Im Hinblick auf das bevorstehende Spiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen den Rekordmeister aus München äußert sich der Geschäftsführer von Werder Bremen Thomas Eichin mit erhobenen Finger über die häufig einseitige Auslegung zugunsten der Bayern, bei kritischen Situation in ihren Spielen.

Gegenüber dem Weserkurier sprach Eichin von zweierlei Maß, mit denen in Spielen gegen die Bayern gemessen werden würde. Die Unparteiischen sollten endlich ihren "Respekt" vor den namhaften Spielern des FCB verlieren.

"Du kannst gegen Bayern nur gewinnen, wenn du Zweikämpfe führen darfst". Unterstrichen wird diese Aussage mit einem Blick auf das Spiel der Bayern gegen Hannover 96 des vergangen Spieltages. Die Hannoveraner konnten unerwartet schon nach 25 Minuten den Führungstreffer erzielen und machten den Bayern in der Anfangsphase das Spielen schwer. 96-Sportdirektor Dufner sah seine Mannschaft in der Position, die Bayern "ärgern" zu können. Doch Pep Guardiola musste nicht zittern und sich auf die spielerische Qualität seines Teams verlassen, sondern bekam 3 Minuten nach dem Treffer der Gegner den Anschlusstreffer, durch einen nicht gerechtfertigten Freistoß durch Alonso. Anfang der zweiten Hälfte wurde die Mannschaft von Trainer Korkut wieder zurückgeworfen. Den Bayern wurde nach einer kritischen Situation im Strafraum, nach einem Tritt von Marcelo an den zu tief fliegenden Kopf Lewandowskis, ein Elfmeter zugesprochen. Wieder eine kritische Entscheidung zugunsten der Münchener und damit die Spielentscheidung. Daraufhin äußerte sich Werder Bremens Sportdirektor Eichin präventiv vor dem Spiel seiner erfolgreich in die Rückrunde gestarteten Mannschaft gegen den Übergegner aus München. Laut Eichin müssten die Schiedsrichter besonders auf Bayerns Ribéry aufpassen, der diese Saison schon "fünf Mal" hätte vom Platz gestellt werden müssen.

Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer reagierte spöttisch auf Eichins Aussagen. "Wahrscheinlich hat er zwischendurch einen Puck zu viel an den Kopf bekommen und jetzt irgendwelche Spätfolgen". Damit spielte Sammer auf Eichins Zeit als Marketingleiter und Geschäftsführer bei dem Eishockey-Club Kölner Haie an. Der Bremer reagierte allerdings mit Witz und antwortete, dass er tatsächlich mal einen Puck an den Kopf bekommen hätte, und es tatsächlich Spätfolgen gegeben haben könnte.

Die Diskussion um den Bayern-Bonus ist wahrscheinlich so alt wie der Begriff des Bayern-Dusels und gehört schon fest in zur deutschen Bundesliga. Aber der vermeintliche Bonus ist immer noch relevant und ärgerlich für Vereine wie Hannover 96. Besonders ärgerlich ist nebenher die Tatsache, dass die Münchener mit ihrer individuellen Klasse und der mannschaftlichen Gesamtleistung auch ohne solche "geschenkten" Fehlentscheidungen zu ihren Gunsten an der Spitze der Liga stehen würden. Für Vereine wie Hannover 96 oder Werder Bremen zählt aber in unterschiedlicher Weise jeder Punkt, den man auch aus Spielen gegen die Bayern holen kann.

Die Existenz der Bevorzugung der Münchener durch die Schiedsrichter ist mittlerweile bewiesen. Die Uni Münster veröffentlichte dazu eine Studie, in welcher die verschiedenen Entscheidungen der Schiedsrichter während eines Spiels bewertet wurden. In der Studie wurde der FC Bayern München mit dem VfB Stuttgart und Hertha BSC Berlin verglichen. Die Analyse basiert auf der Saison 08/09, in der die drei Vereine ähnliche Platzierungen belegten. Inwieweit die Studie auf sämtliche Spielzeiten oder die laufende Saison übertragbar ist, ist fraglich. Doch sie zeigt, dass in der betreffenden Saison den Bayern tendenziell mehr kritische Situationen zugesprochen wurden, als den anderen Vereinen.

Die Diskussionen um solche Schiedsrichter-Entscheidungen für die Bayern tauchen in jeder Saison wieder auf. Die Bayern-Verantwortlichen unterstellen den Gegnern die sich derart äußern, meist eine Absicht damit Druck auf den Schiedsrichter des folgenden Spieles ausüben zu wollen. Ob der Bayern-Bonus bleibt, oder ob Eichins Aussagen nun auch zu einer Beeinflussung des Schiedsgespanns führt, wird Schiedsrichter Kinhöfer mit seinen Kollegen in dieser schwierigen Situation am Samstag zeigen müssen.

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