Reise-Blog2: Teneriffa, 08.11.16

Hat schon mal einer von euch versucht, die Realität einzufangen? Zugegeben, das ist ein ziemlich idiotisches Unterfangen. Aber sei es drum.

Der Junge und ich machen uns auf den Weg zum Hippiebeach. Nach vierhundert Metern haben wir die Häuser hinter uns gelassen und befinden uns in einer Landschaft, die mich an Texas oder Mexiko erinnert – schroffe Felsen, große Kakteengewächse. Die gleißende Sonne über uns, eine tiefe Schlucht, die wir umwandern, wobei wir gut acht geben müssen, wo wir hintreten, ein Fehlschritt und man fällt tief ins Geröll. Ich sage das zu dem Jungen, der mit zusammengekniffenen Augen ein Nicken andeutet. Weiter.

Ich bleibe, nachdem wir über der Schlucht sind, stehen und blicke auf ein Barranco, sehe drei vereinzelte Zelte und gegenüber mehrere Höhleneingänge, vor einer Höhle hockt ein Mann mit langen verfilzten Haaren. Wir folgen einem Pfad ans Meer runter und eine halbe Stunde später kommen wir an Holzhütten vorbei und sind am Hippiebeach. Der Junge ist puterrot im Gesicht und will sofort ins Wasser. Ich packe die Tasche aus. Das Meer kommt angesaust, ich reiße die Tasche hoch, drei Decken rechts von uns werden überflutet. Die Leute ziehen mit ihren Sachen und ihrer Nacktheit ein Stück von der Wasserkante weg. Wir tun es ihnen gleich. Das Wasser kommt erneut angerauscht und versickert drei, vier Meter vor uns. Ich packe die Decke aus und gebe dem Jungen, der sich schon auf die Wellen freut, seine Schwimmsachen und die Taucherbrille. Er zieht sich um und verschwindet im Wasser.

Da hier fast alle nackig sind außer dem Jungen und einem muskulösen braun gebrannten Mann, gehe ich auch nackig ins Wasser, hopse in den Wellen, so wie der Junge und die Anderen. Dann schwimme ich ein Stück raus gegen die Strömung an und schaue immer wieder zu unserer Decke und nach dem Jungen, der seine Freude an den Wellen hat und sie schon ganz gut einzuschätzen weiß. Nachdem ich mich ein zweites Mal umblicke, sehe ich, dass der Junge etwas nach links abgetrieben ist. Ich schwimme zu ihm, sage, er solle sich nicht abtreiben lassen. Gemeinsam schwimmen wir zu den anderen Leuten. Er will noch im Wasser bleiben. Ich sage ihm, er soll gut aufpassen und nie die Wellen aus den Augen lassen. Ein junger Bärtiger wird hinter dem Jungen von einer Welle umgerissen und wie eine Gummipuppe an den Strand gespült.

Da guck, was passieren kann.

Der Junge grinst. Ich gehe zur Decke, sehe, dass ein alter Hippie aus einer Hütte heraus Getränke verkauft. Zwei junge Frauen kommen mir entgegen, wir lächeln einander zu und grüßen uns. Ich setze mich und schaue den beiden Frauen zu, wie sie ins Meer gehen. Der Junge taucht hinter ihnen durch eine Welle durch. Ein großer Schäferhund beschnuppert einen anderen Hund, der Angst vor ihm hat. Der sportliche Typ kommandiert seinen Hund herbei, dann lächelt er wieder entspannt.

Ich baue mir aus einem Stein und meiner Tasche eine Kopflehne, lege mich auf den Rücken, lasse mich von der Sonne trocknen und blinzle mit vorgehaltener Hand über den viel zu hellen Strand aufs leuchtend blaue Meer, das sich hebt und senkt, vor und zurück schwappt, und funkelt. Ich setze mir die Sonnenbrille auf, bin ganz still, alles ist friedlich und entspannt, ich bin hier sicher und der Junge ... ja wo ist er denn, o shit! Ich springe auf, blicke mich um. Da ist er. Ich laufe ins Wasser hinein, wate und ducke mich durch heranbrausende Wellen und sage dem Jungen, nachdem ich bei ihm bin, er solle sich verdammt noch mal nicht abtreiben lassen. Mir fällt auf, dass die Strömung einen plötzlich etwas raus zieht, also anders als vorhin, und sage das ebenfalls dem Jungen. Er ruft, ja, das ist der Hammer, total geil! Ich schwimme ein Stück hinaus und zurück zu dem Jungen. Er gibt mir die Taucherbrille. Ich setze sie auf und schwimme zu den Felsen, wo sich in relativ flachem Wasser relativ große Fische tummeln.

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