Viele Fußballclubs stellen unter Beweis, dass soziale Netzwerke nicht bloß auf individueller Ebene ein wirksames und gern verwendetes Mittel zur Selbstdarstellung sind und zu einem direkten, kontrollierbaren Kanal werden können. Insbesondere die Beherrschbarkeit repräsentiert einen gern genutzten Vorteil für Vereine, weil auf diese Weise der Informationsfluss, anders als im Falle einer Beteiligung dritter Medien, wie Zeitungen und Fernsehen, in die gewünschte Richtung und auf die beabsichtigte Weise gelenkt werden kann.

Vorteile sozialer Medien

Die Vereine verfügen somit über die Möglichkeit, sich im Web ein gewünschtes Image zu erschaffen und in den meisten Fällen ist Nähe zu den Fans ein unabdinglicher Teil davon. Bilder vom Training, Gewinnspiele, Informationen zu der gesundheitlichen Verfassung der Profis und selbstverständlich auch das Dokumentieren von Spielverläufen sind nur wenige Inhalte von dem, was von offiziellen Accounts in sozialen Medien publiziert wird und dem "gewöhnlichen" Fan das Gefühl verschafft, an etwas teilhaben zu können, was früher noch gänzlich ohne sein Wissen abgelaufen wäre.

Der Verein zieht daraus den Nutzen in Form einer Vergrößerung der Gemeinschaft und einem effektiven Instrument zur Werbung in eigener Sache, der Fan wiederum profitiert von der Empfindung, mithilfe von Insiderwissen in die Geschehnisse rund um den Lieblingsclub eingebunden zu werden. Das klingt eigentlich ideal.

Mögliche Schwachstellen

In der Realität verläuft die Handhabung der Internetauftritte leider nicht immer reibungslos. Das liegt nicht daran, wie die Zuständigen das Vereinsprofil pflegen, denn schließlich kümmert sich, wie beim FC Barcelona, teils ein eigens dafür geschultes Team darum. Vielmehr tritt die Problematik bei denen auf, die nicht von offizieller Seite damit betraut worden sind, in sozialen Netzwerken einen guten Eindruck zu hinterlassen: den Spielern.

Von vielen Beispielen, in denen dieser Eindruck bestenfalls fragwürdig ist, nur ein aktuelles: Mitchell Weiser veröffentlichte im Rahmen einer Aktion auf Instagram ein Foto von sich und David Alaba, das sie nur ausgesprochen spärlich bekleidet zeigt. Kurze Zeit später löschte er es, was jedoch nicht die rasche Verbreitung des schlüpfrigen Bildes aufhalten konnte. Später folgte eine Entschuldigung unter Berufung auf sein junges Alter und die menschliche Eigenschaft, Fehler zu machen.

Wie der, von sozialen Medien nicht gerade begeisterte, Matthias Sammer im Interview mit dem Männermagazin "GQ" anmerkt, ist die Steuerung der Aktivitäten eines Spielers durch Vereine und insbesondere auch durch Berater legitim und nichts, was erst neuerdings erfolgt.

Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig Kontrolle #Facebook #Sport

Ob sich solch eine Steuerung auf soziale Medien ebenso erstrecken muss, erscheint gerade aufgrund des Erinnerungsvermögens des Internets und der Verbreitungsgeschwindigkeit als notwendig.Wie viel Authenzität und tatsächliche Nähe zu den Anhängern Spieler und Vereine auf solch einer Basis aufrechterhalten können, bleibt jedoch fraglich. Eine vernünftige Lösung bilden gewiss Richtlinien im Umgang mit sozialen Medien, wie sie beispielsweise der FC Schalke 04 für die Mannschaft vorgibt. Dass aus einem bestimmten Bekanntheitsgrad auch eine Verantwortung folgt, gilt immerhin für alle und sollte dementsprechend im #Fußball nicht anders gehandhabt werden. Eine völlige Kontrolle, die aus den Spielern Kunstprodukte des dazugehörigen Vereins macht, kann jedoch für niemanden von Vorteil sein.