Dann erzähl mal.

Er kann sich an alles genau erinnern. Glück gehabt, denke ich und kann noch gar nicht fassen, was hier fast passiert sei. Warum hatte ich vorhin diese Gedanken darüber, wie schön das Leben ist, tat einen auf dankbar und wünschte mir, dem Jungen und dem Rest der Welt viel Gutes und im nächsten Augenblick verunglückt der Junge fast? Ich gehe zu dem Spanier und möchte mich bei ihm bedanken, und als ich mich zu ihm herunter beuge, versucht mich sein Riesenschäferhund anzuspringen, und nur weil der Mann den Hund mit aller Kraft zurückhält, zerfleischt er mich nicht mit seinen riesigen Zähnen. Ich eile zu dem Jungen zurück, packe die Sachen ein.

Komm, wir gehen. Ein Arzt soll sich das mal anschauen.

Können wir nicht ein Taxi rufen?

Wo soll hier denn bitte schön ein Taxi halten? Schaffst du es?

Ja.

Du hast Glück gehabt, mein lieber Scholli, riesiges Glück.

Er schaut mich mit glänzenden Augen an. Schreibst du das auch in deinen Reise-Blog?

Natürlich, oder soll ich nicht?

Doch.

Komm wir fragen, ob der Hippie da oben, der die Getränke verkauft, Eis für dich hat.

Die beiden Frauen von eben sitzen dort unterm Dach, schlürfen Caipirinha und erkundigen sich nach dem Jungen, der ihnen seine Wunden zeigt. Sie streicheln ihm ein wenig den Kopf, was ihm sichtlich gut tut und meinen zu mir, ein Arzt sei nicht von Nöten. Der Junge bekommt von dem alten Hippie zähneknirschend ein Stück Eis, mit dem er seine Beule kühlt. Ich erkundige mich bei dem Mann über einen anderen alten Hippie, den ich hier vor einem halben Jahr kennengelernt habe. Der Hippie schimpft auf einmal heftig, holt einen Knüppel unter den Tresen hervor und macht Drohgebärden. Die beiden Frauen beruhigen ihn wieder, zwinkern mir zu und erzählen eine wirre Geschichte über einen, der hier vor drei Monaten explodiert ist und wollen von mir wissen, wo ich herkomme, hier wohne und meinen, wir sollen noch ein bisschen hier im Schatten bleiben und zwinkern mir zu. Ich frage den Jungen, ob wir jetzt mal weiter sollen. Nein, er möchte noch ausruhen und seine Sprite trinken, signalisiert er. Ich unterhalte mich weiter mit den beiden Ladys, die auf charmante Weise mit mir flirten und ich mache mit, bis ich zu dem Jungen sage, komm, wir gehen jetzt heim.

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