Wie wichtig sorgsam recherchierte Berichterstattung und insbesondere die nicht aus dem Zusammenhang gerissene Darstellung von getätigten Aussagen ist, zeigt sich nicht zum ersten Mal anhand des Zitierens von Fußballprofis und daraus folgenden Konsequenzen in Form von Auseinandersetzungen zwischen den Autoren des Artikels und demjenigen, über den geschrieben wird.

Werbung

Ciro Immobile und das Interview mit der "La Gazzetta dello #Sport"

Ein aktuelles Beispiel für die Brisanz solcher Fälle zeigt sich im derzeitigen Disput zwischen dem bei Borussia Dortmund unter Vertrag stehenden Fußballprofi Ciro Immobile und dem Newsportal der "Bild".

Werbung

Letztere berichtete von einem Interview des Stürmers mit der italienischen Zeitung "La Gazzetta dello Sport", in dem Immobile erzählt, dass ihn seit seiner Ankunft noch kein einziger seiner Mitspieler zum Essen ins eigene Heim eingeladen habe. Eine Aussage, welche von der "Bild" als Beschwerde über ein fehlendes Zugehörigkeitsgefühl gedeutet wird ("[...] beklagte sich der Stürmer über den fehlenden Anschluss innerhalb der BVB-Mannschaft [...]"), die von dem Urheber jedoch in einem ganz anderen Sinne geäußert wurde, wie er auf seinem offiziellen Facebookprofil sowohl auf Deutsch als auch auf Italienisch klarstellt: "Ich habe einfach erzählt über die kulturellen Unterschiede, die in meinen ersten Monaten in Deutschland für einige Schwierigkeiten gesorgt haben."

In solch einem kulturellen Kontext ausgesprochen, besitzt eine Bemerkung wie diese ein völlig anderes Gewicht als wenn es sich um die Antwort auf die Frage gehandelt hätte, wie Immobile zu seinen Teamkameraden stehe. Dass die deutsche Mentalität sich nicht unerheblich von der italienischen unterscheidet, dürfte nicht erst in diesem Interview aufgekommen sein und muss gewiss nicht als Anhaltspunkt für mögliche Differenzen zwischen der Mannschaft des BVB und dem Italiener angesehen werden..

Werbung

Ciro Immobile über die "Bild"

Die Tatsache, dass auf dem Internetportal der "Bild" über dieses Interview berichtet wird, liegt sicher auch daran, dass sich der Dortmundspieler kritisch über deren Berichterstattung auslässt, wie sie selbst in einem Artikel auf Basis der "La Gazzetta dello Sport" darlegen: "Die BILD metzelt mich nieder, vielleicht, weil es eine Zeitung aus München ist, und sie lassen keine Gelegenheit aus, um Borussia heftig anzugreifen."

Auf den Vorwurf reagierte der Bildreporter mit folgendem Konter: "Lieber, Signore Immobile! BILD ist keine Münchner Zeitung, sondern erscheint bundesweit. Die Zentrale ist im "neutralen" Berlin."

Auch das greift Immobile in seiner öffentlichen Stellungnahme auf Facebook noch einmal auf, indem er den Adressaten seiner Kritik hervorhebt: "Außerdem möchte ich mich gerne entschuldigen bei BILD: es war nur ein Witz (über eine andere Zeitung, eine Bayerische). Ich habe großen Respekt für Journalisten, die sich richtig verhalten und die mich beurteilen für das was ich auf dem Feld mache.".

Werbung

Letztere Bemerkung Immobiles lässt sich unterschreiben. Zweifellos sollte es eine größere Rolle spielen, die Leistung des Spielers zu beurteilen, als Aussagen ohne Rücksicht auf den Zusammenhang auszulegen, sodass der Anschein von Disharmonie oder anderem Meldungswürdigen entsteht. Gewiss wird der Stürmer nicht zufrieden mit seiner Einsatzzeit sein, jedoch macht diese Tatsache nicht wahrscheinlicher, dass man Auszüge aus dem Interview als Zeichen für eine abgekühlte Beziehung zwischen Immobile und seinen Kameraden sehen muss. Schließlich erwähnt die "Bild" auch, dass der Italiener seine Entscheidung, zu Borussia Dortmund zu wechseln, nicht bereut.

Immobiles Klarstellung wäre in Bezug auf den Zusammenhalt in der Mannschaft nicht einmal nötig gewesen, wenn man den herzlichen Umgang zwischen Aubameyang und Immobile beim Spiel gegen Stuttgart am Freitag beobachtet hat. Von Frust konnte dabei keine Rede sein.

Was die fehlenden Essenseinladungen angeht, wurden schon viele Angebote gemacht, die Abhilfe schaffen sollten, allen voran der TSV Winsen, der Ciro Immobile via Twitter zum Essen ins Vereinsheim einlädt. Das muss der Italiener also zumindest nicht mehr in Deutschland vermissen. #Fußball