Wie jeder Abiturient und jede Abiturientin stand auch ich letztes Jahr vor der Frage aller Fragen: Wie soll es jetzt weiter gehen? Ein freiwilliges soziales Jahr, ein Auslandsaufenthalt oder einfach gleich ins Berufsleben starten? Gar keine leichte Entscheidung!

Letztendlich überwog aber der Reiz, ein anderes Land zu erkunden und kennen zu lernen. Allerdings fiel meine Wahl nicht auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern auf die kleine grüne Insel Westeuropas.
Nachdem man endlich eine passende Gastfamilie gefunden hat, kann die Reise ins Unbekannt beginnen.
Voller Neugier, Vorfreude und natürlich auch ein paar Sorgen sammelte ich meine ersten Eindrücke von meiner vorübergehenden neuen Heimat beim Landeanflug auf Dublin.

Nach der Landung wurde man auch gleich von einem typischen irischen Wettermerkmal begrüßt: dem Regen. Jährlich liegt die Niederschlagsrate bei ca. 1000 Millimeter, allerdings ist es nicht der ständige Regen, der das Wetter charakterisiert, sondern der rasche Wetterumschwung. Zudem ist der Regen eine wichtige Voraussetzung für die atemberaubende Vegetation des Landes. Eines steht fest, es ist nicht nur das ganzjährig grüne Gras, dass die Schönheit der Insel prägt.

Da mein Reiseziel an diesem Tag nicht die Hauptstadt Irlands war, sondern Cork, musste ich noch eine 3 1/2 stündige Busfahrt hinter mich bringen. Cork ist nach Dublin die 2. größte Stadt Irlands, jedoch von der Größe nicht mit einer deutschen Großstadt wie Stuttgart vergleichbar. Trotzdem bietet sie alles, was man in einer Stadt braucht: eine Universität, eine Einkaufsstraße und einige kulturelle Einrichtungen.

Tatsächlich habe ich auch innerhalb kurzer Zeit festgestellt, was für eine offene und herzliche Mentalität die Iren besitzen. Egal, ob du auf den Bus wartest oder in der Einkaufschlange stehst, irgendjemand verwickelt dich meistens in ein Gespräch über Gott und die Welt. Der typische Begrüßungssatz ist hier übrigens: "Hey. How are you?", also "Wie geht es dir?". Ab und zu kann diese nette Frage einen aber auch ganz schön auf die Nerven gehen.
Apropos Einkaufen, Hektik scheint hier eher ein Fremdwort zu sein. Beispielsweise lassen sich die Kassierer von nichts aus der Ruhe bringen und sind auch oft für ein kleines Pläuschen zu haben. Dabei ist es egal, ob an der Kasse noch weitere fünf Kunden warten und sich auch an allen anderen Kassen lange Schlangen bilden. Da würde so mancher Deutscher beim Einkaufen wortwörtlich durchdrehen, wenn er nach der Arbeit nur noch "schnell" einkaufen gehen wollte.
Dennoch läuft der Alltag in Irland auch ohne Hektik und übertriebenen Zeitdruck. Vielleicht sollten wir uns diese Lebensweise manchmal ein bisschen mehr zu Herzen nehmen.

Prinzipiell wird man von seiner Gastfamilie sofort herzlich aufgenommen und in jegliche Familienaktivitäten mit einbezogen, sodass man sich von Anfang an wohlfühlt. Aber trotzdem gibt es ein kleines Problem: Man fühlt sich einsam und hat das Gefühl, niemals in einem anderen Land Freunde zu finden. Und dann nimmt man allen Mut zusammen und verabredet sich mit einer wildfremden Person zum Kaffee trinken...