Beschwichtigungspolitik ade! - So geht es zumindest nach Außenminister Gabriel, der den Kurswechsel bewirkte und konsequent einleitete. Die Bundesregierung zog nach und auch Merkel geriet unter den Druck, den Kurswechsel zu befürworten und umzusetzen. Nach der erfolgten Verhaftungswelle zahlreicher türkischer Journalisten und Beamten als auch einiger Politiker aus der Opposition sah sich #Deutschland nun auch aufgrund der Inhaftierung des deutschen Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner und den anhaltenden Nazi- und Unterstützung von Terroristen - Vorwürfen in der Pflicht, die Gangart gegenüber der #Türkei neu zu überdenken.

Auslöser für Deutschlands ernsthafteren Ton in Richtung Türkei

Die Hauptursache bildete der deutsche Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner.

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Erst kürzlich wurde dieser nämlich, wie n-tv berichtete, auf einer Menschenrechtskonferenz in der Nähe von Istanbul zusammen mit anderen, unter anderem auch führenden Amnesty International - Aktivisten, in Gewahrsam genommen. Indessen ist auch immer noch trotz Drängen der Bundesregierung der deutsch-türkische Welt-Korrespondenten Deniz Yücel in Haft. Ebenso wie die Journalistin Mesale Tolu, die nach dem Spiegel jedoch im Gegensatz zu Yücel ausschließlich den deutschen Pass besitzt. Auf baldige Freilassung ist nicht zu hoffen. Es bedarf eines anderen und neuen Tons, um für diese, in die Türkei gereisten Menschen ein freies Leben zu erstreiten.

Dies tat Sigmar Gabriel erstmals, indem er auf seiner Rede in Berlin am 20. Juli sagte: "Die Fälle von Peter Steudtner, Deniz Yücel und Frau Tolu stehen beispielhaft für die abwegigen Vorwürfe von Terrorpropaganda, die offensichtlich nur dazu dienen sollen, jede kritische Stimme in der Türkei zum Schweigen zu bringen, derer man habhaft werden kann - auch Stimmen aus Deutschland.“

Gabriel läutete mit "Wutrede" Kurswechsel ein

Außenminister Sigmar Gabriel forderte nach all den jüngsten Geschehnissen nun eine Neuausrichtung der Türkeipolitik.

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Dabei sprach er auch die einstige Deeskalationspolitik Deutschlands an, die geführt wurde, um Besonnenheit zu zeigen. Auch geht er auf die zahlreichen erneut wiederholten Nazi-Vorwürfe Erdogans ein. Nach merkur sagte Gabriel in seiner Rede folgendes hierzu:

„Wieder und wieder haben wir (...) Geduld geübt, wenn es Vorwürfe gab, die zum Teil für deutsche Ohren unerträglich waren, uns zurückgenommen und eben nicht mit gleicher Münze zurückgezahlt. Wieder und wieder haben wir darauf gesetzt, dass schon irgendwann die Vernunft wieder einkehren wird und wir zu gedeihlichen Beziehungen zurückfinden können. Wieder und wieder sind wir allerdings auch enttäuscht worden. Immer wieder wurde gleich die nächste Stufe der Eskalation erklommen. Die Entwicklungen in der Türkei sind dabei unübersehbar, und man muss sie auch beim Namen nennen."

Die gesamte Erklärung von Außenminister Gabriel zur Neuausrichtung der Türkeipolitik gibt es im nachfolgenden Video:

Erdogans drastische Reaktionen folgen nun

Die Reaktionen aus der Türkei folgten noch am selben Tag.

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Als unglücklich und innenpolitisch motiviert, beschrieb Ibrahim Kalin, Sprecher von #Erdogan, nach Zeit Online zufolge das Gesagte Gabriels. Noch einen Schritt weiter ging eine Mitteilung des türkischen Außenministeriums, die Deutschland "Türkei- und Türkenfeindlichkeit" vorwirft. Dennoch schien es dieses Mal erstmals auf eine Art Deeskalation hinauszugehen. Die Türkei beschwichtigte, man wolle Deutschland "weiterhin als Verbündeten und befreundetes Land sehen" (Zeit).

Am vergangenen Sonntag und vor seiner Abreise nach Saudi-Arabien meldete sich Recep Tayyip Erdogan nun selbst zu den deutschen Statements zu Wort. Nach Welt zufolge betonte er, dass die Türkei „ein demokratischer, sozialer Rechtsstaat“ sei und keine internationalen Einmischungen dulde: „Niemand hat das Recht, sich in inneren Angelegenheiten der Türkei einzumischen.“ Der deutschen Politik warf er indessen vor, mit Hilfe der Türkei Wahlkampf zu betreiben. Weiterhin hob er hervor, dass die Türkei auch in Zukunft „alles in ihrer Macht Stehende tun“ wird, um „Provokateure“ im Land zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem wiederholte er die Vorwürfe gegenüber Deutschland, Terroristen aus der Türkei zu unterstützen, anstatt diese auszuliefern.

Neueste Meldung: Schon wieder ein deutscher Mann in Gefangenschaft!

Wie FOCUS dem WDR zufolge am vergangenen Freitag berichtete, wurde ein türkischer Familienvater aus Wuppertal zeitweise in der Türkei festgenommen. Kadim D. wollte dort eigentlich zusammen mit seiner Familie den Sommerurlaub verbringen. Jedoch bereits nach seiner Einreise sei der Mann verhaftet worden. Der Grund: Ein Post auf Facebook, in welchem er Erdogan beleidigt haben soll. Der Mann soll mittlerweile nicht mehr in Gefangenschaft leben, darf aber dennoch die Türkei nicht mehr verlassen.

Konsequenzen: Das beinhaltet der neue Kurs gegenüber der Türkei

Die Bundesregierung formuliert auf ihrer eigenen Homepage Punkte, die im Zuge der Neuausrichtung der Türkei-Politik vorangetrieben werden müssen:

"Für die Neuausrichtung der Türkei-Politik der Bundesregierung sieht Außenminister Gabriel folgende Punkte:

1. Die Bundesregierung könne niemanden zu Investitionen in einem Land raten, in dem keine Rechtssicherheit mehr herrsche. Die Bundesregierung sehe nicht, wie sie deutsche Investitionen in der Türkei garantieren könne. Man müsse etwa darüber sprechen, wie man den Hermes-Bürgschaftsrahmen entwickle.

2. Man müsse auch mit den europäischen Kollegen über die Frage sprechen, wie man mit den Vorbeitrittshilfen der EU für die Türkei umgehe.

3. Die Reise- und Sicherheitshinweise in die Türkei müssten angepasst werden, damit die Reisenden wüssten, was ihnen geschehen könne."