SRM Powermeter Training System vs. Garmin Vector System

Wer in den letzten Jahren Profi-Radrennen verfolgt hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass das Gros der Fahrer im Peloton einen kleinen Radcomputer mit der Aufschrift der Firma SRM besitzt, meist in einer zum Teamoutfit passenden Farbe. Auch im Amateurrennsport sind die Geräte des Herstellers aus Jülich weit verbreitet. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das nicht nur die üblichen Daten, wie Trittfrequenz, Geschwindigkeit und Herzfrequenz anzeigt, sondern vor allem die Leistung, gemessen in Watt.


Besaß SRM bis vor einigen Jahren noch eine gewisse Monopolstellung in der Szene, so sind in den letzten Jahren andere Hersteller auf den Markt gedrungen, die ebenfalls ein System zur Leistungsmessung anbieten. Das hat viele Amateurfahrer gefreut, denn mit Preisen ab 2.600,- € war das SRM-System nicht gerade günstig.

Die Konzepte unterscheiden sich vor allem in der Art der Messung, respektive da, wo die Kraft gemessen wird. Bei SRM ist das die Kurbel (oder genauer: der Spider, also das Verbindungsstück zwischen Kurbel und Kettenblättern) und bei dem Garmin Vector System, das wir hier in diesem Artikel dem SRM Powermeter gegenüberstellen wollen, wird die Kraft an den Pedalen gemessen. In beiden Fällen findet die Kommunikation mit dem Gerät am Lenker mit dem drahtlosen Übertragungsstandard ANT+ statt.


Es gibt andere Ansätze, wie beispielsweise Powertap, die die Leistungsmessung in der Hinterradnabe vornehmen. Der bedeutende Nachteil ist hierbei, dass dies nicht mit jedem Hersteller von Laufradsätzen kompatibel ist, der Fahrer ist hier also von vorneherein in seiner Materialwahl eingeschränkt.

SRM-Kurbeln gibt es kompatibel mit allen gängigen Komponentenherstellern wie z. B. Shimano, Campagnolo oder SRAM, die leichteste ist die Cannondale-Kurbel. Insgesamt ist das System nur etwa 160 Gramm schwerer als die Originalkurbel ohne Leistungsmessung. Die Montage ist relativ einfach, zusätzlich zur Kurbel muss nur ein kleiner Rahmenmagnet unter dem Tretlager befestigt werden. Auch die Konfiguration ist kinderleicht und wird im Benutzerhandbuch gut erklärt.


Für die Installation des Garmin Vector Systems sind spezielle Pedale vonnöten, die im Lieferumfang enthalten sind. Zwischen diesen und der Kurbel werden dann auf beiden Seiten die Meßeinheiten montiert. Dies hat den Vorteil, dass man relativ leicht zwischen den Rädern wechseln kann, z. B. wenn man für das Wintertraining ein anderes Rad nutzt oder zwischendurch mal gerne auf der Bahn fährt.

Der Nachteil dieser Befestigung ist allerdings auch ihre Exponiertheit: bei einem Sturz können die Sensoren sehr leicht beschädigt werden. Auch wenn uns das im Test nicht passiert ist, besteht diese Gefahr durchaus, genauso wie beim Fahren in unwegsamem Gelände.


Anders als SRM erlaubt das Garmin System die unabhängige Messung beider Beine, rechts und links, während bei SRM der Wert beider Seiten zusammengefaßt wird. Es ist aber fraglich, inwieweit sich aus dieser Erkenntnis Rückschlüsse ziehen lassen. Unserer Meinung nach handelt es sich hierbei um einen redundanten Wert.

Auch die Inbetriebnahme der Garmin Vector Pedale geht ohne großen Umstand vonstatten. Ein Nachteil ist allerdings die relativ geringe Leistungsdauer der Batterien, die bei umfangreichen Training (unsere Testperson fuhr im Schnitt ca. 400 km pro Woche) weniger als einen Monat durchhielten. Das ist vor allem natürlich dann ärgerlich, wenn die Pedale wegen mangelnder Power im Wettkampf ihren Dienst versagen.


Die SRM Batterie soll laut Hersteller je nach PowerMeter Typ zwischen 750 und 3.000 Stunden halten, ist sie einmal leer, kann man sie jedoch nicht selber wechseln, sondern sie muß eingeschickt werden. In unserem Fall lief der Batteriewechsel unkompliziert und sehr schnell ab, binnen einer Woche konnten wir das System wieder einsetzen.

