Als Fan von Borussia Dortmund muss man in diesen Zeiten viel ertragen. Ein grauer Schleier schwebt über der Stadt im Ruhrgebiet, der längst nicht mehr von ehemaligen Hochöfen herrührt. Die Stadt leidet, weil der BVB leidet. Gegen Augsburg fuhr die Mannschaft die zehnte Niederlage in der laufenden Saison ein und steht seit Wochen im Tabellenkeller- zwischenzeitlich sogar auf dem letzten Rang.

Aber wenn es nur das wäre. Als hätten unzählige Journalisten während der Erfolgszeiten des Vereins nur auf diesen Moment gewartet, hagelt es seit Wochen Kritik und schlechte Presse. Das Phänomen des Abstiegs der Borussia wird bis ins letzte Detail analysiert und interpretiert- letztlich immer mit dem gleichen Ergebnis: Es gibt keine schlüssige Erklärung für den rasanten Fall der Mannschaft. Natürlich gibt es Verletzte, aber die gab es auch in den Jahren zuvor. Natürlich wird Jürgen Klopp kritisiert, schließlich muss in einer Krise irgendwann der Trainer kritisiert werden, auch wenn es sich um Jürgen Klopp handelt. Natürlich kaufte Bayern München dem BVB mit Mario Götze und Robert Lewandowski zwei der wichtigsten Leistungsträger ab und besiegelt damit nebenbei ihre absolute Monopolstellung in der Liga. Natürlich. 

Eine Erklärung für den stetigen Leistungsabfall in der Bundesliga liefert das alles trotzdem nicht. Erfolgsversprechende Neuzugänge wurden eingekauft, das Achtelfinale in der Championsleague erreicht - der Verein sieht sich dennoch immer mehr mit dem Abstiegsgespenst konfrontiert.

Borussia Dortmund wird wie ein Versuchsobjekt behandelt, ein Patient mit einer extrem seltenen Krankheit, der benebelt auf dem OP-Tisch liegt und von neugierigen Anästhesisten beäugt wird. Eine abschließende Diagnose kann nicht geliefert werden, Verein und Fans bleiben im Unklaren über ihr Schicksal und fühlen sich machtlos.

Zwar konnte der klare Sieg gegen Freiburg vergangenen Samstag für Schmerzlinderung sorgen, die tiefgraue Wolkendecke über der Stadt riss für 90 Minuten auf und verschaffte einen ernstzunehmenden Lichtblick- als langfristiges Mittel gegen die Unerklärbarkeit der Situation können die drei Punkte trotzdem nicht dienen.

Aber dann das: "Man fällt und man gewinnt auch zusammen!", erklärte Marco Reus heute in einem Interview und begründet damit die Verlängerung seines Vertrags bis zum Juni 2019. 2019! Eine Welle der Euphorie schwabbt durch die Fanwelt des BVB, die freudige Botschaft wird verschickt, geteilt und gehashtaggt, bis es auch der letzte Anhänger des Vereins weiß: Es gibt wieder Hoffnung. Langfristige Hoffnung. Bis 2019. Es gibt wieder jemanden, der seine Liebe zum Verein und zur Stadt kompromisslos zugibt und über alles andere stellt. 

Natürlich ist die Krise damit nicht überwunden und auf sportlicher Ebene verändert sich faktisch ebenso wenig. Die Nachricht spendet dafür Trost auf emotionaler Ebene, den die Fans bitter nötig hatten. So ist zwar noch keine Heilung in Sicht, aber seit langem haben die Anhänger wieder ernsthaften Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. 

Marco Reus gibt Borussia Dortmund damit genau das, was ein Kranker in seiner schwersten Zeit am dringendsten benötigt: Echte Liebe.  #Fußball #Sport