Russland will wieder eine Großmacht sein. Zur Zeit ist der flächengrößte Staat nur eine Regionalmacht – ökonomisch, bezüglich der Bevölkerung. Russlands politische Macht begrenzt sich international auf die UN. Aber wie auch vor 100 oder 200 Jahren muss man für mehr Machtpolitik einfach Krieg führen. Selbstverständlich nicht direkt, das ist viel zu teuer, und könnte indirekt zum Staatsbankrott führen. Das ist der UdSSR mit der Invasion in Afghanistan (1979 – 89) passiert.

Stellvertreterkrieg in Syrien

Stellvertreterkriege, wie zum Beispiel in Korea der 1950er Jahre oder in Vietnam (1955 – 75), die die demokratischen USA gegen die kommunistischen Kräfte in Südostasien führte, sind weniger teuer.

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Zumindest ist die eigene Zivilbevölkerung nicht direkt betroffen. Im Kampf für die Freiheit steht man dabei auch noch gut da. So war die Formel, die ging aber nicht auf. Russland versucht es in Syrien besser zu machen. #Putin unterstützt allerdings nicht die nach Freiheit strebenden Rebellen, sondern #Assad. Seit dem 30. September 2015 führt Russland Luftschläge gegen die Regime-Gegner. Aber auch gegen vermeintliche und echte Terroristen. Weil er Assad unterstützt – neben den Verbündeten wie zum Beispiel Iran und die Hisbollah – kämpft er implizit für den Machterhalt an sich. Also ist Putin machiavellistisch eingestellt (der Machterhalt hat vor Recht und Moral höchsten Vorrang). Seit den Einsätzen hat Russland die Assad-Regierung nachweislich stabilisiert.

Gegen den Terrorismus - für Russland

Seine geopolitischen Interessen hat Russland inzwischen legitimiert und legalisiert.

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Durch eine bilaterale Vereinbarung zwischen Russland und #Syrien darf die russische Luftwaffe für die nächsten 75 Jahre einen Stützpunkt in Syrien halten. Die Staatsduma hatte am 14. Juli 2017 das Protokoll dafür ratifiziert, und das Unterhaus des Parlaments hat es heute bestätigt, wie die russische Nachrichtenagentur TASS berichtet. Damit ist der Weg frei für Russland offenen Einfluss auszuüben - politisch wie militärisch.

Der Vorsitzende des Staatsduma-Komitees für Sicherheit Wladimir Schamanow meint dazu: „Es handelt sich um die Entwicklung einer umfassenden internationalen Rechtsgrundlage für die Präsenz Russlands in der Region […] Die Präsenz der Luftwaffenbasis [in Syrien] ist ein endgültiger Stabilitätsfaktor, während die bewährte, weltbekannte Wirksamkeit der russischen Rüstungen und die Umsetzung unserer humanitären Aktivitäten alle zum Wachstum der internationalen Rolle unseres Landes beitragen." Neben dem Eigenlob stellt Schamanow auch die internationale Verantwortung für Stabilität in der Region dar.

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Russland begründet seine Aktivitäten und Präsenz in Syrien nicht nur mit der Stabilität im Land, sondern auch immer mit dem Kampf gegen den Terrorismus. Der Vorsitzende des Staatsduma-Komitees für internationale Angelegenheiten Leonid Slutsky geht eindeutig darauf ein: „Angesichts der Situation mit terroristischen Gruppen in Syrien erkennen wir leider, dass unser Militär für lange Zeit dort sein wird. Wir werden immer an der Spitze des Kampfes bleiben gegen den Terrorismus in Syrien, der seine Expansion in Russland und Europa verhindert.

Was will Russland?

Auf diese Weise stellt sich Russland auf Augenhöhe mit den Vereinigten Staaten. Und erhöht seine außenpolitische Reputation und somit seine Gestaltungsmöglichkeiten. Russland will ernst genommen werden. Wie die Entwicklungen in Syrien aufzeigen, muss Russland auch ernst genommen werden. Es bleibt abzuwarten in welche Richtung das gehen wird.

Der Satz von Leonid Slutsky gibt Hinweise dazu: „Wir werden immer an der Spitze des Kampfes bleiben gegen den Terrorismus in Syrien, der seine Expansion in Russland und Europa verhindert.“ Er klingt wie eine Herausforderung an einen Wettkampf mit den U.S.A gegen den internationalen Terrorismus, begründet mit dem berechtigten und notwendigen Kampf dagegen. Der Hinweis auf Europa kann als Angebot interpretiert werden: liebe Europäer, wenn die die USA als Schutzmacht für euch wegfällt – wir sind für euch da.