Der Süden Australiens hält einen Mythos bereit und der heißt: B100. Besser bekannt ist die legendäre Straße Australiens als "Great Ocean Road" und hält so einige Wunder und Anekdoten bereit. Gar für so manch Einheimischen symbolisieren die asphaltierten Serpentinen den Triumph über Wildnis und Natur. Und trotzdem: Die wilde Küste mit ihren steil herabfallenden Klippen bergen zahlreiche Kämpfe mit den Gezeiten des Meeres, gefährlichen Abenteuern und auch Verlusten: Mehr als 200 Schiffe liefen an der sogenannten Shipwreck Coast auf Grund.


Zwischen dem Surfer-Paradies Torquay und Allansfort erstreckt sich die berühmte Great Ocean Road entlang der Küste und entpuppt sich als schönste 243 Kilometer der Welt. Hier schlängelt sich eine atemberaubende Route ziemlich kurvenreich entlang unzähliger beeindruckender Strandpanoramen entlang. Westwärts von Melbourne verläuft die Great Ocean Road landeinwärts und wird von Regenwäldern im Great-Otway-Nationalpark gesäumt. Besucher werden von Riesenfarnen, Wasserfällen, seltenen Vögeln und fleischfressenden Schnecken, die durch das Unterholz kriechen, begrüßt.

Die imposanteste Aussicht genießt man auf der Strecke allerdings auf die zerklüftete Küste mit ihren Twelve Apostles. Die ockerfarbenen Felsen aus Kalkstein ragen zum Teil bis zu 60 Meter aus den südlichen Ozean. Fast mystisch und rätselhaft wirken die Skulpturen auf ihre mehr als sieben Millionen Besucher, die die Aussicht auf das Naturschauspiel zwischen peitschenden Meereswellen und den Felsen genießen. Als Teil des Port Campbell National Park, waren die majestätischen Naturgebilde vor mehr als zehn Millionen Jahren mit dem Festland verbunden. Wind und Wellen allerdings haben die Klippen schließlich ausgehöhlt. Die Felsformation trug dabei einen Namen, der so manchem wohl ein Schmunzeln auf die Lippen sauber: "The Sow and the Pigs", also die Sau und die Schweine. Allerdings hat man sich später - vor allem aus Gründen, die Touristen anzulocken, auf den wohlklingenden Namen "Zwölf Apostel" geeinigt, auch wenn zu dieser Zeit lediglich neun Kalksäulen existieren. Nachdem im Juli 2005 ein 50 Meter hoher Felsen aufgrund der erosiven Kräfte des Meeres in sich zusammenfiel, bestanden nur noch acht Felssäulen. Auch heute noch lässt die überschäumende Kraft der Elemente Luft und Wasser die Steinsäulen jährlich rund zwei Zentimeter erodieren.

Genauso dramatisch, wie die sagenumwobenen und rasiermesserscharfen Felsen scheinen, sind auch die Geschichten, die sich um sie bilden. Es mag wohl mit etwas Tragik verknüpft sein, dass am 1. Juni 1878  die "Loch Arch" im dichten Nebel an Wand von Mutton Bird Island zerbarst und es einige Menschenleben zu betrauern gab. Nur zwei der 54 Passagiere auf dem Dreimaster konnten den tosenden Fluten des Ozeans entkommen und so überleben. Der 18 Jahre alte Tom Pearce schwamm mit der ein Jahr jüngeren Eva Carmichael, die sich im Nachtgewans an einen Balken festhielt, in die kleine Bucht, die auch heute noch nach dem Segelschiff benannt ist. Mit letzter Kraft erklomm er mit Eva in den Armen die Klippen der Küste und orientierte sich anschließend Pferdespuren, die ihm den Weg zu einer Farm wiesen. In den Medien wurden die beiden durch die Heldentat schnell zum Liebespaar des Jahrhunderts. Jedoch waren die beiden Überlebenden nie zusammen und Eva kehrte auch bald zurück zu ihrer Familie im Vereinigten Königreich.

Doch was wäre Australien ohne die einzigartigen, wilden Einheimischen? Koalas kann man in Kennet River beobachten. Die Fellknäuel lassen sich die australische Sonne auf ihren Pelz scheinen, während sie ihre stark wasserhaltige Nahrung verdauen. Ja, man mag es kaum glauben, aber die possierlichen Fellknäuel verbringen rund zwanzig Stunden am Tag damit, ihre Nahrung, die nur 18 Eukalyptus-Sorten umfasst, zu verdauen. Die Blätter enthalten allerdings so wenig Energie, dass allein der Verdauungsprozess viel zu anstrengend für die baumbewohnenden Beutelsäuger ist, so dass sie rund um die Uhr ein Nickerchen einlegen. Dabei krallen sich die aschgrauen Tiere dank ihrer zwei Daumen und drei entgegen gesetzten Finger in die Baumwipfel fest und faulenzen für den großen Teil des Tages.

Die Great Ocean Road kombiniert also eine unglaubliche Bandbreite australischer Charakteristika mit einer unvergesslichen Atmosphäre sowie Aussicht, die Lust auf mehr auf diesem unbeschreiblich schönen Kontinent macht. Schließlich versteckt sich hinter jeder sonnendurchfluteten Serpentine ein neues landschaftliches Wunder.