Dortmund hat auch sein Spiel gegen den FC Augsburg verloren. 0:1 stand es nach 90 Minuten. Während die Augsburger ausgelassen in der Kabine feierten, mussten sich die Dortmunder Spieler ein gellendes Pfeifkonzert anhören. Weidenfeller und Hummels sprachen nach dem Spiel noch mit den Fans in der Südtribüne, doch auch das konnte die aufgeheizten Gemüter nicht abkühlen. Zu sehr schmerzt es den Fans, ihre Mannschaft, die vor drei Jahren die Liga noch mit ihrem Geschwindigkeitsfußball begeisterte.

Die Krise der Borussia geht also weiter. Zwei Punkte Rückstand auf Platz 17. Natürlich ist der Abstiegskampf noch lange nicht entschieden, dazu ist es auf den hinteren Plätzen viel zu eng. Vieles deutet darauf hin, dass dieses Jahr die Absteiger erst mit dem letzten Spieltag feststehen. Dass Dortmund dann zu diesem Kreis dazu gehört, können sich die meisten nicht vorstellen. Doch dass dieser Gedanke nicht abwegig ist, sieht man an der aktuellen Situation.

Während sich Jürgen Klopp und Co. in den Hinrunde noch in Ausreden flüchteten und von diesen nie zu wenig hatten, klappt auch dieses Mittel zur Krisenbewältigung jetzt nicht mehr. WM-Kater, Pech, viele Verletzte, all das waren lieb gewonnene Ausreden in den ersten 17 Spieltagen. Doch dass damit weder Besserung in Sicht ist noch die Anhänger beruhigt werden können, zeigt sich jetzt in aller Deutlichkeit. All diese Ausreden und Erklärungsversuche sind nicht in der Lage, die aktuelle Lage des BVB begreifbar zu machen. Realitätsferne könnte man Herrn Klopp vorwerfen, wenn er nach einem 0:0 in Leverkusen von einem Schritt in die richtige Richtung sprach. Eine Fehlpassquote deutlich über 50 Prozent und lediglich drei Torchancen im gesamten Spiel untermauerten Klopps Fazit jedenfalls nicht. Und auch seine Abstiegskampf-Taktik - lange Bälle nach vorne und hinten halbwegs sicher stehen statt "Champagner-#Fußball" - scheint sich nicht bewährt zu haben.

Ideenlos, chancenlos, glücklos. So spielt Dortmund zur Zeit. Woran es liegt, dafür gibt es viele Erklärungsansätze. Die einen suchen ihr Heil immer noch in den alten Ausreden - von WM bis hin zu den vielen Verletzten. Aber die WM ist lange vorbei und wer sich die Dortmunder Startelf und die Auswechselbank ansieht, stellt fest, dass er eine so hochwertige Mannschaft in der Bundesliga lange sucht und nur in Leverkusen, Wolfsburg und Bayern in etwa fündig wird. Und so bleiben nicht mehr viele Erklärungen übrig.

Immer die Schuld auf den Trainer zu schieben, sobald es einmal nicht klappt - das ist mit Sicherheit nicht der richtige Lösungsansatz. Doch wenn eine Mannschaft von internationaler Klasse in der Bundesliga so kläglich versagt, dann muss den Trainer dafür eine gewisse Mitschuld treffen. Zweifel an Jürgen Klopp sind jedoch beim BVB verboten. Und zwar von oberster Stelle. Jobgarantie für Klopp von Watzke persönlich, kaum ein Fan zweifelt an Jürgen Klopp. Trotzdem - oder gerade deswegen - muss man sich die Frage stellen: Warum spielt ein Club mehrere Jahre lang hervorragenden Fußball und liegt jetzt auf dem 18. Tabellenplatz? Man sollte dies nicht an einzelnen Spielern festmachen. Fußball ist ein Mannschaftssport, und die Abgänge von Offensiven wie Mario Götze und Robert Lewandowski können nicht die eklatanten Abwehrschwächen der Borussia erklären. Ebenso wenig kann man an zwei Spielern ein Komplettversagen der Offensive festmachen.

Was bleibt, ist also die Taktik des Trainers. Während diese in den Meisterjahren des BVB alle anderen Mannschaften in den Wahnsinn trieb, haben sich diese nun weiterentwickelt. Die Bundesliga ist besser geworden - auch durch zwei hervorragende Jahre des BVB. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen scheint die Borussia sich nicht weiterentwickelt zu haben. Jürgen Klopp ließ in der Hinrunde überwiegend mit der gleichen Taktik spielen wie in den Jahren zuvor. Das Problem ist nur, dass sich die anderen Vereine darauf einstellen und den BVB so schlagen. Ein Mittel dagegen fand Klopp nicht.

Nach der Winterpause, der 18. Spieltag. Und Klopp hatte eine andere Taktik. Hinten sicher spielen, hohe Bälle, es war ungewohnt, was der BVB spielte. Doch die Taktik geht nicht auf. Das sieht man auch gegen Augsburg. Klopp schafft es nicht, aus einem millionenschweren Team eine Mannschaft zu formen und sie mit einer Taktik auszustatten, die so variabel ist, dass man sich auf die Gegner einstellen kann. Hinzu kommt die fatale Situation, die jedes Mal eintritt, wenn der BVB in Rückstand gerät. Dann scheint auf einmal gar nichts mehr zu funktionieren.

Der BVB braucht dringend eine Veränderung. Auf allen Ebenen. Jeder Spieler muss den Abstiegskampf annehmen. Und das könnte ein weiteres Problem werden. Wie viele Spieler kennen den Abstiegskampf? Weidenfeller, Kehl, vielleicht waren noch einige weitere in dieser Situation. Doch die jungen, erfolgreichen Double-Gewinner können mit dem Thema nichts anfangen. Klopp und der BVB sind nicht voneinander wegzudenken. Trotzdem kann eine Trainerdiskussion nicht mehr tabu sein. Denn um wieder nach oben zu kommen, braucht es Veränderungen auf allen Ebenen.
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