Ein Blick auf die Tabelle verrät: Viele Ligaurgesteine tun sich unheimlich schwer und hinken den eigenen Erwartungen hinterher; allen voran der Hamburger SV, der seit geraumer Zeit von europäischen #Fußball träumt und diesen auch regelmäßig vor der Saison als Zielsetzung proklamiert, nur um sich dann zum Ende hin in den tiefsten Tiefen der Tabelle wiederzufinden. Auch andernorts in Deutschland träumt man vom Glanz alter Tage, der einen krassen Kontrast zum tristen Dasein im Diesseits darstellt, nachzufragen in Bremen, Stuttgart, Nürnberg, Dresden, Cottbus, Bielefeld, etc. Selbst in Dortmund läuft es in dieser Saison schlecht wie selten zuvor. Im Gegensatz dazu stehen mit dem VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen zwei Werksclubs, von denen man insbesondere die Autostadt nicht gerade zum tief verwurzelten Bundesligainventar zählen sollte, an der Spitze des FCB-Verfolgerfeldes.

Positive Ausnahmen wie die wiedererstarkte Borussia aus Gladbach oder die immerhin mal wieder erstklassigen und soliden Kölner können den Gesamteindruck nicht schmälern: In den deutschen Profiligen verschieben sich die Gewalten, eine neue Generation von (meist) potenten und gut strukturierten Clubs scheint zu erstarken. Mit Ingolstadt und RB Leipzig drängen weitere Teams ohne Ligaprofil in Deutschlands höchste Spielklasse, wohingegen viele der sogenannten „Traditionsvereine“– insbesondere diejenigen im Osten – zunehmend von der Hand in den Mund leben und von existenziellen Nöten geplagt sind.

Die Hintergründe dieser Entwicklungen gestalten sich komplex und sind nur schwer zu verallgemeinern. Nichtsdestotrotz ist klar: Tradition schießt weder Tore noch bezahlt sie Spieler; und ein geschichtsträchtiger Name ist während der 90 Minuten eines Fußballspiels nicht als ein geschichtsträchtiger Name. Die Strahlkraft der Historie, auf die Attraktivität seiner Geschichte reicht nicht aus, um konkurrenzfähig zu bleiben und eben dies bekommen viele alteingesessene Vereine derzeit zu spüren – auch wenn der ein oder andere es nicht wahrhaben mag. Die Rechtfertigung für die eigenen Erwartungen liegen in den Erfolgen der Vergangenheit und weniger in der Qualität des Kaders, was vielerorts in Traditionclubs eine klaffende Lücke hinterlässt zwischen Anspruch und Realität sowie das schwierige Image von Vereinen auf einem wackeligen bis maroden Gestell mit suboptimaler Infrastruktur, unbeweglich im Korsett des eigenen Werdegangs und Status.

Anders der Auftritt einiger junger Bundesligaclubs: Ganz gleich, wie kontrovers die eigene Haltung zu Vereinen wie der TSG Hoffenheim oder RB Leipzig auch sein mag, muss man doch einsehen, dass sie strukturell und konzeptionell sehr gute, auch innovative Arbeit leisten. Dass dies nicht nur an potenten Geldgebern festzumachen ist, beweisen Clubs wie Augsburg oder Paderborn, die klug wirtschaftend und sinnvoll kalkulierend mit den kleinsten Etats der Liga großartige Ergebnisse erzielen. Der Aufschwung der jungen aufstrebenden Vereine sollte Traditionsteams jedoch keinesfalls entmutigen, sondern vielmehr zum Anlass genommen werden, neue Wege zu gehen und von Vorreitern zu lernen. Wenn das eigene Konzept und Selbstverständnis kritisch hinterfragt wird, gibt es in vielen Städten keinen Grund daran zu zweifeln, dass an alte Erfolge angeknüpft werden kann. Bestes Beispiel derzeit: Borussia Mönchengladbach. Nach Jahren der Erfolg- und Mittellosigkeit haben sich die Fohlen im oberen Tabellendrittel gefestigt. Dies ist zu einem großen Teil auch der Verdienst von Sportdirektor Max Eberl, der über Jahre hinweg Strukturen schuf und überarbeitete, kluge und umsichtige Transfers tätigte und auch großen Wert auf die Imageaufbesserung und -pflege legte. Die Früchte werden nun nach und nach geerntet.

Ähnliche Erfolgsgeschichten sind auch vielen weiteren historisch verankerten Vereinen zuzutrauen, vor allem, wenn man ihren großen Vorteil betrachtet: Den sozialen Wert der Tradition, der mit Geld nicht aufzuwiegen ist und selbst in Zeiten des Misserfolgs noch massig Zuschauer ins Stadion lockt. Emotionale Verbundenheit zum Verein ist für den langfristigen Erfolg eines Vereins nahezu unerlässlich, und in dieser Hinsicht sind die meisten Traditionsvereine nach wie vor überragend aufgestellt dank den Erfolgen alter Tage. #Sport