Ein wesentlicher Bestandteil des SRM Training Systems ist neben den am Rad zu montierenden Komponenten selbstverständlich die Software, mit der die Leistungsdaten analysiert werden. Der formidable Ruf, den die Macher von SRM in der Szene besitzen, kommt wahrlich nicht von ungefähr. Auch wenn sich die Bedienung – dasselbe gilt für die PowerControl-Einheit am Lenker – nicht von selbst erklärt, ist doch nach wenigen Blicken ins Benutzerhandbuch alles klar. Die wichtigen Parameter lassen sich selber konfigurieren, man kann Trainingsintervalle ganz einfach im Nachhinein per Mausklick einfügen und so auch ganze Intervallsequenzen zu einem Über-Intervall zusammenfassen.

Auf der Periodic-Seite kann man in einer einzustellenden Zeitspanne seine Bestwerte für bestimmte Intervalllängen erfragen und so seinen Leistungsfortschritt dokumentieren, diese Funktion hat uns besonders gut gefallen. Wann waren meine stärksten fünf Minuten im Monat Mai, war meine Bestleistung über eine Minute im September besser als im April? Habe ich eine angemessene Balance meiner Belastungsstufen erreicht? Auf all diese Fragen weiß die SRM-Software zuverlässig Antwort zu geben und wie gesagt, die Bedienung ist ganz einfach.


Hiermit kann die Garmin Connect-Software bei weitem nicht mithalten, man muss sogar soweit gehen, zu sagen, dass sie für eine detaillierte Trainingsanalyse gänzlich ungeeignet ist. Abhilfe schaffen kann hier lediglich die im Internet als Freeware zugängliche Version von Golden Cheetah, die die Daten aus dem Garmin Edge (wie auch des SRM PowerControl) auslesen kann. Die unterschiedlichen Bildschirme dieser Freeware sind allerdings unübersichtlicher als bei der SRM-Version. Der einzige Vorteil, den wir im Hinblick auf die Kontrolleinheit bei Garmin entdecken konnten, ist die frei wählbare Konfiguration der Displays bei den Edge-Geräten.


Bei dem SRM PowerControl (getestet wurde das Modell 7, mittlerweile ist schon die 8 auf dem Markt) ist diese vorgegeben, man sieht stets die aktuelle Leistung, den Puls, Geschwindigkeit und Trittfrequenz. Auf Wunsch kann man sich das auch im Durchschnitt des aktuellen Intervalls anzeigen lassen. Bei den Edge-Geräten kann man sich nur einen Parameter anzeigen lassen oder auch 12, ganz wie man will. Auch die Displaybeleuchtung mag ein Vorteil des Edge sein, für Leute, die gerne bei Dunkelheit unterwegs sind.


Was das GPS-Routing des Garmin Edge angeht, hatten wir aber erhebliche Schwierigkeiten. Ständig wurden wir über Wege (teilweise sogar Treppen) gelotst, die sich mit dem Rennrad schlicht nicht fahren lassen, weil sie nicht asphaltiert sind. Und das, obwohl wir die unbefestigten Wege in der Konfiguration deaktiviert hatten. In diesem Punkt ist unbedingt eine Verbesserung vonnöten, die Standard-Navigationssoftware eines handelsüblichen Android-Smartphones hat da bei weitem bessere und zuverlässigere Dienste geleistet.


Zusammenfassend können wir festhalten, dass der einzige Nachteil des SRM Training Systems sein höherer Preis ist. Der ambitionierte Rennradfahrer, bei dem die Leistungsanalyse im Vordergrund steht, wird auf die zusätzlichen Features des Garmin Edge verzichten können, zudem das PowerControl weitaus zuverlässiger funktioniert und es während der mehr als halbjährigen Testphase nur einmal zu einem Ausfall wegen leerer Batterie kam. Die Edge-Software dagegen blieb mehrmals hängen und ist bei einer längeren Tour nach 150 Kilometern sogar komplett abgestürzt, alle Daten waren verloren.


Da innerhalb der letzten Jahre immer mehr Bewegung in den Powermeter-Markt gekommen ist, bleibt abzuwarten, ob SRM weiter an seinem Ruf als Profi-Ausrüster mit entsprechenden Preisen festhält oder sich preislich den Konkurrenzprodukten etwas annähern wird. #Hobby #Testbericht #Sport