Enttäuscht trabt die DHB-Auswahl über das Spielfeld. Wenige Sekunden zuvor ertönt die Schlusssirene. Man hatte das Viertelfinale verloren. Gegen Katar, den Gastgeber dieser Weltmeisterschaft (WM), der bis vor der WM noch ein Niemand im Welthandball war. "Wir haben unser schlechtestes Spiel bei dieser WM abgeliefert. Das ist bitter", sagte Gensheimer nach der Partie. Und dieses Spiel kam zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Doch sollte man zu sehr enttäuscht sein über diese Niederlage? Sollte man lange daran hadern?

Man sollte es nicht tun! Die Deutschen haben bei dieser WM bewiesen, dass sie zurecht die umstrittene Wildcard zugesprochen bekamen. Niemand hatte das Team von Bundestrainer Dagur Sigurðsson vor diesem Turnier auf der Rechnung. Selbst das Erreichen des Achtelfinales wurde in Frage gestellt und galt bei der starken Vorrundengruppe, als fast schon aussichtslos. Doch die Mannschaft konnte überzeugen und erarbeitete sich von Spiel zu Spiel das Vertrauen zurück, dass ihr in den letzten Jahren abhanden gekommen war. Mit Siegen gegen Angstgegner Polen, den man zweimal in der Qualifikation zur WM unterlag, Russland, Argentinien und Saudi-Arabien, zeigte das junge Team um Kapitän Uwe Gensheimer neuen Spielwitz und kämpferische Leidenschaft. Attribute, die man in den letzten Jahren vergeblich im DHB-Team suchte. Dazu kam das Unentschieden gegen Vize-Weltmeister Dänemark. Mit 9:1 Punkten beendete Deutschland die Vorrunden Gruppe D auf Platz eins. Spieler wie Steffen Weinhold, Patrick Groetzki, aber auch Torwart Carsten Lichtlein, wurden dabei zu tragenden Figuren im deutschen Spiel.

Nun liegt es daran, die Enttäuschung aus den Köpfen der Spieler zu bekommen und den Fokus auf die nächste große Aufgabe zu legen: Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Für den Bundestrainer gilt es nun, die richtigen Schlüsse, aus dieser - doch sehr positiven - Weltmeisterschaft zu ziehen. Dagur Sigurðsson, der sich im Vorfeld einige Kritik anhören musste, vor allem in Sachen Personalentscheidungen, konnte mit dieser WM seine Kritiker, zumindest vorübergehend, zum Schweigen bringen. Spieler wie der erst 19-jährige Paul Drux, überzeugten von Anfang an und waren wichtiger Bestandteil für den "Erfolg".

Die WM in Katar, bleibt trotz des enttäuschenden Viertelfinal-Aus, ein Lichtblick für die Zukunft des deutschen Handballs. Die Mannschaft war die jüngste europäische im Turnier. Somit bleibt für Dagur Sigurðsson die spannende Aufgabe, dieses junge Team, durch jahrelange Arbeit, wieder zurück in die Weltspitze zu führen. Dem Trainer jedenfalls, stehen mit den vielen talentierten jungen Spielern viele Möglichkeiten offen um das Experiment in die Hand zu nehmen. Und durch das wiedererstarkte Vertrauen der breiten Masse, sollte auch diese Unterstützung gesichert sein.
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