Erst kürzlich hat die Verurteilung des Ex-American Football Profis, Aaron Hernandez für den Mord an einem Freund, für Schock und Unglauben unter Fans in Amerika und in anderen Ländern gesorgt. Viele Fans fragten sich: Warum? Warum nur würde ein Mann wie Hernandez, jung, beliebt und überaus erfolgreich, alles riskieren und ein so schreckliches Verbrechen begehen? Wahrscheinlich weiß das nur Hernandez selbst – und selbst davon kann man wohl nicht mit Sicherheit ausgehen.

Doch es sind nicht nur die Fans, die bei Fällen wie dem von Hernandez, nach dem „Warum“ fragen: auch Neurologen und Psychiater stellen die Frage nach dem „Warum“ - gerade wenn es um die, bei weitem überdurchschnittlich hohe Kriminalität von American Footballspielern geht. Denn es ist nicht nur der Ex-Spieler Hernandez, der nun hinter Gittern sitzt. Auch unzählige andere Spieler sitzen bereits im Gefängnis – und das aufgrund schwerster Verbrechen, wie Totschlag und Mord.

Doch was steckt hinter dieser „Epidemie des Verbrechens“ unter den Betreibern einer der beliebtesten Teamsportarten Amerikas? Liegt es daran, wie manche Kommentatoren meinen, dass viele Spieler einfach nicht mit dem Druck zurechtkommen, den Berühmtheit und Reichtum mit sich bringen? Oder sind viele Spieler einfach deswegen so gefährdet, kriminell zu werden, weil ein erfolgreicher Footballspieler nun einmal von Natur aus aggressiv und brutal sein muss und manche der Spieler ihre „Triebe“ einfach auch abseits des Spielfelds ausleben müssen?

Was ist der Grund dafür, dass etwa O. J. Simpson, der unglaublich erfolgreich war, seine Ex-Frau und deren Liebhaber auf brutalste Weise ermordete? Oder, dass er, Jahre nach den Morden, von denen er letztendlich freigesprochen wurde, einen bewaffneten Überfall auf einen Sportsouvenir-Laden verübte, der ihn dann letztendlich doch ins Gefängnis gebracht hat?

Einige Forscher, denen der Trend zu extremer Kriminalität unter American Football Spielern schon vor Jahren aufgefallen ist, vermuten einen physiologischen Grund: So gut wie fast alle Spieler, die für einige Jahre aktiv waren, weisen merkliche Veränderungen im Gehirn auf. So haben Studien mit bildgebenden Verfahren gezeigt, das fast die gesamte Oberfläche des Gehirns von Spielern, mit mikroskopischen Verletzungen übersät ist. Diese Verletzungen sind konsistent mit regelmäßigen, leichten bis mittelschweren Hirnprellungen. Wahrscheinlich sind es die häufigen, oftmals ausgesprochen brutalen Zusammenstöße zwischen den Spielern auf dem Feld, die zu diesen Verletzungen führen. Dabei wird das Gehirn, das zum Schutz in einer Flüssigkeit schwimmt kurzfristig so stark beschleunigt, dass es mit Wucht gegen die innere Schädelwand prallt. Aufgrund der hohen Frequenz und Intensität dieser "Impacts" kommt es dann zu chronischen Verletzungen, welche zu permanenten Hirnschäden führen (was auch die hohe Zahl an frühzeitiger Demenz, Gedächtnisstörungen und Parkinson unter Ex-Spielern erklären könnte). Auch auf das Verhalten und die Kontrolle von Emotionen, haben die Verletzungen wahrscheinlich einen direkten Einfluss: so könnte das einer der Hauptfaktoren hinter der hohen Zahl krimineller Footballspieler sein. Endgültige und definitive Ergebnisse liegen jedoch noch nicht vor.


Quellen:

Medical Express - A call for more research on brain damage in NFL players

New Scientist - Brain damage in American Football linked to head trauma

Bildquelle:

Wikimedia Commons/ U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 2nd Class Herbert D. Banks Jr.