 Minuten über das Gesetz abgestimmt werde, sei Kanzlerin Angela Merkel. "Ich werde den Gesetzentwurf ablehnen, weil er dem Grundgesetz widerspricht und meiner Überzeugung."

Bundestagspräsident Norbert Lammert:

"Es entscheidet jeder einzelne Abgeordnete, wie er sich zu welchem beliebigen Tagesordnungspunkt verhält. Dazu bedarf es keiner Freigabe, weder durch Fraktionen noch durch Parteien. Und auch zu der viel strapazierten Frage, was denn eine Gewissensentscheidung sei, gibt es eine einzige zuständige Instanz und das ist der jeweils einzelne Abgeordnete."

Jan-Marco Luczak, CDU

"Nicht jeder, der nicht für die Ehe für alle stimmt ist gleich homophob." Deshalb sollten nach der namentlichen Abstimmung nicht Namen der Gegner im Wahlkampf benutzt werden.

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Manche gesellschaftliche Veränderungen bräuchten Zeit, deshalb sei es nicht schlecht, dass das Thema so lange nicht entschieden worden sei. In anderen Ländern sei es schnell gegangen, das habe aber zu heftigen Protesten in Teilen der Bevölkerung geführt. Umfragen würden zeigen, dass aktuell in Deutschland 82 Prozent der Menschen dafür seien. "Darum sage ich, der Zeitpunkt für die Öffnung der Ehe ist heute da." Kein Kind werde weniger geboren, keine heterosexuelle Ehe weniger geschlossen, niemandem werde etwas genommen.

Gebt euch einen Ruck!

"Wenn wir heute die Öffnung der Ehe beschließen, dann setzen wir damit ein Stück bürgerliche und konservative Politik um", so Luczak. "Und deswegen sage ich, auch insbesondere an meine eigene Fraktion gerichtet, an diejenigen, die noch mit sich ringen, die noch Zweifel haben, wie sie heute abstimmen wollen: Gebt euch einen Ruck. Wir sind schon immer diejenigen gewesen, die neue Entwicklungen mit tradierten Werten zusammen bringen. Wir können heute nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Unions-Parteien ein wichtiges Zeichen setzen für eine tolerante, aber auch im besten Sinne wert-konservative Politik. Und deswegen werbe ich dafür, dass möglichst viele von euch heute bei dieser Abstimmung ein klares Ja zur Ehe sagen."

Volker Beck, Grüne:

"Die Ehe für alle muss kommen, denn alles andere als Gleichberechtigung ist Diskriminierung. Wenn der Bundestag heute die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnet, ist das ein historischer Tag für unsere Minderheit."

Gerda Hasselfeldt, CSU:

Ehe sei die Grundlage für die Familie. Es sei die Gemeinschaft von Mann und Frau aus der auch die Kinder geboren würden und aus der die Zukunft der Gemeinschaft gesichert werde. Sie sei die Keimzelle der Gesellschaft und die Grundlage des Staates, deshalb müsse sie unter den besonderen Schutz gestellt werden. Toleranz sei gegeben. "Aber Ungleiches ist nun einmal nicht gleich." Sie wundere sich, dass die Frage der Verfassungsrechtlichkeit einfach abgetan werde. "Mit meinem Verständnis von Rechtsstaatlichkeit hat das nichts zu tun." Sie werde aber die Entscheidung von jedem respektieren.

Karl-Heinz Brunner, SPD:

"What a wunderfull day." Das werde ein Gesetz, das mehr Freudentränen zur Folge haben würde, als jedes andere Gesetz in den letzten vier Jahren. "Niemand wird beraubt, nein, wir werden reicher in Deutschland."

Der Bundestagspräsident lässt abstimmen:

Abgestimmt wird mit roten Karten für "nein" und blauen Karten für "ja".

Der Gesetzentwurf ist angenommen. 393 Parlamentarier stimmten für die "Ehe für alle", 226 Parlamentarier stimmten dagegen. Es gab vier Enthaltungen.

Auf der Tribüne umarmen sich Menschen mit Tränen in den Augen.

Kanzlerin Angela Merkel tritt vor die Kameras:

Sie habe dem Gesetzentwurf nicht zugestimmt. Sie sei aber dafür, dass die Volladoption für gleichgeschlechtliche Paare möglich sein sollte. "Für mich ist die Ehe im Grundgesetz, die Ehe von Mann und Frau." Sie hoffe, dass mit der Abstimmung ein Stück Friede und Zusammenhalt geschaffen werden konnte.