Man stelle sich die Deutsche Bundesliga vor, ohne Fangesänge, ohne Fahnenmeer, ohne Stimmung. In England ist man in Richtung "stille Messe" unterwegs. Echte Fankultur findet oft nunmehr in den Pubs statt - vor dem Bildschirm. Dabei war gerade England einmal das Mekka puncto #Fußball-Fankultur. Auf der anderen Seite: wie kommt die Gesellschaft dazu, ganze Kompanien von Polizisten und Sicherheitskräften zu finanzieren, die Fanausschreitungen verhindern sollen? Nur die Fans selbst können Rassismus und Gewalt im Stadion bereits im Keim ersticken!

West, Ost, Nord und Süd

Es gibt den Fußballzuschauer und es gibt den Fußballfan. "Normale" Fußballzuschauer werden zum Fan, umgekehrt eher selten. Aber auch Fan ist nicht gleich Fan. 1985 kam es zur Tragödie im Heysel-Stadion, Sport und Politik musste radikal antworten. Man konnte zwar das Hooligan-Problem einigermaßen unter Kontrolle bringen, Ausschreitungen bei Fußballspielen gibt es aber trotzdem regelmäßig. Die Strafen der Verbände sind richtigerweise rigoros, trotzdem springt der Funke immer wieder vom Fan-Enthusiasmus auf Gewaltexzesse über.

Polizei und Sicherheitskräfte als Feindbild

Das Problem scheint tiefer zu sitzen. Autoritäten anzuerkennen fällt einigen Menschen nicht leicht - das hat mit Fußball überhaupt nichts zu tun. Man sucht Reibungspunkte mit dieser Autorität und diese lassen sich eigentlich nunmehr bei Fußballspielen und Demonstrationen finden. Dazu kommt politischer Extremismus und nicht zuletzt die legale Droge Alkohol als fataler "Enthemmer". Äußerst schwierig für Fangruppierungen eine Unterwanderung durch "Fans" zu verhindern, die es eigentlich nur auf Randale abgesehen haben. Innerhalb der Fangruppe löst das dann den Prozess aus, dass sich der "normale" Fußballfan zurückzieht und die extremen Kräfte immer mehr die Oberhand gewinnen. Das schaukelt sich so lange hoch, bis es zur Explosion kommt, sprich zu massiven Ausschreitungen.

Der "echte" Fan

Zwischen den Fangruppen ist oft der Ehrgeiz zu bemerken, sich als "echte" oder besser "radikale" Fangruppe abzugrenzen. Es ist aber absolut falsch, alle Fangruppen die sich als "Ultras" bekennen, in einen Topf zu werfen. Fragwürdig wird es allerdings dann, wenn die Fangruppierung selbst wichtiger als die Mannschaft oder der Verein wird. Bittere Exzesse für den Fußballsport sind die Folge. Das kann soweit führen, dass sich die Spieler vor den eigenen Fans sprichwörtlich zu Tode fürchten. Der Feind wird auch gerne in Investoren ausgemacht, die sich ganze Fußballvereine unter den Nagel reißen. Eine schwere Identitätskrise in der Fanszene des Vereins kann die Folge sein. Investoren sind allerdings unkontrollierte Emotionen suspekt - sie schaden dem Geschäft. Fanproteste mit unterschiedlichsten Botschaften gehören schon zum Fußballalltag - manchmal sind es aber nur Profilierungsversuche bestimmter Fangruppen.

Rassismus und Extremismus

Man sollte die Realität auf den Fußballplätzen nicht schön reden. Rassistische Bemerkungen und Beleidigungen fallen häufig. Auch unter Alkoholeinfluss in keiner Weise zu entschuldigen, man darf die legale Droge Alkohol nicht als Milderungsgrund heranziehen. Rassismus geht meist Hand in Hand mit politischem Extremismus. Die Emotionen beim Fußballspiel werden missbraucht, um "einfache" Botschaften unters Volk zu bringen. Jeder wirklich echte Fußballfan hat die Verpflichtung sensibel darauf zu achten, ob etwas in dieser Beziehung aus dem Ruder läuft. Vor allem aber: den Mund aufmachen und Stellung nehmen. Bei hetzerischen Fangesängen einfach nicht mitsingen - dann erledigt sich das Problem von selbst. Tolle Stimmung im Stadion hat überhaupt nichts mit Aggressionen gegen die gegnerische Mannschaft, dem Schiedsrichter oder den Fangruppen des Gegners zu tun. Es geht einzig und allein darum, die eigene Mannschaft anzufeuern - und das maximal laut!