#Reise-Blog: Köln, 03.11.16

Ich werde in wenigen Tagen mit dem Jungen nach Teneriffa fliegen, wo der Hippiebeach samt Aussteiger, die Vulkane und der angebliche Erleuchtete auf uns warten. Alle zwei Tage werde ich einen Reise-Blog schreiben. Gestern waren wir in dem Film "Snowden". Snowden ist ein Held wie alle, die sich nicht für irgendwelche Schweinereien hergeben oder an den Staat und das kapitalistische System verkaufen. Mir liefen während des Films permanet die Tränen, ohne dass ich das in diesem Moment verstand. Ich denke, ich habe mich für die Verbrechen der Menschen geschämt, die dieser Snowden aufgedeckt hat. Und es zeigte mir mal wieder, wie perfide diese Welt der Geldgierigen und Machtbesessenen ist. Und dass egal, was für Skandale aufgedeckt werden, sich quasi nichts ändert, denn große Teile der Eliten in der Welt und ihre Handlanger machen genauso weiter wie schon seit Jahrhunderten. Da steckte plötzlich wieder die alte Trauer, Ohnmacht und Wut in meiner Brust. Auch die anderen Kinobesucher taumelten aus dem Kinosaal, ganz still und ergriffen. Wir hätten uns alle zusammen tun sollen, und über den Film und die Geschehnisse in der Welt reden sollen. Gut wäre auch gewesen, wenn ein paar weise Männer und Frauen sich unserer angenommen hätte. So ging jeder für sich stumm nach Hause, wo andere Probleme warteten - in meinem Fall, ein Liebesgedicht von meiner Exfreundin, das mir in die Hände fiel, als ich im Keller nach meinen beiden Taucherbrillen suchte, die der Junge und ich auf Teneriffa brauchen werden. Das Gedicht war unfassbar schön. In meinen Augen konnte sie sich verlieren, wollte mit mir gehen, und ich sollte auf ihren inneren Schatz vertrauen und so weiter. Gelegentlich ist uns das höchste Glück gelungen, aber schließlich haben wir uns gegenseitig verschlungen. Für umsonst war es nicht, ich habe daraus gelernt, und bin freier denn je. Ein letzter Kuss, und tschüss. Den nächsten Reise-Blog werde ich von Teneriffa aus schreiben.

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