Schardscha ist trotz des hohen durchschnittlichen pro-Kopf-Einkommens eine Klassengesellschaft krasser Ausprägung.

Die Gastarbeiter auf den Baustellen aus Indien, Pakistan oder von den Philippinen, ohne die hier nichts funktionieren würde, leben in einer mehr als prekären Situation. "Diese Leute bekommen hier freie Kost und Logis von ihrem Arbeitgeber, eine jährliche Heimreise und Urlaubsgeld", sagt Aimen Aboutreika, unser Begleiter.

In der Realität heißt das aber: Ein Bett im Sechs-Mann-Zimmer einer Baracke und 220 Euro Monatslohn - Für das Schuften etwa auf der Baustelle vom "Heart of Sharjah".

Das ist nicht viel. Allerdings viel mehr, als das Leben im Slum von Manila oder Mumbai bereithält. Und offenbar genug, um Geld nach Hause zu schicken.

Zuwanderer sind das Rückgrat der Wirtschaft in Schardscha 

Aber längst nicht alle Ausländer leben hier unter derartigen Bedingungen. Die Mehrzahl der Läden, der Restaurants, Hotels, der Taxifahrer oder Dienstleister, nahezu die komplette Infrastruktur, wird von Zuwanderern betrieben.

Politische Rechte bleiben ihnen dennoch verwehrt. Nicht nur muss jeder Betrieb einen einheimischen "Partner" finden, der dann 51 Prozent der Geschäftsanteile hält und damit auch die Kontrolle über das wirtschaftliche und persönliche Schicksal des Unternehmers.

Auch die ohnehin stark begrenzten Möglichkeiten politischer Mitbestimmung sind den zehn Prozent Arabern vorbehalten, die in Schardscha leben.

"Die Hälfte des Parlaments wird vom Scheich bestimmt, die andere Hälfte von Einheimischen gewählt, die vorher ausgesucht wurden", sagt Aboutreika.

Schardscha als Capital of Arab Tourism

Als Gegenleistung bietet der Scheich unter anderem kostenlose medizinische Versorgung, großzügige finanzielle Wohltaten für Einheimische - und Events wie das alljährliche Schardscha Light Festival, einer wahrhaft opulenten Licht- und Bildershow, die an wichtige Bauwerke wie die Al Nur-Moschee oder an prachtvolle Verwaltungsgebäude projeziert wird. Den Titel "Capital of Arab Tourism" hält Schardscha in diesem Jahr auch deshalb nicht zu Unrecht und ist zwischen den Städten Erbil im Irak und Jerusalem im kommenden Jahr ein stabiler und sicherer Ausrichter der Veranstaltung. Ein wenig demokratische Entwicklung allerdings dürfte es schon noch sein, um sich als Kulturdestination glaubwürdig zu etablieren.

Dies soll schrittweise geschehen, sagt Aboutreika. Immerhin, ein Kinderparlament hat das Emirat schon errichten lassen.

Bild: Praveen Prasad, Flickr CC-BY-SA 2.0 #Islam #Naher Osten