Bei dem umstrittenen Referendum in Katalonien sollen sich 90 Prozent der Wähler für eine #Abspaltung von #Spanien entschieden haben. Allerdings, das Referendum ist nicht verfassungskonform, die spanische Verfassung erlaubt keine Abspaltung einzelner Regionen. Daher kann davon ausgegangen werden, dass Gegner der Abspaltung auch nicht zu der offiziell verbotenen Wahl gegangen sind. Insgesamt soll die Wahlbeteiligung nur bei rund 42 Prozent gelegen haben.

Genau wie in Deutschland gibt es in Spanien eine Art Länderfinanzausgleich und genau wie in Deutschland sind diejenigen, die zahlen müssen unzufrieden. In Spanien muss #Katalonien die Geldbörse öffnen und finanzschwache Regionen unterstützen.

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Doch das ist nicht alleine der Grund für die aktuelle Lage.

Katalonien hat Unterdrückung erlebt

Die Katalanen blicken auf eine Geschichte von mehr als 1000 Jahren mit Sprache, Kultur und Literatur zurück. Mit einem Putsch des faschististischen Generals Francisco Franco, übrigens unterstützt von Deutschland, wurde das letzte Mal auf die Unabhängigkeitsbestrebungen von Katalonien geantwortet, was in den spanischen Bürgerkrieg mündete. Die Unterdrückung der Sprache und der Kultur der Katalanen war die radikale Antwort gewesen.

Unter diesem Aspekt hätte der spanische Regierungschef Mariano Rajoy kaum ungeschickter reagieren können, als mit einem riesigen Polizeiaufgebot zu antworten. Die Bilder von prügelnden Polizisten können die Separatisten nun ausgiebig weltweit für sich nutzen. Der Kampf um die Abspaltung wurde so zu einem Kampf um das Wahlrecht, was wesentlich mehr Zustimmung findet.

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Kataloniens Ministerpräsident Carles Puigdemont habe nun die Bilder, die er gewollt habe, räumte sogar Spaniens Innenminister ein.

Abspaltung eher unwahrscheinlich

Sollten sich aber die Politiker beider Lager wieder auf ihre Vernunft besinnen, dann dürfte klar werden, dass eine Abspaltung nicht nur für Spanien sondern auch für Katalonien erhebliche Nachteile haben könnte. Laut den Ökonomen der "Credit Suisse" könnte Katalonien rund ein Fünftel des Bruttoinlandproduktes verlieren. Zahlreiche große Konzerne hätten eine Abwanderung in das Mutterland Spanien angekündigt, tausende Jobs wären dann weg. Katalonien könne nicht automatisch EU-Mitglied sein, es verlöre daher auch den Rückhalt der "Europäischen Zentralbank". Auch vom Euro und dem freien Handel mit Europa müssten sich die Katalanen erst einmal verabschieden, mit gewaltigen Auswirkungen auf ihre Export-Stärke.

Separatisten in den Startlöchern

Die EU täte gut daran hier kein regionales Problem zu sehen. Separatisten überall in der EU stehen in den Startlöchern. Neben den Basken und den Schotten gibt es ähnliche Bestrebungen in Südtirol, Flandern, Rumänien, Nordirland und Zypern. Der Balkan gilt in dieser Beziehung als Pulverfass. Rajoy muss verhandeln und er muss eine friedliche Lösung finden, dabei sollte er von den anderen Mitgliedsländern unterstützt werden.